WIE MAN IM JAHR 1520 EIN HAUS IN JÁCHYMOV BAUTE
Zuerst zum Stadtrat
Ein Mensch, der in Jáchymov ein Haus bauen wollte, begann nicht damit, sich ein freies Grundstück auszusuchen und einfach mit der Arbeit zu beginnen. Der erste Schritt führte zum Stadtrat. Dieser entschied über die Zuteilung eines Bauplatzes. Ein neuer Bewohner erhielt somit nicht nur ein Stück Land, sondern auch eine Verpflichtung. Jáchymov musste schnell wachsen – aber nach einer klaren Ordnung.
Wer einen Bauplatz erhielt, musste mit dem Bau beginnen und ihn innerhalb der festgelegten Frist fertigstellen. Tat er dies nicht, verlor er das Grundstück ohne Entschädigung. Die Stadt verhinderte damit, dass jemand leere Parzellen blockierte, während andere Menschen dringend Platz zum Wohnen und Arbeiten benötigten.
Ein Grundstück war keine Spekulation. Es war die Verpflichtung, Teil der Stadt zu werden.
Der Baumeister kommt
Mit dem Erhalt des Grundstücks begann jedoch noch nicht der eigentliche Bau. Zunächst kam der städtische Baumeister auf den Platz. Seine Aufgabe bestand nicht nur darin, die Handwerker zu kontrollieren. Er war derjenige, der über das Erscheinungsbild der Stadt wachte.
Er bestimmte, wo das eigentliche Haus stehen sollte, wie es ausgerichtet wurde und wie das gesamte Grundstück genutzt werden sollte. Der Bauherr konnte nicht allein nach seiner eigenen Bequemlichkeit entscheiden.
Schon vor Baubeginn wurde genau festgelegt: wo das Wohnhaus stehen würde, wo sich die Wirtschaftsbereiche befinden sollten, wo Stall oder Hühnerstall angelegt wurden, wo der Misthaufen seinen Platz hatte und wie Abfälle abgeleitet werden sollten.
Was heute wie ein gewöhnlicher Hof hinter einem Haus erscheinen mag, war in Wirklichkeit Teil der Stadtplanung.
Wasser vor dem ersten Stein
Eine der überraschenden Besonderheiten der Jáchymover Regeln ist der Umgang mit Wasser. Ein Haus wurde nicht zuerst gebaut, um erst danach zu überlegen, woher seine Bewohner Wasser bekommen würden.
Der Bauplatz sollte von Anfang an ein funktionsfähiger Teil der Stadt sein. Das Wasser wurde über ein System hölzerner Rohrleitungen auf das Grundstück geführt. Für diese Wasserleitung waren bestimmte Fachleute verantwortlich, und ihr Betrieb unterlag einer Kontrolle.
Die Wasserversorgung war nicht nur der Komfort eines Einzelnen. Sie war eine öffentliche Infrastruktur, ohne die eine Bergstadt nicht funktionieren konnte.
Abfälle hatten ihren festen Platz
Ebenso wichtig war der entgegengesetzte Weg – die Ableitung von Abfällen. Ein Bewohner konnte Schmutzwasser nicht einfach dorthin leiten, wo es ihm gerade passte.
Bereits bei der Planung eines Hauses wurde festgelegt, auf welchem Weg Abfälle abgeleitet werden sollten. Das Abwasser sollte in das städtische System gelangen, und der Misthaufen hatte einen genau bestimmten Platz. Er durfte weder die Nachbarn belästigen noch die Sauberkeit der Stadt gefährden.
Die Jáchymover Regeln behandelten damit etwas, was wir heute Hygiene und technische Infrastruktur nennen.
Das Haus hatte seine Grenzen
Erst jetzt begann der eigentliche Bau. Aber auch hier galt nicht, dass der Eigentümer einfach bauen konnte, was er wollte.
Die Größe des Hauses, seine Höhe, das verwendete Material und sein Verhältnis zu den umliegenden Gebäuden mussten festgelegt werden. Niemand durfte eigenmächtig in die Straße hineinbauen, den öffentlichen Raum verengen oder so bauen, dass andere dadurch geschädigt wurden.
Geregelt wurden auch Dinge des täglichen Lebens: wohin Regenwasser abfließen sollte, wohin Fenster ausgerichtet wurden und wie die Rechte der Nachbarn geschützt blieben.
Ein privates Haus musste den öffentlichen Raum respektieren.
Der Bergbau hatte Vorrang
Jáchymov war jedoch keine gewöhnliche Stadt. Es war vor allem ein Organismus, der rund um den Silberbergbau entstanden war. Und genau dem entsprachen auch die Bauvorschriften.
Ein neues Haus durfte den Bergwerksbetrieb in keiner Weise beeinträchtigen oder einschränken. Zugänge zu den Gruben, Wege für die Arbeit der Bergleute sowie Flächen für technische Anlagen mussten erhalten bleiben.
Ein Gebäude durfte weder Bergwerksanlagen noch Wasserleitungen, die für ihren Betrieb notwendig waren, noch Einrichtungen behindern, die Energie zu den Bergwerksmaschinen übertrugen – beispielsweise zu den Kunstgestängen.
In einer gewöhnlichen Stadt galt als wichtigste Regel, den Nachbarn nicht einzuschränken. In Jáchymov galt noch etwas Wichtigeres: den Bergbau nicht einzuschränken.
Denn gerade der Bergbau war der Grund, warum die ganze Stadt entstanden war.
Feuer unter Kontrolle
Eine der größten Gefahren jeder Stadt war das Feuer. In Jáchymov war der Brandschutz besonders wichtig. Die Häuser standen dicht beieinander, und Holz blieb weiterhin ein unverzichtbarer Bestandteil der Bauwerke.
Deshalb wurde den Schornsteinen besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Jedes Gebäude musste einen sicheren Rauchabzug besitzen. Die Schornsteine sollten aus Stein bestehen, alternativ wurden gemauerte Rauchabzüge verwendet.
Es war eine teurere und aufwendigere Lösung, doch sie schützte nicht nur ein einzelnes Haus. Ein schlecht gebauter Schornstein konnte eine ganze Straße gefährden.
Material und Arbeit nach Regeln
Der Bau eines Hauses wurde auch handwerklich nicht dem Zufall überlassen. Die Stadt überwachte das verwendete Material, seine Qualität und seine Maße.
Der Bauherr sollte wissen, was er kaufte, und der Handwerker sollte wissen, was er liefern musste. Die Vorschriften betrafen beispielsweise Holz, Ziegel, Bretter oder Schindeln – nicht nur deren genaue Abmessungen, sondern auch die Preise.
So wurden Spekulationen und Betrug in einer Zeit verhindert, in der ein regelrechter Bauboom herrschte.
Dieselbe Ordnung galt auch zwischen Bauherr und Handwerker. Die Vereinbarung über die Arbeit, ihre Ausführung und den Preis sollte klar festgelegt werden. Sie wurde schriftlich in zwei gleichen Ausfertigungen abgeschlossen, damit beide Seiten einen Nachweis über ihre Vereinbarung hatten.
Auch die Handwerker hatten ihre Pflichten. Arbeitszeit, Lohn und die Einhaltung vereinbarter Termine wurden geregelt. In einer schnell wachsenden Stadt gab es keinen Platz für Unordnung.
Es wurde nicht nur ein Haus gebaut. Es wurde eine Bergstadt gebaut.
Wenn wir heute durch das historische Jáchymov gehen, sehen wir vor allem einzelne Häuser. Steinerne Portale, Keller, Gewölbe und Spuren der Renaissanceverzierung.
Doch das eigentliche Fundament der Stadt ist auf den ersten Blick nicht sichtbar. Es lag in ihren Regeln verborgen.
Jedes neue Haus musste die Nachbarn, die Straße, das Wasser, die Abfallentsorgung, den Brandschutz und die Arbeit der Bergleute respektieren.
Die Jáchymover Statuten zeigen, dass hier nicht einfach nur eine Reihe von Häusern rund um die Bergwerke entstand. Es entstand ein durchdachtes Ganzes, in dem Wohnhäuser, Wasser, Handwerk und Bergbau ein miteinander verbundenes System bildeten.
Jáchymov war nicht eine Stadt, die Silber besaß.
Es war eine Stadt, die um das Silber herum entstanden war.


