VILA CHROMY
EINLEITUNG
Am Hang oberhalb des ehemaligen Jáchymover Bahnhofs steht eine der ältesten Villen des hiesigen Villenviertels. Die Villa Chromý, heute Štěpova Nr. 756, entstand in den Jahren 1912–1914 als Pension für Johann Chromý, den Braumeister der Jáchymover Bürgerlichen Brauerei. Den Entwurf fertigte der Jáchymover Baumeister Franz Rehn an, dessen Arbeiten das Erscheinungsbild dieses Stadtteils maßgeblich prägten.
Die Villa entstand zu einer Zeit, als sich Jáchymov neben seiner traditionellen Bergbaugeschichte zunehmend zu einem Kurort entwickelte. Das neue Villenviertel an den Hängen oberhalb der Stadt war einer der sichtbaren Ausdruck dieser Veränderung.
BESCHREIBUNG DES HAUSES
Die Villa Chromý ist ein freistehender dreigeschossiger Bau, der deutlich an das abschüssige Gelände angepasst ist. Ihre Architektur basiert auf einer gegliederten Gebäudemasse, die durch markante Giebel, Erker, Balkone und weitere vorspringende Bauteile ergänzt wird.
Dominierende Elemente sind die mächtigen, in das Mansarddach eingeschnittenen Giebel. Im Giebel befindet sich außerdem eine charakteristische Aussichtsarkade, die zusammen mit den Erkern und Balkonen die markante Silhouette des Hauses prägt. Fachliteratur ordnet das Gebäude dem Historismus mit Elementen des Jugendstils zu.
Die architektonische Gestaltung entspricht der ursprünglichen Nutzung des Hauses. Die Villa war nicht ausschließlich als privates Wohnhaus gedacht, sondern auch als Pension für Kurgäste.
BAUHERR UND BAUMEISTER
Bauherr war Johann Chromý, der Braumeister der Jáchymover Bürgerlichen Brauerei. Für ihn erstellte Franz Rehn im Juli 1912 die Baupläne für die neue Pension. Das Gebäude wurde 1914 fertiggestellt.
Franz Rehn gehörte zu den bedeutendsten Jáchymover Baumeistern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Villa Chromý gehört zu seinen frühen Bauten im entstehenden Villenviertel. In den folgenden Jahren entwarf er hier zahlreiche weitere Villen und Pensionen.
Sein Wirken in Jáchymov wird ausführlicher im eigenständigen Artikel Franz Rehn und sein Vermächtnis beschrieben.
GESCHICHTE
Entstehung der Villa
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts veränderte sich Jáchymov schnell. Neben dem Bergbau gewann die Entwicklung des Kurbetriebs und der damit verbundene Fremdenverkehr zunehmend an Bedeutung. Die Zahl der Kurgäste nahm zu und damit auch der Bedarf an neuen Unterkünften.
Gerade in dieser Zeit begann an den Hängen oberhalb der Stadt ein neues Villenviertel zu entstehen.
Die Villa Chromý gehört zu dessen ältesten Bauten. Der Entwurf entstand 1912, und in den Jahren 1912–1914 wurde das Haus errichtet. Seine Lage oberhalb des damaligen Bahnhofs fügte sich zugleich gut in die neue Stadtbebauung ein, die sich außerhalb des historischen Zentrums entwickelte.
Die Pension
Von Anfang an war das Haus mit der Unterbringung von Kurgästen verbunden. Die Entstehung der Villa Chromý zeigt damit anschaulich, wie der Kurbetrieb allmählich zu einem bedeutenden Bestandteil des städtischen Lebens wurde.
Ihr Bauherr stammte dabei aus dem Umfeld des traditionellen Jáchymover Unternehmertums. Johann Chromý war Braumeister der Bürgerlichen Brauerei und investierte dennoch in eine neue Form des Unternehmertums, die mit dem Zustrom von Kurgästen verbunden war.
Die Villa stellt damit eine interessante Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Jáchymov dar – zwischen der Bürgerlichen Brauerei und dem aufkommenden Kurbetrieb.
Krieg und weitere Schicksale
Das Gebäude wurde 1914 fertiggestellt, also zu der Zeit, als der Erste Weltkrieg begann. Der Krieg unterbrach anschließend die weitere Entwicklung des hiesigen Villenviertels.
Es ist belegt, dass das Haus auch in der jüngeren Vergangenheit zu Wohnzwecken genutzt wurde. Die Adresse Štěpova 756 erscheint in städtischen Dokumenten, und das Objekt ist auch in heutigen Adressdatenbanken verzeichnet.
GEGENWART
Der heutige Zustand der Villa Chromý zeigt, dass ihre weitere Existenz keineswegs selbstverständlich ist.
Im Jahr 2023 gewährte die Region Karlsbad einen Zuschuss in Höhe von 300.000 Kč für die Planungsdokumentation im Zusammenhang mit der statischen Sicherung des Gebäudes, einer architektonischen Studie und der Vorbereitung der erforderlichen Projekte.
In den Unterlagen der Region werden genannt:
- Planungsdokumentation für die Baugenehmigung,
- architektonische Studie,
- Projekt zur statischen Sicherung,
- Dokumentation für die Baugenehmigung.
Diese Maßnahmen zeigen, dass die historische Villa einen Zustand erreicht hatte, in dem zunächst ihre Sicherung und der Schutz vor weiterem Verfall gelöst werden mussten.
Das Haus, das vor mehr als hundert Jahren als repräsentative Pension für Kurgäste errichtet wurde, wartet heute somit vor allem auf seine weitere Zukunft.
UMGEBUNG
Die Villa Chromý steht in einem Teil Jáchymovs, der einen der interessantesten Komplexe der Villenarchitektur der Stadt darstellt.
In ihrer Umgebung entstanden nach und nach weitere Villen und Pensionen, von denen viele mit Franz Rehn verbunden waren. Am Hang finden wir beispielsweise das Pension Sonnenhof, die spätere Villa Mayer – Hotel Panorama, aber auch zahlreiche weitere Häuser, die gemeinsam das charakteristische Erscheinungsbild dieses Teils von Jáchymov prägen.
Die Villa Chromý gehört dabei zu den ersten Bauten dieses Ensembles. Sie entstand noch vor dem Ersten Weltkrieg und stellt eine frühe Phase der Umwandlung des Hanges oberhalb der Stadt in ein repräsentatives Villenviertel dar.
FAZIT
Die Villa Chromý gehört zu den Häusern, an denen sich die Veränderungen Jáchymovs zu Beginn des 20. Jahrhunderts besonders gut nachvollziehen lassen.
Im Jahr 1912 beauftragte der Braumeister der Bürgerlichen Brauerei, Johann Chromý, Franz Rehn mit dem Entwurf einer neuen Pension. Zwei Jahre später stand am Hang oberhalb des Bahnhofs ein markantes dreigeschossiges Gebäude mit Mansarddach, mächtigen Giebeln, Erkern, Balkonen und einer Aussichtsarkade.
Es war nicht nur ein neues Haus. Es war Teil eines Wandels, der Jáchymov zu einer modernen Kurstadt machen sollte.
Heute, mehr als hundert Jahre später, ist die Villa Chromý vor allem ein wertvolles Zeugnis dieser Zeit. Zugleich erinnert sie daran, wie leicht ein Teil der Geschichte einer Stadt verschwinden kann, wenn nicht rechtzeitig für ihre bauliche Erhaltung gesorgt wird.


