HAUS NR. 21 (URSPRÜNGLICH NR. 71)
Geschichte
Die Anfänge des Hauses reichen bis in das zweite Drittel des 16. Jahrhunderts zurück, also in jene Zeit, in der Jáchymov durch den Silberbergbau einen außergewöhnlichen Aufschwung erlebte. Das schnelle Wachstum der Stadt führte zur Entstehung einer charakteristischen Bebauung mit Bürgerhäusern, die Wohn-, Handels- und Wirtschaftsfunktionen miteinander verbanden.
Das Haus Nr. 21 entstand als Renaissance-Bürgerhaus, das der damaligen Bautradition Jáchymovs entsprach. Von gewöhnlichen Häusern unterschied es sich vor allem durch seine bedeutende Ecklage und einen Grundriss, der um einen seitlichen Hofflügel erweitert wurde. Gerade diese Gestaltung zeigt, wie sich die Gebäude den konkreten Grundstücken und den Bedürfnissen ihrer Bewohner anpassten.
Trotz zahlreicher Brände, die Jáchymov in der Vergangenheit heimsuchten, blieb die grundlegende Bausubstanz des Hauses aus der Entstehungszeit erhalten. Größere Veränderungen betrafen vor allem die Fassade und Teile der Innenräume. Nach dem großen Stadtbrand von 1782 erhielt die Fassade ihre spätbarocke Gestalt, die bis heute das Erscheinungsbild des Gebäudes bestimmt. Weitere bauliche Eingriffe folgten nach dem verheerenden Brand von 1873. Diese Veränderungen verdrängten jedoch den Renaissancecharakter des Hauses nicht, sondern ergänzten ihn um architektonische Elemente ihrer jeweiligen Zeit.
In der neueren Geschichte, vermutlich im 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts, soll das Haus vom Orden der Klarissen genutzt worden sein. Diese Etappe stellt eines der späteren Kapitel im Leben des Gebäudes dar und dokumentiert den Wandel seiner Nutzung über mehrere Jahrhunderte hinweg.
Beschreibung
Das Haus besitzt zwei oberirdische Geschosse und ist mit seiner Traufseite zum Platz ausgerichtet. Es wird von einem Satteldach mit einer Deckung aus gefalztem Blech abgeschlossen.
Die Hauptfassade besteht aus vier regelmäßigen Achsen gekoppelter Fenster und zeigt die spätbarocke Gestaltung nach dem Brand von 1782. In der zweiten Achse von links befindet sich der Haupteingang des Hauses, hervorgehoben durch eine barocke Einfassung mit einem Schlussstein in der Mitte des Türsturzes. Typische Schmuckelemente sind die sogenannten Ohren mit Tropfen, die in einfacherer Form auch an den Fensterrahmungen erscheinen.
Die Fassade wird durch Eckquaderung sowie durch eine weitere Quaderung gegliedert, welche die Hauptfront unterteilt. Bedeutende architektonische Elemente sind außerdem die reich profilierten Gesimse – das Gurtgesims, das die einzelnen Stockwerke trennt, und das Kranzgesims, das den oberen Abschluss des Gebäudes bildet.
Die Seitenfassade hat ihren unregelmäßigeren Charakter bewahrt, der der langen baulichen Entwicklung des Hauses entspricht. Einige ältere Fensteröffnungen wurden bei späteren Umbauten zugemauert, wobei ein Teil von ihnen seine barocken Einfassungen behalten hat.
Von großem Wert ist der erhaltene ursprüngliche Renaissancegrundriss, der für die Bürgerhäuser Jáchymovs aus dem zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts typisch ist. Eine Besonderheit stellt der seitliche Hofflügel dar, dessen Teil eine Schwarze Küche einnahm – ein eigener Raum, der zur Zubereitung von Speisen über offenem Feuer bestimmt war. Dieses Element erinnert an den Alltag historischer Haushalte vor der Verbreitung modernerer Heiz- und Kochmethoden.
Beachtenswert ist auch die erhaltene Dachstuhlkonstruktion. Die Balken tragen ursprüngliche Zimmermannszeichen, mit denen die Handwerker die einzelnen vorbereiteten Bauteile kennzeichneten. Diese Zeichen stellen heute ein wertvolles Zeugnis der Arbeit alter Zimmermeister dar.
Gegenwart
Das Haus Nr. 21 gehört zu den wertvollen Gebäuden des historischen Stadtkerns von Jáchymov. Seine Bedeutung liegt nicht nur in der Architektur selbst, sondern auch in seiner Fähigkeit, mehrere Entwicklungsschichten der Stadt sichtbar zu machen. Die Renaissancekonstruktion erinnert an die Zeit der silbernen Blüte Jáchymovs, die barocke Fassade an die Phase des Wiederaufbaus nach den Stadtbränden und die jüngeren Veränderungen an weitere Kapitel im Leben dieses Hauses.
Fotogalerie: https://www.rajce.idnes.cz/mipalfi/album/dum-c-p-21


