VOM ERZ ZUR MÜNZE – zweiter Teil
VOM ERZ ZUR MÜNZE – zweiter Teil
Im letzten Teil haben wir beim Metallbarren / Barren aufgehört. Was geschah nun mit ihm und wer war daran beteiligt?
Da festgestellt werden musste, wie viel Silber der Barren enthielt und welche Qualität es hatte, war nicht nur sein Gewicht, sondern vor allem der Anteil an reinem Silber zu bestimmen. Wieder tritt der Probierer auf den Plan, um den Metallgehalt zu ermitteln. Danach übernahm der Wardein die Kontrolle des Feingehalts des Münzmetalls entsprechend der Münzordnung.
Auch wenn es auf den ersten Blick so erscheinen mag, als wären diese beiden Funktionen austauschbar, war dies keineswegs der Fall. Vereinfacht gesagt: Der Probierer stellte fest, wie viel Silber aus dem Erz gewonnen worden war, während der Wardein für den Feingehalt des bereits gewonnenen Silbers verantwortlich war.
Danach folgte die Erfassung und Buchführung, die für die gesamte Wirtschaftlichkeit des Betriebs unerlässlich war. Die Verwaltung dokumentierte, wie viel Erz gewonnen, wie viel Metall ausgeschmolzen wurde und welchen Silbergehalt es hatte. Daraus ergab sich anschließend, welchen Anteil die Gewerken, die Schlicks und der Landesherr erhielten.
Jeder Bergwerksbetrieb war in Kuxe aufgeteilt, nach denen auch der Gewinn verteilt wurde. Darüber hinaus waren sowohl der Anteil der Grund- und Herrschaftsinhaber als auch die Abgaben aus Bergbau und Münzwesen festgelegt, die dem Landesherrn zustanden.
Hier tritt das Bergamt in den Prozess ein. Es überwachte die Einhaltung des Bergrechts, kontrollierte die Gewerken, achtete auf die Rechte des Landesherrn und verfolgte den Weg des Metalls. Das Erz wurde in der Hütte zu Metall, doch erst die amtliche Erfassung machte daraus ein wirtschaftlich bestimmbares Produkt.
Das zur Münzprägung bestimmte Metall wurde anschließend an die Münzstätte übergeben, wo weitere Fachleute ins Spiel kamen.
Über der Münzstätte stand der Münzmeister, der für ihren Betrieb verantwortlich war. Interessant ist, dass seine Münzmeistermarke Bestandteil der Talerstempel war. Dadurch konnte später festgestellt werden, welcher Münzmeister die Münzstätte zum Zeitpunkt der Prägung leitete. Gerade bei großen Silbermünzen war dies eine ausgesprochen wirkungsvolle Möglichkeit, Qualität und Herkunft zu kontrollieren.
Der Barren wurde in der Münzstätte erneut eingeschmolzen. Dabei musste die Zusammensetzung der Legierung so angepasst werden, dass der Silbergehalt bei allen Münzen gleich war. In Joachimsthal war für die Taler ein Feingehalt von 931/1000 festgelegt.
Das flüssige Metall wurde anschließend in Formen gegossen. Die entstandenen Metallstäbe wurden gewalzt und geschmiedet, bis die gewünschte Stärke erreicht war. Das daraus entstandene Blech wurde in einzelne Schrötlinge geschnitten, deren Gewicht und Stärke kontrolliert wurden. Die Schrötlinge wurden anschließend zu Münzplättchen weiterbearbeitet, aus denen Taler, Prager Groschen und andere Münzen geprägt wurden.
Nach der Anlieferung der Barren aus der Hütte kamen der Schmelzer und der Gießer zum Einsatz. Sie führten das erneute Einschmelzen, das Mischen und das Gießen des Metalls in Formen beziehungsweise zu Metallstäben durch.
Anschließend wurden die Stäbe zu Blech geschmiedet. Später kam das Walzen hinzu, das vom Walzmeister geleitet wurde. Er übergab zur weiteren Verarbeitung das Münzblech mit der vorgeschriebenen Stärke.
Aus diesem Blech wurden die einzelnen Münzplättchen, also die Schrötlinge, ausgestanzt beziehungsweise ausgeschnitten. Dafür war der Schrötler zuständig.
Die entstandenen Schrötlinge wurden anschließend weiterbearbeitet: Die Ränder wurden gereinigt, Grate entfernt und die Flächen für die Prägung vorbereitet. Die bearbeiteten Schrötlinge wurden gewogen und vermessen. Stücke, die den vorgeschriebenen Normen nicht entsprachen, wurden aussortiert und zur erneuten Schmelzung zurückgeführt.
Wenn die Münzplättchen in Ordnung waren, konnte die eigentliche Münzprägung beginnen.
Damit der Münzer die einzelnen Münzen prägen konnte, benötigte er zwei Stempel – einen oberen und einen unteren. Diese lieferte ihm der Stempelschneider, eine Person an der Grenze zwischen Künstler und Handwerker.
Er fertigte das spiegelverkehrte Münzbild auf den Stahlstempeln an – dem Oberstempel und dem Unterstempel. Die fertig geprägten Münzen wurden abschließend vom Wardein kontrolliert, der die korrekte Ausführung der Prägung überprüfte. Fehlprägungen wurden unbrauchbar gemacht und zur erneuten Schmelzung zurückgegeben.
Eine scheinbar eigenständige Person war in Joachimsthal der Medailleur. Er entwarf verschiedene Medaillen und Abzeichen, die zugleich eigenständige Kunstwerke sein konnten. Häufig war der Medailleur zugleich Stempelschneider; vor allem in späterer Zeit entwickelte sich daraus jedoch zunehmend die Tätigkeit eines eigenständigen Künstlers.
Am Beispiel des Pesttalers verschwimmt die Grenze zwischen Medaille, Münze und religiösem Amulett vollständig. Medaillen wurden nämlich im Gewicht eines Talers, in dessen Vielfachen oder in seinen Teilwerten hergestellt. Anfangs trugen die Medaillen vor allem religiöse Motive, später jedoch auch Porträts von Herrschern, Adeligen oder bedeutenden Bürgern.
Im gesamten Prozess haben wir nur die wichtigsten Personen genannt. Tatsächlich waren daran Dutzende Menschen beteiligt – von Hilfskräften, die in den Betrieben für Ordnung sorgten, die Feuer in den Öfen unterhielten und verschiedene Hilfsarbeiten verrichteten, bis hin zu Kontrolleuren, Wächtern, Schreibern und Beamten.
Fotogalerie: https://www.rajce.idnes.cz/mipalfi/album/od-stribra-k-tolaru


