VOM ERZ ZUR MÜNZE – erster Teil
VOM ERZ ZUR MÜNZE – erster Teil
Der Weg des Erzes vom Untergrund bis zum Taler war im Grunde recht geradlinig, doch er wurde von einer ganzen Reihe spezialisierter Fachleute begleitet. Dabei muss man auch berücksichtigen, dass die Münzstätte keineswegs nur eine Art Werkstatt war, sondern ein Betrieb mit einer komplexen Hierarchie. Jede Tätigkeit hatte ihren genau bestimmten Zweck, und gleichzeitig bestanden zwei parallele Linien von Mitarbeitern, die sich gegenseitig ergänzten und ohne die jeweils andere keinen Sinn ergeben hätten.
In der Münzstätte liefen somit die handwerkliche Herstellung der Münzen und die Verwaltung des Münzbetriebs gleichzeitig nebeneinander. Bei einigen Funktionen überschnitten sich beide Bereiche. In Joachimsthal handelte es sich zudem nicht um einen unveränderlichen Verwaltungsapparat, sondern um einen Organismus, der sich mit dem jeweiligen Eigentümer veränderte. Zwischen dem Betrieb der schlickschen und der königlichen Münzstätte bestanden Unterschiede, und auch die Stellung und Aufgaben mancher Mitarbeiter änderten sich.
Wie sah also der Weg des Silbers aus – und wer war daran beteiligt?
Am Anfang stand der Prospektor, also jener, der den Ort für einen zukünftigen Stollen oder Schacht bestimmte. Danach trat der Schichtmeister, der Schichtmeister, auf den Plan, der den jeweiligen Grubenbetrieb leitete. Über ihm stand jedoch der Bergmeister, die höchste Autorität innerhalb des Bergreviers. Er genehmigte die Eröffnung neuer Grubenbaue, überwachte die Einhaltung des Bergrechts und entschied über die Art und Weise des Abbaus. In Joachimsthal genehmigte er außerdem die Verfüllung unbrauchbarer Grubenbaue mit taubem Gestein.
Eine nicht weniger wichtige Person war der Markscheider. Er vermesste das neue Grubenwerk unter Berücksichtigung der bereits vorhandenen Abbaue – ihrer Richtung, Tiefe, Länge und gegenseitigen Lage. Das war besonders wichtig, wenn die Erzader in die Tiefe verfolgt wurde.
Danach folgte der Schürfer, dessen Aufgabe es war, die Arbeit des Prospektors durch das Anschürfen der Erzader zu bestätigen. Erst danach trat der Bergmann auf den Plan, dessen Aufgabe darin bestand, das Erz abzubauen und an die Oberfläche zu bringen. Mitunter findet man auch die Bezeichnung Häuer, womit ein Bergmann bezeichnet wurde, der unmittelbar am Abbau der Erzader arbeitete.
Der Bergmann hatte einen Bergknecht zur Verfügung, eine Hilfskraft für verschiedene Arbeiten. Zwischen dem Schichtmeister und dem Bergmann stand der Steiger – der Aufseher über eine Gruppe von Bergleuten. Er bestimmte den Umfang der Arbeiten und beispielsweise auch die Richtung und Art der Auffahrung.
Das gewonnene Material wurde bereits unter Tage sortiert. Es war notwendig, Erz und taubes Gestein voneinander zu trennen, damit möglichst wenig taubes Gestein an die Oberfläche gelangte. Über Tage wurde das Erz noch einmal von Hand sortiert – in reiches Erz, armes Erz und taubes Gestein. Während das reiche Erz unmittelbar zur weiteren Verarbeitung gelangte, wurde das arme Erz in die Aufbereitung gebracht, wo die Konzentration des enthaltenen Metalls erhöht wurde.
Das arme Erz wurde zunächst mit Pochwerken und Stampfen zerkleinert, bis ein möglichst feines Material entstand. Dieses zerkleinerte Material wurde anschließend gewaschen. Dabei wurde das taube Gestein weggespült, während die schwereren Erzminerale zurückblieben. Das entstandene Konzentrat übernahmen die Hüttenleute, die das Material rösteten und schmolzen. Dabei entstand ein bleihaltiges Produkt, das anschließend abgetrieben wurde. So entstanden Bleiglätte und reines Silber. Blei wurde im Schmelzprozess einerseits zugesetzt, war in Joachimsthal andererseits aber auch ein unmittelbarer Bestandteil der abgebauten Erzader.
Bevor wir uns ansehen, was anschließend mit dem Silber geschah, müssen wir zunächst die Funktionen derjenigen benennen, die für die Verarbeitung des Erzes zuständig waren.
An oberster Stelle stand der Hüttenmeister, der für den Betrieb der Hütte, die Organisation der Arbeit und die ordnungsgemäße Verarbeitung des Erzes verantwortlich war. Ihm folgte der Hüttenschreiber, der mit dem Betrieb der Hütte, mit Mineralen und Erzen sowie allgemein mit Bergbau und Hüttenwesen vertraut sein musste.
Danach trat der Schmelzer auf den Plan, der die eigentliche Schmelzung durchführte. Er musste die Beschickung vorbereiten, das Verhältnis von Erz und Zuschlägen bestimmen, die Temperatur steuern und die Schlacke abtrennen. Als Helfer stand ihm der Schmelzknecht zur Seite.
In einigen Quellen wird auch ein Röster beziehungsweise Röstmeister erwähnt, unter anderem bei Agricola. Für Joachimsthal ist jedoch nicht eindeutig geklärt, ob es sich dabei um eine selbstständige Funktion handelte oder ob diese Arbeit unmittelbar vom Schmelzer ausgeführt wurde.
Eine entscheidende Funktion hatte der Probierer. Er entnahm eine kleine Probe des Erzes oder eines Hüttenprodukts, führte eine Probeschmelze durch und konnte anhand des gewonnenen Metalls feststellen, wie viel Metall die jeweilige Beschickung enthielt. Gleichzeitig bestimmte er die optimale Art der Weiterverarbeitung des Erzes.
Das Abtreiben, also die Entfernung des Bleis durch Oxidation, sodass reines Silber zurückblieb, wurde anschließend vom Treiber durchgeführt.
Am Ende des hier beschriebenen Prozesses haben wir also Silbermetall. Vom Barren bis zur Münze war es jedoch noch ein langer Weg. Die weitere Verarbeitung des Metalls werden wir uns im nächsten Teil ansehen.
Fotogalerie: https://www.rajce.idnes.cz/mipalfi/album/od-stribra-k-tolaru


