GRÜNDUNG DER SIEDLUNG
Einleitung
Das Gebiet des heutigen Jáchymov war vor 1516 nicht unbesiedelt. Bereits im 13. und 14. Jahrhundert entstanden hier kleinere Siedlungen im Zusammenhang mit der Kolonisationstätigkeit des Klosters Tepl. Um 1300 erwähnen Chroniken am Zusammenfluss zweier Bäche im Bereich des heutigen Kurviertels, etwa an der Stelle des heutigen Kreisverkehrs, eine Wiese mit einer Mühle, vier Häusern und einem Eisenhammer. Diese Siedlung trug den Namen Konradsgrünn, benannt nach Konrad von Wohlsburg, dem Verwalter der damaligen Ostfränkischen Mark. Weitere bekannte Orte waren Hanau (Hagenau) an der Stelle des heutigen Suchá, Pfaffengrün sowie die Wachburg Braunstein auf dem Felsen des heutigen Dívčí skok.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts handelte es sich jedoch überwiegend um verlassene Siedlungen; lediglich Pfaffengrün war noch bewohnt. Das Gebiet gehörte der ländlichen Niederadelsschicht der Ritter von Kfel, den Herren von Hazlov, der königlichen Kammer und der Ostrover Linie der Familie Schlik. Gerade die Schliks registrierten Berichte über zufällige Silberfunde „unter dem Rasen“, also nahe der Oberfläche. Beeinflusst wurden sie auch durch den intensiven Erzbergbau auf der sächsischen Seite des Erzgebirges. Sie begannen daher systematisch Ländereien aufzukaufen und ihren Besitz in dieser Region zu arrondieren. Die Schliks repräsentierten einen neuen Typus unternehmerisch denkender Adeliger, die die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Herrschaften gezielt förderten.
Die ersten Stollen und der Beginn des Abbaus
Im Jahr 1510 trieben die Bergleute Kašpar Bach aus Geyer und Oesser aus Ostrov, genannt der Alte, in Anwesenheit eines Bergschreibers den ältesten bekannten Stollen im Gebiet des heutigen Jáchymov vor. Der Stollen Allerheiligen, später Fundgrube genannt, traf bereits nach zwei Joachimsthaler Lachter (1 Lachter = 1,917 Meter) auf eine reiche Silberader namens Fundgrübner.
Daraufhin gründete Štěpán Schlik gemeinsam mit Jan Pluh von Rabstein, Wolf von Schönberg, Hans Thumshirn aus Annaberg, Graf Alexander Leissnik und Heinrich von Könneritz ein Konsortium mit dem Ziel, eine neue Bergbausiedlung zu errichten und Gruben zu eröffnen. 1516 entstand so die Siedlung Thal – das Tal. Es handelte sich um ein äußerst kostspieliges Unternehmen. Neben den Konsortialpartnern stellten auch die Handelshäuser der Fugger in Nürnberg und der Welser in Augsburg Kapital zur Verfügung, die unter anderem auch die Reisen von Christoph Kolumbus finanziert hatten. Als Gegenleistung erhielten sie Anteile am Gewinn und Verträge über den Verkauf des Silbers auf den sächsischen Märkten.
Rasanter Aufstieg der Siedlung
Bereits im Herbst 1516 standen in der Siedlung 40 Häuser, eine Hütte mit vier Öfen und fünf Gruben. Die Einwohnerzahl betrug 105 Personen, darunter 22 Bergleute. Die Bestätigung reicher Silberfunde löste einen wahren Silberrausch aus, vergleichbar mit den Goldräuschen in den USA im 19. Jahrhundert. Erfahrene Bergleute aus Sachsen, aus Kuttenberg und aus anderen Teilen Böhmens und Deutschlands strömten herbei. Das Silber trat stellenweise bis an die Oberfläche und kam sowohl als Erz mit bis zu 60 % Reinheit als auch in Drahtform vor.
1517 arbeiteten bereits 211 Bergleute in 47 Gruben. 1518 standen 400 Häuser im Tal und 104 Gruben mit 468 Bergleuten waren in Betrieb. Die Schliks gründeten eine Schule und eine Brauerei und ließen in Nürnberg eine Bergordnung mit 106 Artikeln drucken. Dieses Dokument war für seine Zeit revolutionär und berücksichtigte erstmals auch Arbeitsunfälle.
1519 existierten bereits 228 Gruben mit 1.026 Bergleuten. Im selben Jahr entstand die berühmte Bibliothek der Lateinschule. Bis heute haben sich 232 Bücher erhalten, davon 52 Drucke vor 1500 – also europäische Inkunabeln. Die Bibliothek stand nicht nur den Schülern, sondern auch Ärzten, Bergbeamten und Gewerken offen.
Der Weg zur Stadt und das Münzrecht
Noch 1518 schlossen die Schliks in Nürnberg mit den Finanziers Jakob Welser und Jan Nützel einen Vertrag über den Verkauf von Silber zum Preis von 8 Gulden und 15 Kreuzern pro Unze. Dies belegt die ursprüngliche Absicht, das Silber roh zu exportieren.
Das Jahr 1520 brachte die entscheidende Wende. Am 6. Januar erhob König Ludwig II. die Siedlung Thal zur Stadt und verlieh ihr den Namen Sankt Joachimsthal. Die Wahl des Patrons war kein Zufall – es handelte sich um das einzige Mitglied der Heiligen Familie, dem im Erzgebirge noch keine Stadt gewidmet war. Die Stadt erhielt das Recht auf Handwerk, Handel, Brau- und Malzrecht, zwei Jahrmärkte, einen Wochenmarkt am Samstag, das Recht auf ein rotes Siegel sowie ein Wappen.
Am 9. Januar bestätigte der König die Bergordnung und verlieh den Schliks das Recht zum Aufkauf und zur Münzprägung des Silbers. Damit verzichtete der König auf ein bedeutendes Regalienrecht, was nur durch massiven Druck und Bestechung der Stände erreicht wurde.
Blütezeit und Schattenseiten
Der Arzt Georg Agricola beschrieb eine prächtige Stadt mit 1.800 steinernen Häusern auf einer Fläche von vierzig Hektar. Der Großteil bestand jedoch aus einfachen Behausungen der Bergleute und Hüttenarbeiter, oft nur provisorischen Hütten.
Mit dem Zustrom von Menschen kamen neben Fachleuten und Kapital auch Diebe, Prostituierte, Betrüger und Bettler. Die Verhältnisse waren schwierig und nachts gefährlich. Die Schliks reagierten mit der Einrichtung einer Stadtwache, der Ausweisung von Prostituierten und der Einführung einer sogenannten „trockenen Stunde“. Diese Maßnahmen zeigten jedoch nur begrenzte Wirkung.
Die starke Abwanderung von Arbeitskräften gefährdete bald andere Bergreviere. Daher schlossen die Schliks noch 1520 mit anderen Grubenbesitzern im Erzgebirge und im Kaiserwald eine Vereinbarung über Bergmannslöhne. Diese Vereinbarung wurde zu einem der Auslöser der Bergarbeiterunruhen in den Jahren 1521–1525.


