DIE JÜDISCHE GEMEINDE
Historischer Hintergrund
Die jüdische Gemeinde in Jáchymov war stets klein. Bis 1848 war Juden der Aufenthalt in Bergstädten verboten, was ihre Ansiedlung auch hier erheblich einschränkte. Bereits im Jahr 1499 wurde ihnen der Aufenthalt in königlichen Städten untersagt, wogegen nur ein Teil des Adels protestierte. Joachim Schlik duldete Juden auf seinen Herrschaften, und seit diesem Jahr ist ihre Anwesenheit in Hroznětín belegt. 1507 wurde sogar ein Befehl zur vollständigen Ausweisung der Juden aus dem Land erlassen, dem sich der Adel offen widersetzte.
Nach Aufhebung der Beschränkungen im Jahr 1848 konnte sich die regional bedeutendste jüdische Gemeinde nur dank eines Verbundes mit fünfzehn umliegenden Städten und Ortschaften bis zum Münchner Abkommen und der anschließenden Besetzung des Grenzgebiets durch Deutschland halten. Das Bethaus und der Friedhof befanden sich in Hroznětín und dienten auch der kleinen Gemeinde in Jáchymov. Die Synagoge war in Karlsbad.
Quellen und Zeugnisse
Über die Anwesenheit von Juden in Jáchymov haben sich nur wenige Hinweise erhalten. Wesentliche Informationen stammen aus der Arbeit von Mgr. Oldřich Ježek sowie aus Materialien des Jüdischen Museums in Prag und des Museums in Karlsbad. Eine besondere Quelle stellen die Erinnerungen von Frau Věra Pollitzer dar.
Die Familie Samuel
Erwähnt wird Max Samuel, volkstümlich „Alter Samuel“ genannt, der eine Zahnarztpraxis am heutigen Platz der Republik Nr. 12 betrieb. Er besuchte seine Patienten bei jedem Wetter mit einem Einspänner. Sein Sohn war ebenfalls Arzt, dessen Ehefrau Zahnärztin mit Praxis in der Villa Ritter (heute Dukelských hrdinů). Möglicherweise befand sich dort auch ein Gebetsraum, gesichert ist dies jedoch nicht. Die Familie verließ Jáchymov kurz vor der Besetzung des Grenzgebiets nach dem Münchner Abkommen 1938. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt.
Die Familie Pollitzer
Dr. Emil Pollitzer führte eine Rechtsanwaltskanzlei am Platz der Republik Nr. 8. Seine Tochter Věra galt als modernes Mädchen und besuchte Berichten zufolge sogar den Katechismusunterricht. Die Familie verließ die Stadt kurz nach dem Einmarsch der deutschen Armee. Věra wurde als eines der sogenannten Winton-Kinder gerettet und lebt bis heute im Kibbuz Maayan Zvi in Israel. Ihre Eltern schrieben ihr zuletzt 1940 aus den Niederlanden. Am 2. Oktober 1941 wurden Dr. Emil Pollitzer und seine Ehefrau Helena in das Ghetto Łódź deportiert und dort ermordet.
Weitere Mitglieder der Gemeinde
Ein Vertreter der orthodoxen Richtung war Herr Dominic, Kaufmann und Mieter des Seidl-Hauses (Haus Mignon), heute Teil der Astoria. Seine Töchter galten im Gegensatz zu seiner Strenggläubigkeit als freigeistig; eine erregte Aufsehen mit rot lackierten Fingernägeln. Über das weitere Schicksal der Familie ist nichts bekannt.
Norbert Hermann war Eigentümer eines Konfektionsgeschäfts am Platz der Republik Nr. 145 (Zeileisen-Haus, Regent). Er war mit einer Christin verheiratet und fühlte sich daher zunächst sicher. Er führte genaue Aufzeichnungen über ausstehende Forderungen. Dennoch wurde er nach der Besetzung aus seinem Haus vertrieben, seine Ehefrau beantragte die Scheidung, und seine Schuldlisten wurden von der deutschen Verwaltung beschlagnahmt. Die eingezogenen Gelder flossen in die Parteikasse der NSDAP. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.
Mit der Stadt verbunden ist auch der Name Chaim Fakler, Hotelier aus Karlsbad, für den Franz Rehn die erste tschechische Pension in Jáchymov – die Villa Dagmar – errichtete. Fakler selbst wohnte jedoch nicht dauerhaft hier.
Zahlen und Schluss
Laut Dr. Gustav Treixler lebten in Jáchymov niemals mehr als sechs jüdische Familien. Auch unter den Kurgästen befanden sich nur wenige jüdische Besucher. 1921 zählte der gesamte Bezirk Jáchymov 27 Personen jüdischen Glaubens, davon 21 direkt in Jáchymov, 4 in Elbecken, je eine in Merklín und Vojkovice.
Zeitzeugen äußerten Sätze, die bis heute erschüttern: „Über das weitere Schicksal von Herrn Hermann und seinem Bruder Josef ist nichts bekannt“, „Die Samuels verließen die Stadt, und man hörte nie wieder von ihnen“, „Ob jemand unserer jüdischen Mitbürger den Holocaust überlebte, ist unbekannt“.
Welche Schicksale sie nach 1938 erlitten, werden wir wahrscheinlich nie erfahren.


