DER POLITISCHE BEZIRK JÁCHYMOV
Entstehung des Gerichtsbezirks
Kurz nach der Aufhebung der Leibeigenschaft und den anschließenden Verwaltungsreformen in der Habsburgermonarchie wurden in Böhmen neue Verwaltungseinheiten – Gerichtsbezirke – geschaffen. Im Jahr 1849 wurde der Gerichtsbezirk Jáchymov ausgerufen. Er bestand in denselben Grenzen bis zum 20. November 1938.
An diesem Tag wurde das Gebiet von Jáchymov in das Deutsche Reich eingegliedert. Im Rahmen des Regierungsbezirks Sudeten, an dessen Spitze Konrad Henlein stand, entstand am 21. November 1938 der Landkreis Sankt Joachimsthal. Verwaltungsmittelpunkt der weiteren Region war Aussig (Ústí nad Labem). Am 1. Mai 1939 wurden dem Landkreis auch drei Teile des aufgelösten Bezirks Preissnitz (Přísečnice) angegliedert.
Am 1. Januar 1945 entstand der Regierungsbezirk Eger. Sein Sitz befand sich provisorisch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Karlsbad. Nach dem Krieg wurde der Gerichtsbezirk Jáchymov mit leicht veränderten Grenzen erneuert.
Entstehung des politischen Bezirks
Der politische Bezirk Jáchymov wurde zum 1. Januar 1949 eingerichtet. Seine Existenz war jedoch sehr kurz – bereits am 1. Januar 1951 wurde er im Zuge einer weiteren Verwaltungsreform wieder aufgehoben. Gemeinsam mit den Bezirken Asch, Eger, Kaaden, Karlsbad, Graslitz, Elbogen, Marienbad, Neudek, Falkenau an der Eger, Tepl und Luditz bildete er den Karlsbader Kreis.
Der Bezirk Jáchymov umfasste eine Fläche von 209,58 km² und bestand aus drei Städten und dreiunddreißig Gemeinden. In der Zeit seines Bestehens hatte er 25.719 Einwohner.
Verwaltungsgliederung des Bezirks
Der politische Bezirk Jáchymov umfasste drei Städte:
Sankt Joachimsthal – Jáchymov
Gottesgab – Boží Dar
Böhmisch Wiesenthal – Loučná pod Klínovcem
Außerdem gehörten folgende Gemeinden dazu (einige existieren heute nicht mehr):
Arletzgrün – Arnoldov (untergegangene Gemeinde)
Damitz – Damice
Gesmesgrün – Osvinov
Holzbach – Plavno (untergegangene Gemeinde)
Holzbachlehen – Léno (untergegangene Gemeinde)
Honnersgrün – Hanušov (untergegangene Gemeinde)
Hüttmesgrün – Vrch (untergegangene Gemeinde)
Jokes – Jakubov
Lindig – Lípa bei Merklín
Marletzgrün – Maroltov
Merkelsgrün – Merklín
Möritschau – Moříčov
Ober Brand – Horní Žďár
Permesgrün – Květnová
Pfaffengrün – Popov (untergegangene Gemeinde)
Schönwald – Krásný Les
Seifen – Rýžovny
Stolzenhain – Háj
Tiefenbach – Hluboký
Ullersgrün – Oldříš bei Merklín
Unter Brand – Dolní Žďár
Wickwitz – Vojkovice
Schluss
Der politische Bezirk Jáchymov bestand lediglich zwei Jahre, stellt jedoch ein interessantes Kapitel der Verwaltungsgeschichte der Region dar. Er knüpfte an die lange Tradition des Gerichtsbezirks aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts an und schloss zugleich die Phase der Nachkriegsreformen in der Gebietsverwaltung Westböhmens ab.


