BERGBAUAUFSTÄNDE
Einleitung
Der rasche Aufschwung des Silberbergbaus nach 1516 brachte Tausende von Bergleuten aus den böhmischen Ländern und aus Sachsen nach Jáchymov. Das schnelle Bevölkerungswachstum, die hohen Betriebskosten der Gruben, die strenge Arbeitsorganisation sowie das komplizierte System von Anteilen und Zehnten führten jedoch zu Spannungen. Konflikte entstanden nicht nur zwischen den Bergleuten und der Herrschaft des Geschlechts Schlik, sondern auch zwischen den Bergleuten selbst, Hüttenbeamten, Aufsehern und der städtischen Selbstverwaltung. Die Folge waren wiederholte Aufstände und Streiks, die die Entwicklung der Stadt nachhaltig beeinflussten.
Der erste Streik im Jahr 1517
Bereits im Jahr 1517 ist der erste Bergarbeiterstreik belegt. Am Tag der heiligen Margareta verließen die Bergleute die Stadt und zogen „wie ein Schwarm Krähen“ nach Buchholz in Sachsen. Der Betrieb der Gruben kam zum Stillstand, was ein erhebliches Risiko bedeutete. Schon eine kurze Unterbrechung der Arbeiten konnte zum Verfall einer Grube, zu Wassereinbrüchen oder Einstürzen und damit zu ihrer endgültigen Aufgabe führen. Die Schlik leiteten daher umgehend Verhandlungen in Ostrov ein. Das Ergebnis war eine Einigung sowie die Erlassung der ersten Schlik’schen Bergordnung, welche die Arbeits- und Rechtsverhältnisse im Revier regelte.
Die Rebellion von 1523
Ein weiterer Aufstand brach im Jahr 1523 aus. Die Bergleute verließen erneut die Stadt und verschanzten sich auf dem Großen Türkenberg. Auch diesmal kam es nicht zu einem offenen militärischen Zusammenstoß. Der Konflikt wurde durch Verhandlungen beigelegt, was zeigt, dass sich beide Seiten ihrer gegenseitigen Abhängigkeit bewusst waren – die Obrigkeit benötigte Arbeitskräfte, die Bergleute Rechtssicherheit und Stabilität.
Der große Aufstand von 1525
Der bedeutendste Aufstand brach im Jahr 1525 aus. Umfang und Folgen übertrafen alle vorherigen Unruhen; er gilt als einer der ersten dokumentierten Generalstreiks. Die Lage wurde durch den Deutschen Bauernkrieg beeinflusst. Gedanken sozialer Reform und Widerstand gegen die Obrigkeit verbreiteten sich auch in den Bergbauzentren. Der Anführer der Bauernheere, Thomas Müntzer, hatte auch unter den Bergleuten Anhänger und versuchte, an die Tradition der hussitischen Bewegung anzuknüpfen.
Unmittelbarer Anlass war die Aufdeckung der Veruntreuung durch den Schlik’schen Zehnteneinnehmer Peter Hartenberg, der 30.000 Gulden unterschlagen haben soll, die für den Ankauf von Holz und anderem Bedarf für die Gruben bestimmt waren. Die Unzufriedenheit hatte jedoch tiefere Ursachen. Die Bergleute kritisierten den Berghauptmann Hirsch wegen der Aneignung vorübergehend verlassener Gruben, prangerten Betrug durch Hüttenbeamte an, beanstandeten die Höhe der erhobenen Zehnten, die Auszahlung der Löhne in minderwertiger Münze sowie die Verpflichtung, sich bei Grubenaufsehern zu verpflegen.
Der Aufstand brach am 20. Mai 1525 aus. Etwa 3.000 Bergleute beteiligten sich unmittelbar in Jáchymov, Unterstützung kam auch aus benachbarten Revieren, etwa aus Horní Slavkov. Die Bergleute versammelten sich auf dem Brotplatz, griffen das Rathaus an und nahmen den Bürgermeister Thiksen gefangen, den sie in eine Grube führten. Erst nach der Kapitulation des Stadtrates wurde er freigelassen. Anschließend besetzten die Aufständischen das Rathaus und zerstörten städtische Urkunden, Privilegien und Bergbücher. Der Zug setzte sich zum Haus des Berghauptmanns Heinrich von Köneritz fort, wo Einrichtung und Dokumente vernichtet wurden, und schließlich zur Burg Freudenstein, die gewaltsam eingenommen und geplündert wurde.
Im Unterschied zu früheren Unruhen verließen die Bergleute die Stadt nicht, sondern besetzten sie faktisch. Die Bewohner wurden gezwungen, dem Bergbruderschaft die Treue zu schwören. Die Zahl der bewaffneten Aufständischen wuchs durch den Zuzug bewaffneter Bauern aus der Umgebung auf schätzungsweise 10.000 Personen.
Verhandlungen und Einigung
Graf Schlik verfügte in Ostrov nur über geringe militärische Kräfte. Ein direkter Angriff erschien aussichtslos. Entscheidend wurden Verhandlungen, die auch aus Sorge initiiert wurden, die Unruhen könnten auf andere Reviere übergreifen. Die Nachricht von der Niederlage der Bauern am 15. Mai 1525 bei Frankenhausen schwächte zudem die radikale Stimmung.
Die Schlichtungsverhandlungen dauerten vier Tage und fanden in Ostrov statt. Für die Schlik verhandelten Jan Pluh von Rabštejn, Oppel Vitzthum, Jošt Tussel, Pfarrer aus Falknov, und Rudolf von Bienau. Die Bergleute wurden vertreten durch Magistrat Urban Osan, Anton Römheld aus Annaberg, Hans Hausmann und Ulrich Grösgan aus Freiberg. Sie legten 17 Artikel mit Beschwerden und Forderungen vor. Zu den bemerkenswertesten gehörte der Anspruch, ihre Rechte unmittelbar und nicht durch Juristen geltend zu machen. Ein Teil der Forderungen ist nicht überliefert, betraf jedoch vermutlich Löhne, Arbeitszeit und Fürsorge für kranke Bergleute.
Am 23. Mai wurde ein Vergleich geschlossen. Gefangene wurden ausgetauscht, Straffreiheit gewährt und den Bergleuten sogar der Lohn für die Dauer des Aufstandes ausgezahlt. Zwar behielten sich die Schlik das Recht vor, Teilnehmer an der Plünderung der Burg zu bestrafen, verzichteten jedoch darauf. Achtzehn Anführer bekannten öffentlich ihre Schuld und wurden anschließend begnadigt.
Folgen des Aufstandes
Der Aufstand hatte weitreichende Folgen. Neue Stadtstatuten regelten die Befugnisse von Bürgermeister, Richter und Rat, das Spitalwesen, Almosen, städtische Einrichtungen sowie die Feuerordnung. Zugleich wurde eine neue Bergordnung erlassen. Indirekt, auch unter dem Eindruck der Forderungen der Bergleute, eröffnete Georg Sturtz, Sohn des Münzmeisters, im Jahr 1526 eine Apotheke – die erste Einrichtung dieser Art auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik.
Die Bergbauaufstände stellen somit nicht nur eine dramatische Episode der Stadtgeschichte dar, sondern auch ein Zeugnis für das hohe Maß an sozialer Organisation und kollektiver Handlungsfähigkeit der Bergleute in einer Zeit, in der vergleichbare Protestformen in Europa noch am Anfang standen.


