1981 – JAHR DER KATASTROPHEN
Einleitung
Das Jahr 1981 gehört zu den dramatischsten Kapiteln der neueren Stadtgeschichte. Innerhalb weniger Monate kam es zum Bruch des Dammes des Stadtteichs (Stadtteich, Jezírko), zu umfangreichen Hochwasserschäden, zur Beeinträchtigung von Verkehrswegen und Versorgungsnetzen sowie zum Einsturz einer Tankstelle im Stadtzentrum. Das gesamte Jahr war zudem von außergewöhnlichen klimatischen Schwankungen geprägt – heftige Tauwetterperioden, Starkregen, sommerliche Hitze und früh einsetzende Schneekalamitäten. Die Ereignisse des Jahres 1981 verband dabei ein unscheinbares, aber entscheidendes Element: Wasser und Untergrund.
Erste Warnzeichen und das Märzhocchwasser
Das Jahr begann symbolisch dramatisch. Bereits am 1. Januar kam es beim traditionellen Neujahrsaufstieg auf den Klínovec zu einem plötzlichen Wetterumschwung – aus klarem Himmel wurde binnen Minuten dichter Nebel und ein Gewitter mit Donner und Blitz. Der Januar brachte reichlich Schnee und strengen Frost. Anfang Februar setzte zwar kurzfristig Tauwetter ein, die eigentliche Wende erfolgte jedoch erst im März.
Am Internationalen Frauentag begann anhaltender Regen. Der Schnee schmolz rasch, die Wasserläufe schwollen an. Auch ein unscheinbarer Bach unterhalb der Halde auf Slovany trat über die Ufer, durchbrach sein bisheriges Bett über die Baustelle des Gesundheitszentrums und strömte die Dukelských-hrdinů-Straße hinunter in Richtung Tankstelle. Wasser riss Asphalt und Geröll mit sich und überflutete Keller von Wohnhäusern und Rathaus. Am 12. März wurde Alarm für die örtliche Feuerwehr ausgelöst und die Hochwasserkommission trat zusammen. Der Bruch des Dammes des Stadtteichs drohte. Eine ständige Wache wurde eingerichtet, die Bewohner wurden aufgefordert, nicht im Erdgeschoss zu schlafen. Die Straße nach Abertamy wurde gesperrt, der Verkehr über Hroznětín, Merklín und Mariánská umgeleitet.
Der Dammbruch des Stadtteichs
Der entscheidende Moment trat am Freitag, dem 13. März 1981, um 1.40 Uhr ein. Der Damm des Stadtteichs brach mit gewaltigem Getöse. Die Bresche war etwa sechs Meter breit, und durch das enge Tal wälzte sich eine rund einen Meter hohe Welle aus Wasser, Schlamm und Gestein, die Bäume, Straßenbeläge und Teile von Stützmauern mitriss. Horní Žďár wurde umgehend evakuiert, wo sich die Flut schließlich verbreiterte und an Kraft verlor. Unterhalb der Stadt wurde das Arzneimittellager in der Petrov-Mühle (damals Medika) vollständig überflutet, was zu einer Verunreinigung des Wassers bis in die Eger führte.
Ursache des Dammbruchs war die Kombination aus extremem Zufluss durch Schneeschmelze und einem langfristig nicht gewarteten, verengten und verstopften Ablaufkanal hinter dem Sicherheitsüberlauf. Im Damm entstand eine V-förmige Öffnung – im oberen Bereich fehlten sechs Meter, im unteren etwa drei. Der Fußweg zum Damm sowie gewachsene Bäume verschwanden vollständig. Die Stadt war zeitweise nur über Umleitungen erreichbar.
Einsatz der Einsatzkräfte und der Armee
Die Aufräumarbeiten begannen nahezu sofort. Bereits um 4.30 Uhr trafen die ersten Maschinen der Straßenverwaltung ein, gefolgt von weiteren Einheiten, darunter das Eger-Flussgebiet, die Technischen Dienste sowie freiwillige und Berufsfeuerwehren. Im Bereich unterhalb des Untersuchungsinstituts wurde das Ufer bei der Gasreduzierstation unterspült, es drohte eine Explosion. Auf Befehl des Verteidigungsministers rückte eine Pioniereinheit der Armee an, die innerhalb von zwei Stunden eine provisorische Brücke errichtete und so den Zugang zur Sicherung der Gasstation ermöglichte. Die Armee beteiligte sich ebenfalls an der Bergung der Arzneimittel.
Wetterextreme
Auch nach dem Rückgang des Wassers kehrte keine Ruhe ein. In der Nacht vom 17. auf den 18. April sank die Temperatur auf minus fünf Grad und frischer Schnee fiel. Im Mai folgten rasche Erwärmung und ein 24-stündiger Dauerregen, im Juni dagegen Trockenheit und Temperaturen über dreißig Grad. Am 17. Juli setzte ein dreitägiger Starkregen ein, der die St.-Joachim-Kirche überflutete, deren Dach sich damals im Umbau befand. Die Kanalisation drückte Wasser zurück an die Oberfläche. Ende November folgte eine Schneekalamität mit bis zu fünfzig Zentimetern Schnee und Frost um minus 17 Grad.
Einsturz der Tankstelle
Eine weitere Katastrophe ereignete sich am 29. September 1981 um 18.10 Uhr. Mitten in der Stadt stürzte das Kassenhäuschen der Tankstelle plötzlich in die Tiefe. Der Tankwart hatte kurz zuvor seinen Arbeitsplatz verlassen und blieb unverletzt. Ursache war nicht allein das Frühjahrshochwasser, sondern vor allem die Störung alter Grubenbaue. Unterirdisch kreuzten sich Stollen aus dem 16. und 20. Jahrhundert, hinzu kamen Ungenauigkeiten in den Grubenkarten und Sprengarbeiten beim Vortrieb eines neuen Stollens. Die Sicherungsarbeiten dauerten bis zum 2. Oktober; 60 m³ Beton wurden in den Hohlraum gepumpt. Die volle Befahrbarkeit der Stadt wurde am 18. November wiederhergestellt.
Schluss
Das Jahr 1981 zeigte eindringlich, wie eng die Stadt mit Wasser und Untergrund verbunden ist. Das Hochwasser im März legte infrastrukturelle Schwächen offen, der Einsturz im September erinnerte an die komplexe bergbauliche Vergangenheit. Trotz erheblicher Schäden wurde niemand verletzt. Das Jahr bleibt Mahnung und Zeugnis zugleich.
Fotogalerie – Dammbruch: http://mipalfi.rajce.idnes.cz/Protrzeni_hraze/
Fotogalerie – Einsturz der Tankstelle: http://mipalfi.rajce.idnes.cz/Propad_benzinky/


