RICHTSTÄTTE
Lage und Bedeutung
Die Richtstätte befand sich auf dem sogenannten Galgenberg hinter dem heutigen Hotel Panorama. Der Standort war bewusst gewählt, da er von der Stadt, von der Straße nach Ostrov sowie aus Richtung Suchá gut sichtbar war. Der Galgen diente nicht nur der Vollstreckung, sondern auch der Abschreckung. Er bestand hier von den Anfängen der Stadt bis 1765, als dem Stadtrat die Hochgerichtsbarkeit entzogen wurde. Die Hochgerichtsbarkeit gehörte zu den wichtigsten Privilegien mittelalterlicher Städte. Dennoch sind nur wenige schriftliche Nachrichten über die Jáchymover Richtstätte überliefert. Der Scharfrichter wirkte nicht nur hier, sondern führte gegen Entgelt Hinrichtungen auch in Karlsbad, Petschau, Ostrov und sogar in Sachsen durch.
Gestalt der Richtstätte
Eine wichtige Quelle ist die Karte der ersten militärischen Landesaufnahme aus den Jahren 1764–1768. Dort ist der Galgen in roter Farbe als gemauerter Rundbau mit drei oder vier Pfeilern eingezeichnet. Damit entsprach er vermutlich der erhaltenen Richtstätte in Schlaggenwald. Es handelte sich also wahrscheinlich um eine steinerne Konstruktion.
Suche nach dem Standort
Heute sind kaum noch eindeutige Überreste sichtbar. Bei einer Geländebegehung im Jahr 2014 wurde ein Bereich von etwa 200 Metern hinter dem Hotel untersucht. Durch Ausschlussverfahren wurde ein ovaler Hügel unmittelbar hinter dem Hotel, ehemals Villa Mayer, als wahrscheinlichster Standort bestimmt. Der Hügel misst etwa 6 x 6,5 Meter und erhebt sich rund 3 bis 3,5 Meter über das umliegende Gelände. Er ist vollständig von Vegetation bedeckt. Eine trocken gesetzte Steinmauer bildet eine Art Podium. Alter und Zweck sind unklar. Auf dem Podium steht heute ein neueres Holzkreuz mit einem Marienbild. Bei einer oberflächlichen archäologischen Untersuchung wurden Kalkmörtelfragmente, Steine und Knochenreste gefunden, die später als menschlich bestätigt wurden. Die Funde befinden sich im Depot des Museums Karlsbad. Initiator der Suche war Dr. Daniel Wojtucki.
Zugehörige Einrichtungen
Mit der Hochgerichtsbarkeit verbunden waren weitere Einrichtungen. Das Scharfrichterhaus lag vermutlich im Mühlental an der Straße nach Ostrov am Zusammenfluss zweier Bäche. Die Folterkammer befand sich im Keller des Rathauses. Die Verurteilten warteten im städtischen Gefängnis in der heutigen Mathesiusstraße Nr. 126. Das Richtkreuz wurde nach Aufhebung der Hochgerichtsbarkeit an eine Brücke zwischen der Herrenmühle und der Schneidenmühle versetzt und befindet sich heute beim Stadtmuseum.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Popraviste_Jachymov/


