PFARRWIESE
Die Wiese in den ältesten Quellen
Die von tiefem Wald umgebene Wiese – heute deutlich kleiner als in früheren Zeiten – wird bereits in den Anfängen der Stadt erwähnt. Der Prediger und Chronist Johann Mathesius schrieb 1554 in seiner Chronik: „Die Wiese unter Greschel, welche Herr Valten Broner freigegeben hat, wurde der Pfarrei zugeschrieben.“
Dr. Urban ergänzt in seinen Kommentaren zur Chronik, dass die Wiese der Kirche, dem Pfarrhaus und vier Geistlichen zur Nutzung überlassen wurde und dass Wohltäter der Kirche an der Heuernte beteiligt waren.
Die Chronik berichtet weiter, dass im Jahr 1555 zweihundert Bergleute auf Bitte des Bergmeisters das Heu mähten. Auch in den folgenden Jahren wurde die Wiese regelmäßig bewirtschaftet. Zudem halfen die Schüler der Joachimsthaler Schule bei der Heuernte.
Die Grube Reichgeschieb
In unmittelbarer Nähe der Pfarrwiese, auf der anderen Seite der heutigen Straße nach Gottesgab, befand sich die Grube Reichgeschieb (Valouny). Es handelte sich zwar nicht um ein besonders reiches Vorkommen, doch wurde hier bis ins 19. Jahrhundert gearbeitet. Während des Uranbergbaus wurde die Grube kurzzeitig wieder aufgenommen, doch die Hauptader enthielt nur geringe Mengen Pechblende.
Das geplante Wasserreservoir
Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Bergwerke in Jáchymov und Umgebung modernisiert. Für neue Maschinen war mehr Wasser erforderlich. Es wurden neue Wasserstollen aufgefahren, und im Bereich der Pfarrwiese war der Bau eines Wasserreservoirs geplant.
Dieses sollte die Wasser des Stísněný potok, der hier nach Nordwesten abbiegt, sowie die örtlichen Quellen sammeln. Das Projekt wurde jedoch nicht realisiert, da die mittelalterlichen Teiche und Wasserkanäle ausreichend Wasser lieferten.
Geologische Besonderheit
Geologisch hebt sich das Gebiet deutlich von seiner Umgebung ab. Vergleichbare Gesteine finden sich bei České Hamry zwischen Schmiedeberg (Kovářská) und Weipert (Vejprty) an der Staatsgrenze oder im sächsischen Hammerunterwiesenthal.
Hier tritt tertiärer Phonolith mit Hohlräumen auf. Diese sind mit Calcitkristallen oder nadelförmigem Natrolith gefüllt. Zudem kommen Augit und Titanit vor.
Heutige Nutzung
Heute dient die Pfarrwiese vor allem als Trinkwasserquelle für Jáchymov und die umliegenden Ortschaften. Vier Quellfassungen liefern hier etwa drei Liter Wasser pro Sekunde.


