MÜHLENTHAL
Zusammenfluss zweier Bäche
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist, liegt Jáchymov am Zusammenfluss zweier Bäche. In den Jáchymovský potok (Weseritz), der seit dem 16. Jahrhundert unterirdisch durch die Stadt fließt, mündet im Kurgebiet der Klínovecký potok (Schwarzwasser), der über Zálesí (Zeileisengrund) vom Keilberg herabkommt.
An beiden Gewässern entstanden nicht nur Antriebsräder für Bergwerksanlagen, sondern auch Mühlräder. Das Tal zwischen dem Zusammenfluss der Bäche und Ober-Sorg (Horní Žďár) wird daher seit jeher Mühlenthal genannt.
Mühlen und spezialisierte Betriebe
Hier befanden sich nicht nur Getreidemühlen, sondern auch spezialisierte Betriebe wie Drahtwerke und Papiermühlen. Darüber hinaus standen im Tal ein Amalgamwerk, Hütten, eine Kobaltfarbenfabrik sowie Sägemühlen.
Zu beachten ist, dass Ober-Sorg im Besitz von Jáchymov war, sodass auch die dortigen Mühlen als Joachimsthaler Mühlen gelten.
Die Mühlen entstanden nicht gleichzeitig, sondern entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte. Häufig änderten sie auch ihre Funktion – aus einer Getreidemühle konnte eine Papier- oder Drahtmühle werden. Einige Gebäude sind bis heute erhalten, andere werden nur noch durch Mühlgräben, Fundamentreste oder Geländespuren bezeugt.
Mühlen am Klínovecký potok
Am Klínovecký potok standen Mühlen bereits am Rand der Vorstadt. Ein Beispiel ist das heutige Gebäude Nr. 1045 (Metallverarbeitung), wo im Bachbett noch deutlich die vermauerte Öffnung für die Achse des Mühlrades zu erkennen ist. Weiter bachaufwärts findet sich das teilweise eingestürzte Gewölbe eines Mühlgrabens einer nicht mehr erhaltenen Mühle.
Mühlen entlang des Jáchymovský potok
Entlang des Jáchymovský potok lassen sich zahlreiche ehemalige Standorte nachweisen:
– Am heutigen Parkplatz unterhalb des Radium Palastes stand die Mehlmühle Karl Schneidenmühle.
– Die ehemalige Schneidenmühle (Herrschaftsmühle) dient heute als Sitz der technischen Verwaltung der Kurbetriebe.
– Maders Mühle befand sich zwischen einer Villa und der heutigen Kläranlage.
– Peters Mühle, die als die älteste erhaltene Mühle auf dem Gebiet der Tschechischen Republik gilt, steht als Ruine unterhalb des Eisenbahntunnels. Erhalten ist auch die Turbinenkammer. Später diente das Gebäude als Arzneilager oder Kunststoffproduktion.
– Die Trinkmühle – eine Papiermühle – ist heute das Restaurant U Vlčků. Das hier produzierte Papier wurde Ende des 19. Jahrhunderts nach Leiden exportiert, wo daraus Banknoten der österreichisch-ungarischen Monarchie hergestellt wurden.
– Am Zusammenfluss des Jáchymovský potok mit dem Bach Suchá befand sich ein Drahtwerk, von dem der Mühlgraben erhalten ist.
– Weiter talabwärts, an der Stelle des heutigen Restaurants MUT, stand die Pairmühle – ebenfalls eine Papiermühle, später in ein Sägewerk umgewandelt.
– Ein weiteres Drahtwerk befand sich dort, wo der Jáchymovský potok unter der Straße aus Jáchymov hindurchführt (beim heutigen Silo-System).
Auch das heutige Restaurant U Václava in Horní Žďár war einst eine Mühle (Grünesmühle), und das Hotel Subterra (früher Sonderschule) steht am Standort der Mühle U Semeráda.
Blütezeit und Niedergang
Die Blütezeit des Mühlenwesens im Mühlenthal lag an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Doch Mühlen existierten hier bereits früher und teilweise auch noch später. Allmählich verschwanden sie jedoch oder wurden anderen Zwecken zugeführt.
Heute wirkt das Mühlenthal ruhig und unscheinbar. Dennoch schlug hier über Jahrhunderte hinweg das industrielle Herz von Jáchymov.


