BERGMANNSHAUS
Einleitung
Das Bergmannshaus wurde im Jahr 1950 in unmittelbarer Nachbarschaft eines Renaissancehauses aus dem Jahr 1541 errichtet, das als Postamt diente. Zwei weitere Renaissancehäuser mussten dem Neubau weichen und wurden abgetragen. Das neue Gebäude sollte die Bedeutung des Bergbaus für die Stadt unterstreichen und als modernes gesellschaftliches Zentrum in der Zeit der intensiven Förderung von Uranerzen dienen.
Zum Objekt gehörte im Erdgeschoss ein Kinosaal, im Obergeschoss befand sich ein großer Saal für Bälle, Theateraufführungen und weitere kulturelle Veranstaltungen. Darüber hinaus entstanden mehrere Klubräume für Interessen- und Bergmannsvereine. Im selben Jahr wurde das Kino Radium geschlossen, das bislang provisorisch in einer ehemaligen Tabakfabrik betrieben worden war. Seine Funktion übernahm nun das neue Bergmannshaus.
Geschichte
Die feierliche Eröffnung war mit einer Auftaktversammlung verbunden, bei der unter anderem Verpflichtungen der Bergleute zur Erfüllung und Übererfüllung des staatlichen Förderplans für Uranerze verkündet wurden. Höhepunkt der Feier war die Vorpremiere des sowjetischen Films „Der Fall von Berlin“. Die offizielle Premiere dieses Films fand anschließend in Karlsbad im Rahmen des Internationalen Filmfestivals statt.
Das Gebäude bot Probenräume für die Bergmannskapelle sowie Räumlichkeiten für Bergmannsvereine. Es verfügte über einen Billardraum und ein Schachzimmer. Im Haus fanden Sitzungen des Nationalausschusses statt, und eine dunklere Episode stellen die Verhandlungen des Staatsgerichtes dar. Dennoch überwogen kulturelle Aktivitäten wie Bälle, Tanzveranstaltungen, Theateraufführungen und Filmvorführungen.
Der Kinosaal zählte zu den modernsten seiner Zeit. Er verfügte über eine Breitbildleinwand, die erste im damaligen Westböhmischen Kreis und eine der ersten in der Tschechoslowakei. Im Rahmen des Internationalen Filmfestivals Karlsbad wurden hier ebenfalls Festivalfilme gezeigt. Allein im ersten Halbjahr 1989 wurden 746 Vorstellungen mit insgesamt 14.217 Besuchern durchgeführt.
Im Jahr 1991 wurde der rekonstruierte Kinosaal anlässlich der Feierlichkeiten zum 475-jährigen Bestehen der Stadt provisorisch für eine Schulakademie geöffnet, bei der Szenen aus der Stadtgeschichte von Schülern der Grundschule Marie Curie-Skłodowska aufgeführt wurden. 1992 fanden bis Mai Filmvorführungen dienstags, donnerstags, samstags und sonntags statt, von Mai bis Oktober donnerstags, samstags und sonntags.
Ende 1992 wurde das Gebäude durch einen Dach- und Dachbodenbrand beschädigt, der einen Schaden von zwei Millionen Kronen verursachte. Dieser Brand gehörte zu einer Serie von Bränden, die die Stadt in jener Zeit heimsuchten. Ein ortsansässiger Bürger wurde später wegen Brandstiftung verurteilt.
Beschreibung
Das Bergmannshaus war als multifunktionales Gebäude konzipiert, das kulturelle, gesellschaftliche und administrative Funktionen vereinte. Im Erdgeschoss befand sich ein moderner Kinosaal, im Obergeschoss ein großer Fest- und Theatersaal. Hinzu kamen Klubräume, technische Einrichtungen und Vereinsräume. Architektonisch entsprach das Gebäude der Nachkriegsarchitektur der 1950er Jahre mit Betonung auf Funktionalität und repräsentativer Wirkung.
Erneuerung
Das Gebäude wurde im Rahmen der sogenannten kleinen Privatisierung in private Hände verkauft. Letzter Eigentümer war die russisch-ukrainische Gesellschaft VP Select. Deren Eigentümer planten, das Gebäude in ein Kurhotel mit 120 Betten umzubauen und den Kinosaal für die Öffentlichkeit zu erhalten. Der Umbau sollte 2005 beginnen, wurde jedoch infolge der Wirtschaftskrise aufgegeben.
Der technische Zustand verschlechterte sich zunehmend. Um das Gebäude wurde ein Holzzaun errichtet. Da die Eigentümer die Gebühren für die Nutzung des öffentlichen Raumes nicht entrichteten, leitete die Stadt eine Versteigerung ein. Für 73.000 Kronen erwarb die Stadt das Objekt mit dem Ziel des Abrisses, da eine Rekonstruktion nicht mehr realistisch war.
Anfang Juli 2013 begann der Abriss. Im Oktober und November desselben Jahres wurde das Gebäude faktisch bis auf die zweigeschossigen Kellerräume niedergelegt. Die entstandene Freifläche wurde provisorisch hergerichtet mit der Absicht, dort einen kleinen Park mit Informationstafeln zur Geschichte des Bergmannshauses, Sitzbänken und einem Kinderspielplatz oder gegebenenfalls einen Parkplatz zu errichten. Beide Projekte warten bislang auf ihre Umsetzung.


