ENDLAGER BRUDERSCHAFT (BRATRSTVÍ) IN ST. JOACHIMSTHAL (JÁCHYMOV)
Vom Silber zum Uran
Die Geschichte des Bergwerks Bruderschaft reicht tief in die Vergangenheit von Jáchymov zurück. Ursprünglich wurden hier vor allem Silbererze gefördert, die der Stadt bereits im 16. Jahrhundert einen enormen Aufschwung brachten. Später richtete sich die Aufmerksamkeit auch auf andere Rohstoffe und im 20. Jahrhundert insbesondere auf Uran.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Region Jáchymov zu einem der wichtigsten Zentren der Uranförderung für das sowjetische Atomprogramm. In der Umgebung entstanden Arbeitslager, und in den Uranbergwerken arbeiteten Tausende politische Gefangene. Auch das Bergwerk Bruderschaft gehörte zu den bedeutenden Joachimsthaler Gruben dieser Epoche.
Die Uranförderung endete hier schrittweise erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Einige Teile des Bergwerks wurden anschließend aufgegeben, andere fanden eine neue Nutzung.
Umwandlung in ein Endlager
In den 1970er Jahren fiel die Entscheidung, einen Teil des ehemaligen Bergwerks als Endlager für radioaktive Abfälle zu nutzen. Der Betrieb wurde 1974 aufgenommen.
Im Unterschied zum Endlager Richard werden hier keine gewöhnlichen institutionellen Abfälle eingelagert. Bruderschaft ist vor allem auf Materialien spezialisiert, die natürliche Radionuklide enthalten, beispielsweise Radium oder Thorium.
Die Wahl des Standorts war kein Zufall. Die Region Jáchymov weist natürlicherweise erhöhte Konzentrationen von Radionukliden auf und verfügte zugleich über geeignete unterirdische Räume aus dem ehemaligen Bergbau.
Das Untertagebergwerk
Das Endlager nutzt ehemalige Grubenbaue und Kammern im Erzgebirgsmassiv. Die Räume wurden technisch angepasst, mit Beton gesichert und mit Überwachungstechnik ausgestattet.
Dennoch hat das Untertagebergwerk seinen Charakter als ehemaliges Uranbergwerk bewahrt. Feuchte Gänge, schwere Ausbauelemente und Spuren der bergmännischen Tätigkeit erinnern noch heute an die Zeit, als in Jáchymov Material für das entstehende Atomzeitalter gefördert wurde.
Die Atmosphäre des Ortes wird zudem stark durch das Bewusstsein der dramatischen Ereignisse geprägt, die mit den Uranbergwerken und den Arbeitslagern des kommunistischen Tschechoslowakei verbunden sind.
Welche Abfälle werden hier gelagert?
Im Endlager Bruderschaft werden vor allem Abfälle mit natürlichen Radionukliden eingelagert. Es handelt sich also nicht um abgebrannte Brennelemente aus Kernkraftwerken.
Dazu gehören beispielsweise Materialien aus dem Gesundheitswesen, der Forschung oder der Industrie. Die Abfälle werden in speziellen Fässern und Behältern gelagert, die ähnlich wie in anderen tschechischen Endlagern registriert und kontrolliert werden.
Die Kapazität der Anlage ist deutlich geringer als die anderer tschechischer Endlager, und seit längerer Zeit wird über ihre schrittweise Auslastung gesprochen.
Gegenwart und Zukunft
Das Endlager Bruderschaft wird heute von der Verwaltung der Endlager für radioaktive Abfälle betrieben. In der Umgebung erfolgen regelmäßige Messungen der Strahlung, des Grundwassers sowie des technischen Zustands der unterirdischen Anlagen.
Der Ort erinnert zugleich eindringlich an die komplizierte Geschichte der Region Jáchymov. Kaum irgendwo sonst verbinden sich Bergbautradition, Geschichte des Kalten Krieges, das Leid politischer Gefangener und die moderne Problematik radioaktiver Abfälle so deutlich miteinander.
Gerade diese Verbindung macht Bruderschaft zu einem der interessantesten und zugleich eindrucksvollsten technischen Orte im tschechischen Untergrund.
Fotogalerie
Fotos des Bergwerks Bruderschaft und der unterirdischen Anlagen sind auf den Seiten der Verwaltung der Endlager für radioaktive Abfälle sowie in Materialien zur Geschichte der Joachimsthaler Uranbergwerke zu finden.


