PETERMÜHLE – DIE ÄLTESTE ERHALTENE WASSERMÜHLE IN DER TSCHECHISCHEN REPUBLIK
Einleitung
Manche Denkmäler sind nicht deshalb unbekannt, weil sie vor den Blicken der Menschen verborgen wären. Ganz im Gegenteil. Täglich fahren Hunderte Menschen an ihnen vorbei, doch ihre wahre Bedeutung bleibt oft unbemerkt.
Die Petermühle ist genau ein solches Beispiel. Ihre Ruine steht direkt an der Hauptstraße zwischen Ostrov und Jáchymov, an einem Ort, durch den über Jahrhunderte einer der wichtigsten Wege in die Bergstadt führte. Dennoch wissen die meisten Fußgänger und Vorbeifahrenden nicht, dass sie an einem Bauwerk vorbeikommen, das an die Anfänge der berühmten Jáchymover Ära erinnert.
Die Mühle entstand zu einer Zeit, als sich Jáchymov zu einer der bedeutendsten Städte Europas entwickelte. In den umliegenden Gruben wurde Silber gewonnen, die berühmten Taler entstanden, und die schnell wachsende Stadt benötigte eine umfangreiche wirtschaftliche Infrastruktur.
Geschichte
Die Petermühle wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet. Ihr außergewöhnlich hohes Alter wurde durch eine dendrochronologische Untersuchung der erhaltenen Holzkonstruktionen bestätigt, die von der Dendrochronologischen Gesellschaft durchgeführt wurde.
Die Analyse der Jahresringe bestimmte die Bauzeit auf die Jahre 1525–1530. Gerade aufgrund dieser Untersuchung gilt das Objekt als die älteste erhaltene Wassermühle auf dem Gebiet der Tschechischen Republik.
Den ältesten Teil der Anlage bildet das niedrigere Gebäude der ursprünglichen Mühle. Es handelte sich um einen zweigeschossigen Bau, der den wertvollsten erhaltenen Teil des Objekts darstellt. An seiner Südseite wurde später ein höheres viergeschossiges Backsteingebäude der neuen Mühle angebaut, und die gesamte Anlage wurde nach und nach durch weitere Betriebsgebäude ergänzt.
Die Petermühle war nicht nur eine historische Erinnerung an vergangene Zeiten. Sie erfüllte ihren Zweck noch im 20. Jahrhundert. Im Jahr 1930 ist Marie Schöfflová als Besitzerin der Mühle und des angrenzenden Sägewerks belegt. Zu dieser Zeit war der Betrieb bereits modernisiert – neben dem oberschlächtigen Wasserrad war hier auch eine Wasserturbine installiert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein neues Kapitel in der Nutzung des Gebäudes. Die Mühle verlor ihre ursprüngliche Funktion und diente beispielsweise als Lager für Arzneimittel. Nach dem Bruch des Dammes des Jezírko, deutsch Stadtteich, wurden jedoch Chemikalien und Medikamente in den Bach gespült und das Lager wurde aufgelöst.
Später befand sich hier eine Kunststoffproduktion. Nach deren Ende begann die gesamte Anlage allmählich zu verfallen. Der Zustand verschlechterte sich durch das Entfernen von Metallelementen, Beschädigungen der Konstruktionen sowie durch langfristige Witterungseinflüsse. Das Ergebnis ist das heutige Erscheinungsbild des Objekts als markante Ruine.
Beschreibung
Die ursprüngliche Mühle nutzte die Wasserkraft, die vom Hang hinter dem Gebäude zugeführt wurde. Das Wasser wurde über sogenannte Gerinne – hölzerne Kanäle zur Zuführung von Oberwasser – zum Mühlrad an der nördlichen Giebelwand geleitet.
Die Bezeichnung „Wandtrog“ erinnert an die technischen Verfahren, die in ähnlichen Betrieben über Jahrhunderte verwendet wurden.
Von der späteren Modernisierung ist bis heute ein steinernes Becken erhalten geblieben, in dem die Wasserturbine untergebracht war. Gerade diese unscheinbaren technischen Elemente zeigen, dass sich die Mühle im Laufe der Zeit neuen Möglichkeiten der Nutzung der Wasserkraft anpasste.
Die ursprüngliche Konstruktion entsprach der Zeit ihrer Entstehung. Das Erdgeschoss wurde aus Bruchstein errichtet, das erste Stockwerk bestand aus einer Fachwerkkonstruktion mit Steinausfachung. Das Gebäude besaß Balkendecken und ein mit Schiefer gedecktes Satteldach.
Vermächtnis
Die Petermühle ist heute nur noch ein Torso des ursprünglichen Gebäudes, dennoch bleibt ihr historischer Wert außergewöhnlich. Sie ist nicht wegen ihres heutigen Aussehens bedeutend, sondern wegen der Geschichte, die ihre Mauern bewahren.
Sie ist Zeugin einer Zeit, in der sich Jáchymov innerhalb weniger Jahre von einer Bergsiedlung zu einem der wichtigsten Bergbauzentren Europas entwickelte. Während die Gruben Silber lieferten und die Münzstätte Taler prägte, ermöglichten technische Bauwerke wie dieses das alltägliche Funktionieren der Stadt.
Die Stadt Jáchymov als Eigentümerin des Objekts beschäftigt sich bereits seit längerer Zeit mit seiner Zukunft. Es gab Überlegungen, neuere Gebäudeteile zu entfernen und gleichzeitig das historische Mauerwerk zu erhalten, ebenso wie Vorschläge für eine neue Nutzung des ältesten Gebäudeteils.
Heute ist die Petermühle eine Station des erneuerten Mühlenweges, auch bekannt als Severin-Promenade. Gemeinsam mit dem ehemaligen Eisenbahntunnel darüber bildet sie einen außergewöhnlichen Ort, an dem sich auf wenigen Metern zwei Jáchymover „Superlative“ begegnen – die älteste erhaltene Wassermühle der Tschechischen Republik und der einst kürzeste Eisenbahntunnel des Landes.
Manchmal stehen die größten Besonderheiten nämlich nicht auf Marktplätzen oder hinter Museumswänden. Manchmal fahren wir einfach jeden Tag an ihnen vorbei und ahnen nicht, welch außergewöhnliche Geschichte wir direkt vor Augen haben.


