DIE STADT, IN DER DIE RADIOAKTIVE BEHANDLUNG BEGANN
Einleitung
Nur wenige Städte haben ihr Schicksal so stark mit dem Untergrund verbunden wie Jáchymov. Zunächst brachten ihm die Tiefen des Erzgebirges Silber und Reichtum, später Mineralien, die den Blick des Menschen auf das Wesen der Materie selbst veränderten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam aus demselben Untergrund jedoch noch etwas anderes – Wasser, das den Ursprung einer völlig neuen Behandlungsrichtung bildete.
Die Entdeckung der Radioaktivität Ende des 19. Jahrhunderts gehörte zu den größten wissenschaftlichen Ereignissen ihrer Zeit. Die Forschungen des Ehepaars Curie, das bei seiner Arbeit auch Jáchymover Pechblende verwendete, lenkten die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler auf Stoffe, die in den Erzen des Erzgebirges verborgen waren.
In Jáchymov blieb Radioaktivität jedoch nicht nur Gegenstand der Laborforschung. Die hiesigen Ärzte und Fachleute begannen nach Möglichkeiten zu suchen, ihre Eigenschaften praktisch zu nutzen.
Geschichte
Über Jahrhunderte war Jáchymov eine Bergbaustadt. Die hiesigen Gruben lieferten zunächst Silber, später Kobalt- und Uranerze. Gerade beim Uranabbau zeigte sich jedoch, dass die Grubenwässer außergewöhnliche Eigenschaften besaßen.
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert begann ihre wissenschaftliche Untersuchung. Es wurde bestätigt, dass die aus den alten Grubenbauen austretenden Wässer das natürliche radioaktive Gas Radon enthalten. In einer Zeit des enormen Interesses an Radioaktivität entstand die Idee, diese Wässer zur Behandlung zu nutzen.
Im Jahr 1906 wurden in Jáchymov die ersten Radonheilbäder der Welt gegründet. Sie beruhten nicht auf der Tradition gewöhnlicher Mineralquellen, sondern auf einer damals völlig neuen Erkenntnis – der Nutzung natürlicher Radioaktivität in der Balneologie.
Die Anfänge waren zunächst sehr bescheiden. Die Heilbäder wurden nicht in großen Kurhäusern angeboten, sondern es wurde Wasser genutzt, das aus den Gruben herangeführt wurde. Dennoch entstand gerade hier das Prinzip, das später von weiteren Kurorten übernommen wurde.
Jáchymov durchlief damit eine ungewöhnliche Veränderung. Ein Ort, aus dem über Jahrhunderte im Boden verborgene Rohstoffe abtransportiert wurden, begann nun, den Untergrund selbst als Quelle der Heilung zu nutzen.
Vermächtnis
Die Entstehung der Jáchymover Radonheilbäder bedeutete den Beginn eines neuen Fachgebiets – der Radonbalneologie. Die Stadt verwandelte sich allmählich von einem Bergbauzentrum in einen Kurort, der weit über die Grenzen der böhmischen Länder hinaus bekannt wurde.
Dasselbe Element, das zuvor vor allem mit Erzen und Industrie verbunden war, wurde zur Grundlage von Heilverfahren, die bis heute genutzt werden. Jáchymov schuf damit eine einzigartige Verbindung von bergmännischer Vergangenheit, wissenschaftlicher Erkenntnis und Medizin.
Die Geschichte der Stadt ist in dieser Hinsicht außergewöhnlich. Das Silber aus den Jáchymover Gruben beeinflusste das weltweite Geldwesen, das Uranerz half der Wissenschaft, die Radioaktivität zu verstehen, und das Wasser aus denselben Bergen führte zur Entstehung der ersten Radonheilbäder der Welt.
Jáchymov zeigte damit erneut, dass sein größter Reichtum nicht nur darin bestand, was aus der Erde gewonnen wurde, sondern auch darin, wie die Menschen diese Entdeckungen zu nutzen wussten.


