DIE ERSTE MECHANISCHE BEWETTERUNG EINES BERGWERKS
Einleitung
Wenn man über den historischen Bergbau spricht, denken die meisten Menschen vor allem an Silber, tiefe Schächte, die harte Arbeit der Bergleute und die unter der Erde verborgenen Gefahren. Eines der größten Probleme war jedoch etwas, das der Mensch nicht sehen kann – die Luft.
Ohne ausreichende Zufuhr frischer Luft war es nicht möglich, über längere Zeit unter Tage zu arbeiten. Die Bergleute mussten sich nicht nur mit dem Abbau selbst befassen, sondern auch mit den Bedingungen, die ihnen das Überleben in der Tiefe ermöglichten.
Ältere Bergwerke nutzten eine natürliche Bewetterung. Luftströmungen entstanden beispielsweise durch Höhenunterschiede zwischen einzelnen Schächten oder durch Temperaturveränderungen. Diese Methode hatte jedoch ihre Grenzen.
Und gerade im schnell wachsenden Jáchymov machten sich diese Grenzen sehr früh bemerkbar.
Geschichte
Nach der Entdeckung reicher Silbervorkommen entwickelte sich Jáchymov innerhalb weniger Jahre zu einem der größten Bergbauzentren Europas. Die Zahl der Gruben wuchs rasch, und die Bergleute drangen immer tiefer und weiter in das Innere der Berge vor.
Damit kamen Probleme, die der oberflächennahe Bergbau in diesem Ausmaß nicht kannte. Wasser musste abgeleitet, gefördertes Material transportiert und auch an weit von der Oberfläche entfernten Stellen genügend Luft bereitgestellt werden.
Die natürliche Luftzirkulation reichte nicht mehr immer aus.
Deshalb wurde im Jahr 1522 im Bock- (Pock-) Stollen eine Anlage eingesetzt, die das Prinzip eines Blasebalggebläses nutzte. Eine Technik, die vor allem aus dem Hüttenwesen bekannt war, wo Blasebälge den Öfen Luft zuführten, fand in Jáchymov eine neue Verwendung.
Diesmal sollte sie kein Feuer verstärken.
Sie sollte dem Menschen helfen.
Mit Hilfe einer mechanischen Vorrichtung wurde Luft an Orte geleitet, an die sie auf natürliche Weise nicht in ausreichender Menge gelangte. Es war eine einfache, aber entscheidende Idee – wenn die Bedingungen im Bergwerk nicht ausreichen, kann man sie durch Technik verändern.
Dieses Prinzip wurde in den folgenden Jahrhunderten zu einer der Grundlagen des Tiefbergbaus.
Vermächtnis
Mechanische Bewetterung ist heute ein selbstverständlicher Bestandteil jedes Tiefbergwerks. Moderne Ventilatoren und komplexe Lüftungssysteme ermöglichen Arbeiten in Tiefen, die für frühere Bergleute unvorstellbar gewesen wären.
Ihre Grundidee ist jedoch dieselbe wie vor fünf Jahrhunderten – frische Luft dorthin zu bringen, wo der Mensch sie benötigt.
Das Jáchymover Beispiel aus dem Jahr 1522 zeigt, warum die Stadt als eines der technisch fortschrittlichsten Bergbauzentren ihrer Zeit galt. Sie war nicht nur ein Ort des Abbaus, sondern auch ein Ort der Suche nach neuen Lösungen.
Dasselbe Umfeld inspirierte später Agricola zur Schaffung der Grundlagen der Bergbauwissenschaft und führte zur Entstehung der ersten systematischen bergmännischen Ausbildung.
Jáchymov brachte der Welt also nicht nur das in den Bergen verborgene Silber.
Es brachte auch Wege hervor, dieses sicherer zu erreichen.


