DIE ÄLTESTE ÖFFENTLICHE APOTHEKE IN DEN BÖHMISCHEN LÄNDERN
Einleitung
Je mehr man die Geschichte Jáchymovs kennenlernt, desto mehr überrascht, wie viele seiner bedeutenden Pionierleistungen nahezu unbekannt geblieben sind. Die Stadt, die der Welt den Taler gab, am Anfang der Arbeitsmedizin stand und die Entwicklung des Bergrechts wesentlich beeinflusste, wird häufig vor allem mit Silber und später mit Uran verbunden. In Wirklichkeit gehörte sie jedoch auch zu den Orten, an denen außergewöhnlich moderne Ideen im Bereich der Fürsorge für den Menschen entstanden.
Ein Beispiel dafür ist die hiesige Apotheke. Wenn heute von den ältesten Apotheken in den böhmischen Ländern gesprochen wird, werden häufig große historische Städte erwähnt. Dabei war es gerade das schnell wachsende Bergbauzentrum Jáchymov, das bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein Umfeld schuf, in dem fachkundige medizinische Versorgung und die Verfügbarkeit von Arzneimitteln eine entscheidende Bedeutung hatten.
Der Grund war einfach. Eine Bergbaustadt war kein gewöhnlicher Ort ihrer Zeit. Tausende Menschen arbeiteten hier unter außerordentlich schwierigen Bedingungen, tief unter der Erde, ausgesetzt Unfällen und Krankheiten, die mit dem Bergmannsberuf verbunden waren. Damit ein so bedeutendes Zentrum funktionieren konnte, brauchte es nicht nur Gruben und Hüttenwerke, sondern auch Ärzte, ein Hilfssystem und einen Ort, an dem Heilmittel fachgerecht hergestellt werden konnten.
Geschichte
Die Grundlagen dieses Ansatzes wurden bereits kurz nach der Entstehung der Stadt gelegt. Die von der Familie Schlik herausgegebene und 1518 in Leipzig gedruckte Bergordnung enthielt für ihre Zeit außerordentlich fortschrittliche soziale Bestimmungen. Sie regelte nicht nur die Organisation des Bergbaus und die Verwaltung der Gruben, sondern auch die Stellung der Bergleute selbst.
Im Falle eines Arbeitsunfalls hatten verletzte Bergleute Anspruch auf Unterstützung und Übernahme der Behandlungskosten. Die Bergbauunternehmer waren verpflichtet, sich an den mit der Behandlung verbundenen Kosten einschließlich Arzneien und ärztlicher Versorgung zu beteiligen. In einer Zeit, in der soziale Sicherung im heutigen Sinne nicht existierte, war dies ein außergewöhnlich moderner Ansatz.
Das besondere Umfeld Jáchymovs zeigt sich auch im Wirken des Arztes Wenzel Payer. Dieser veröffentlichte im Jahr 1523 eine Schrift über die Krankheiten der Bergleute, die als eine der ersten fachlichen Abhandlungen über Berufskrankheiten gilt. Er beschäftigte sich nicht nur mit den Krankheiten selbst, sondern auch mit ihren Ursachen, ihrer Vorbeugung und Behandlungsmöglichkeiten.
Die Gründung einer eigenständigen Apotheke war daher kein zufälliger Schritt, sondern die logische Fortsetzung eines Systems, das sich in Jáchymov entwickelt hatte. Die Bergbaustadt benötigte einen Ort, an dem Heilmittel nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für eine große Gemeinschaft von Menschen verfügbar waren, die in einem der größten Industriezentren des damaligen Europas arbeiteten.
Im Jahr 1526 erhielt der Sohn des Münzmeisters Georg Sturtz die Genehmigung, in Jáchymov eine öffentliche Apotheke zu eröffnen. Es handelte sich nicht mehr nur um die Herstellung von Arzneien im Rahmen der Tätigkeit eines einzelnen Arztes oder Wundarztes, sondern um eine eigenständige Institution zur Herstellung und Ausgabe von Heilmitteln. Gerade dadurch zählt die Jáchymover Apotheke zu den ältesten belegten öffentlichen Apotheken in den böhmischen Ländern.
Ihre Entstehung muss in einem breiteren Zusammenhang verstanden werden. Jáchymov war damals eine der am schnellsten wachsenden Städte Mitteleuropas. Mit den Bergleuten kamen Fachleute, Händler und Gelehrte hierher, und es entstand ein städtisches Umfeld mit Bedürfnissen, die denen gewöhnlicher Orte ihrer Zeit oft voraus waren.
Das Apothekengebäude durchlief in den folgenden Jahrhunderten zahlreiche Veränderungen. Es diente verschiedenen Zwecken, und seine Nutzung wandelte sich gemeinsam mit der Geschichte der Stadt. Dennoch blieb es eine Erinnerung an eine Zeit, in der Jáchymov nicht nur ein Zentrum des Bergbaus war, sondern auch ein Ort neuer Ansätze zur Organisation des Lebens einer Bergbaugesellschaft.
Vermächtnis
Die Bedeutung der Jáchymover Apotheke liegt nicht nur in ihrem Alter. Wichtig ist vor allem das Umfeld, in dem sie entstand. Gemeinsam mit der Bergordnung, der medizinischen Versorgung und dem fachlichen Interesse an den Krankheiten der Bergleute bildete sie einen Teil eines Systems, das zu Beginn des 16. Jahrhunderts außergewöhnlich fortschrittlich war.
Eine interessante Erinnerung an ihre Geschichte sind die ursprünglichen Apotheken-Repositorien, die heute Teil der Ausstellung zur Geschichte des Apothekenwesens in Kuks sind. Durch sie bleibt ein Teil der Jáchymover Apothekentradition auch für heutige Besucher erhalten.
An die frühere Apothekengeschichte knüpft heute symbolisch auch die Krušnohorská apatyka an, die in historischem Umfeld an die lange Tradition der Arbeit mit natürlichen Stoffen und Heilmitteln erinnert.
Jáchymov brachte der Welt somit nicht nur den unter der Erde verborgenen Reichtum. Es zeigte auch, dass diejenigen, die diesen Reichtum gewannen, nicht nur Arbeitskräfte waren, sondern Menschen, die fachkundige Fürsorge benötigten. Und gerade dieser Gedanke gehört zu den größten Vermächtnissen der alten Bergbaustadt.


