GRUNDLEGENDE VORSTELLUNG DER STADT
Jáchymov liegt im westlichen Teil des Erzgebirges in dem tief eingeschnittenen Tal des Jáchymov-Baches. Seine Lage ist eines der markantesten Merkmale der Stadt und beeinflusste von Anfang an ihr Erscheinungsbild, ihre Entwicklung sowie das tägliche Leben ihrer Bewohner. Im Gegensatz zu den meisten Städten entstand Jáchymov nicht auf einer Ebene oder in einem breiten Flusstal, sondern wurde buchstäblich in die steilen Hänge des Erzgebirges eingebettet. Die umliegende Landschaft, ihre Höhenlage, ihre geologische Struktur und ihr mineralischer Reichtum bestimmten die zukünftige Bedeutung dieses Ortes.
Das Katastergebiet der Stadt umfasst eine Fläche von etwa 5.075 Hektar, also 50,75 km². Es besteht aus zwei Katastergebieten – Jáchymov mit einer Fläche von ungefähr 4.738 Hektar und Popov bei Jáchymov mit etwa 337 Hektar. Dieser ausgedehnte Gebirgsraum umfasst nicht nur die eigentliche Stadt, sondern auch tiefe Täler, Bergwälder, ehemalige Bergbaustandorte und die höchsten Bereiche des Erzgebirges. Heute leben hier etwa 2.300 Einwohner.
Außergewöhnlich ist vor allem die starke Höhenstaffelung des gesamten Gebietes. Die niedrigsten Teile des Jáchymover Katasters liegen ungefähr auf einer Höhe von rund 560 m über dem Meeresspiegel, während der höchste Punkt der Gipfel des Keilbergs (Klínovec) mit 1.244 m über dem Meeresspiegel ist. Der Unterschied zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Punkt beträgt somit fast 700 Meter. Dadurch gehört Jáchymov zu den tschechischen Städten mit den größten Höhenunterschieden innerhalb ihres Verwaltungsgebietes. Zum Vergleich – auch einige bekannte Bergstädte weisen ähnlich außergewöhnliche Werte auf, beispielsweise Pec pod Sněžkou, deren Kataster vom Tal der Úpa bis zum Gipfel der Schneekoppe (1.603 m ü. M.) ansteigt.
Noch auffälliger ist die Lage der eigentlichen Stadtbebauung. Der untere Teil Jáchymovs im Bereich des Kurviertels beginnt auf einer Höhe von etwa 560 m über dem Meeresspiegel, während der obere Teil der historischen Stadt ungefähr 750 m erreicht. Auf einer Entfernung von nur etwa zwei Kilometern überwindet die Stadt somit einen Höhenunterschied von fast 200 Metern. Die Hauptstraße von Jáchymov ist daher nicht nur eine gewöhnliche städtische Straße – sie ist zugleich ein Weg hinauf in die Berge. Dieses starke Gefälle bestimmte die Anordnung der Häuser, die Gestalt der Straßen und das tägliche Leben vieler Generationen von Bewohnern.
Das historische Zentrum mit dem Rathaus, der Königlichen Münzstätte, der Kirche des hl. Joachim und dem Ensemble von Renaissance-Bürgerhäusern liegt ungefähr auf einer Höhe von rund 670 m über dem Meeresspiegel. Durch seine Lage am Südhang des Erzgebirges ist die Stadt teilweise vor kalten Nordwinden geschützt. Dennoch herrscht hier ein typisches Gebirgsklima – die Winter sind länger und kälter, die Sommer milder und die Niederschlagsmengen höher als in tiefer gelegenen Gebieten. Die langfristige durchschnittliche Jahrestemperatur liegt ungefähr zwischen 6 und 7 °C.
Jáchymov liegt an einer bedeutenden Gebirgsroute, die Karlovy Vary mit der Kammregion des Erzgebirges und dem benachbarten Sachsen verbindet. Von Karlovy Vary ist die Stadt etwa 20 Kilometer entfernt. Nur sieben Kilometer nördlich befinden sich Boží Dar und das Grenzgebiet zum deutschen Oberwiesenthal. Die geografische Lage der Stadt entspricht ungefähr den Koordinaten 50°21′ nördlicher Breite und 12°56′ östlicher Länge.
Ebenso außergewöhnlich wie die Oberfläche der Landschaft ist auch der Raum, der darunter verborgen liegt. Mehr als fünf Jahrhunderte Bergbautätigkeit haben unter Jáchymov ein ausgedehntes System von Gruben, Stollen und unterirdischen Gängen geschaffen. Ihre genaue Gesamtlänge ist nicht bekannt, da ein Teil der älteren Bergwerke nie vollständig dokumentiert wurde oder ihre Karten nicht erhalten geblieben sind. Sicher ist jedoch, dass das hiesige Untergrundsystem zu den umfangreichsten historischen Bergbausystemen Mitteleuropas gehört.
Jáchymov ist somit eine Stadt außergewöhnlicher Höhenunterschiede – vom Kurort im Tal über das steil ansteigende historische Zentrum bis zum Keilberg, dem höchsten Berg des Erzgebirges. Innerhalb eines einzigen Katasters verbinden sich hier Gebirgsnatur, eine dramatische Landschaft und das Erbe eines der berühmtesten Erzreviere Europas.


