PATRIZIERHAUS NR. 145
Einleitung
Haus Nr. 145 zählt zu den architektonisch markantesten Gebäuden am Platz der Republik. Auf den ersten Blick fallen zwei Eingangsportale ins Auge – ein barockes und ein Renaissanceportal – ergänzt durch einen jüngeren Geschäftseingang mit Schaufenster. Diese Kombination ist jedoch Ergebnis einer komplexen Bauentwicklung. Das Gebäude stellt ein bedeutendes historisches Objekt dar, das mehrere Baustile und Jahrhunderte miteinander verbindet.
Geschichte
Der Renaissancekern des Hauses stammt aus den 1540er Jahren. In den Jahren 1571–1572 erwarb es der aus Nürnberg stammende Kaufmann Hans Zeileisen. Das Haus wurde damit Eigentum der nobilitierten Familie Zeileisen, die zu den bedeutenden Bürgergeschlechtern der Stadt gehörte. Das Familienwappen ist bis heute am Portal sichtbar.
Der barocke Umbau erfolgte um 1770. Die Fassade, datiert 1760, zeigt Formen des späten Barocks mit bereits klassizistischen Tendenzen. Die heutige Gestaltung basiert auf restauratorischen Untersuchungen.
Architektur
Die Fassade ist durch einen flachen Mittelrisalit mit drei Fensterachsen gegliedert, die durch doppelte Pilaster betont werden. Die äußeren Achsen sind durch Eckrustika hervorgehoben.
Im linken Teil befindet sich das spätbarocke Portal mit Vasen- und Pfeifenmotiven. Über dem Schlussstein ist das Wappen der Familie Zeileisen angebracht. Der zentrale Geschäftseingang mit Schaufenster stammt aus dem Jahr 1914.
Innenraum
Im Inneren haben sich historische Gewölbe in den Seitentrakten sowie ein Raum mit Kreuzgewölbe erhalten. Diese Elemente belegen die hohe Baukultur vergangener Jahrhunderte.
Renaissanceportal aus Haus Nr. 139
An der Fassade ist ein weiteres Renaissanceportal angebracht, das aus dem 1984 abgebrochenen Haus Nr. 139 stammt. Es handelt sich um ein Ädikulaportal mit Balustersäulen und Blattkapitellen. Die profilierte Gesimszone trägt einen Aufsatz mit Oberlicht, geteilt durch eine breite Säule. Darüber befindet sich das Monogramm 15–HB–41, das auf den Bauherrn Hans Bauer und das Jahr 1541 verweist.
Das Portal wurde nach dem Abbruch eingelagert und später dank des Engagements von Jiří Kaucký senior gerettet und neu installiert.
Familie Zeileisen
Die Familie Zeileisen stammte aus Nürnberg und wurde am 12. Mai 1544 von Kaiser Karl V. in den Adelsstand erhoben. Hans Zeileisen ließ sich 1571–1572 hier nieder. Die Familie engagierte sich auch als Stifter; Erhart Zeileisen gründete beispielsweise das Stipendium Hundbek-Zeileis.
1786 erhielt Johann Nepomuk Mießl, verheiratet mit einer Nachfahrin der Familie, den Titel „Edler von Zeileisen“.
Weitere Eigentümer
Mit dem Haus ist auch Norbert Hermann verbunden, ein jüdischer Textilhändler. Nach der Annexion des Sudetenlandes wurde er von Nationalsozialisten aus dem Haus vertrieben, seine Unterlagen beschlagnahmt und die eingezogenen Schulden flossen in die Kasse der NSDAP.
Gegenwart
Der heutige Giebel stammt aus dem Jahr 2003 und ersetzte das frühere Dach mit fünf Gauben. Die Maßnahme sicherte die weitere Existenz des Gebäudes.
Fotogalerie: https://www.rajce.idnes.cz/mipalfi/album/jachymov-patricijsky-dum-cp-145


