PATRIZIERHAUS NR. 140 – SLAWISCHES HAUS
Einleitung
Das Haus Nr. 140 stand am heutigen Platz der Republik und bildete einen Teil der historischen Häuserfront. Sein Renaissancekern entstand in den 1540er Jahren, also in der Zeit der größten Blüte der Stadt als bedeutendes Bergbau- und Handelszentrum. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich sowohl seine Gestalt als auch seine Funktion, bis es im 20. Jahrhundert vor allem als Hotel unter dem Namen „Slawisches Haus“ bekannt war.
Geschichte
Das ursprüngliche Renaissancebürgerhaus entstand in einer Phase wirtschaftlicher und baulicher Expansion. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die Fassade barock umgestaltet und erhielt ein repräsentativeres Erscheinungsbild entsprechend den ästhetischen Vorstellungen der Zeit. Aus dieser Epoche stammte auch die gemalte Fassadendekoration mit illusionistischer Architektur, die noch im 20. Jahrhundert teilweise freigelegt wurde.
Im 19. und 20. Jahrhundert diente das Haus vor allem als Beherbergungs- und Gastronomiebetrieb. Es trug verschiedene Namen, darunter Hotel Stadt Dresden, Hotel Erlbeck, Rotes Haus und später Slawisches Haus. Mit etwa zwanzig Gästezimmern gehörte es zu den etablierten Betrieben am Hauptplatz. Allmähliche bauliche Eingriffe führten jedoch zur Beeinträchtigung der historischen Substanz und zur Verschlechterung des technischen Zustands.
In der ersten Hälfte der 1980er Jahre wurde das Haus abgerissen. Der Verlust bedeutete eine unwiederbringliche Einbuße eines bedeutenden historischen Gebäudes im Stadtkern und einen empfindlichen Eingriff in das Stadtbild des Platzes.
Beschreibung
Es handelte sich um ein zweigeschossiges Vorderhaus mit sieben Fensterachsen und einem Satteldach. Die Fassade war durch steinerne Fensterrahmungen, Sohlbänke und ein stark profiliertes Hauptgesims gegliedert. Die barocke Fassadengestaltung wurde durch eine illusionistische Malerei mit korinthischen Pilastern, Voluten und Festons ergänzt, von der Fragmente bei späteren Untersuchungen freigelegt wurden.
Im Erdgeschoss befand sich eine Durchfahrt, die von vier Feldern eines Kreuzgewölbes mit Graten und flachen Schlusssteinen überspannt wurde. Die Grate setzten direkt aus dem Mauerwerk an, ohne Kämpfer, was der lokalen Renaissancebautradition entsprach. Beiderseits der Durchfahrt lagen flachgedeckte Räume, die in jüngerer Zeit für Handels- und Dienstleistungszwecke umgestaltet wurden. In der letzten Phase seiner Existenz waren die Innenräume der Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Restaurierung
Zu einer Restaurierung kam es nicht. Der Abriss in der ersten Hälfte der 1980er Jahre stellt einen markanten Verlust der historischen Bausubstanz dar. Der Denkmalwert des Hauses lag in seinem erhaltenen Renaissancekern, der barocken Fassadengestaltung sowie in seiner neuzeitlichen Funktion als Hotel, die die Entwicklung der historischen Bausubstanz in einer Kur- und Tourismusstadt widerspiegelte.


