PATRIZIERHAUS NR. 131
Einleitung
Das Renaissancehaus Nr. 131 entstand um das Jahr 1520, also in der Frühzeit der Stadt. Durch seine Größe und seine Lage direkt gegenüber dem ursprünglichen Palais der Familie Schlick, dem heutigen Rathaus, zählte es von Beginn an zu den bedeutendsten Bürgerhäusern. Es wird mit dem Jáchymover Münzmeister Sturtz in Verbindung gebracht und spielte bereits im 16. Jahrhundert eine außergewöhnliche Rolle in der Geschichte des örtlichen Gesundheitswesens.
Geschichte
Das Haus wurde vermutlich um 1520 vom Münzmeister Sturtz errichtet. Im Jahr 1526 eröffnete hier Georg Sturtz, der Sohn des Münzmeisters, eine Apotheke, die als die älteste Apotheke auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik im modernen Sinne gilt. Sie war der Öffentlichkeit zugänglich, und Arzneimittel wurden sowohl auf ärztliche Verschreibung als auch auf direkten Wunsch der Kunden hergestellt und ausgegeben. Sturtz verließ die Stadt 1527, und mit großer Wahrscheinlichkeit übernahm der neue Stadtarzt und Apotheker Johann Bauer seinen Platz. Er wirkte hier bis 1530, als er nach Chemnitz ging, wo er unter seinem lateinischen Namen Georgius Agricola Berühmtheit erlangte.
Im Jahr 1784 verkaufte die Gemeinde das Gebäude an den Fleischer Jan Scharf unter der Bedingung, dass im Haus keine Gastwirtschaft eingerichtet und der Apothekenbetrieb erhalten bleiben müsse. 1852 erwarb Johann Woraczek aus Prag das Haus einschließlich der Apotheke und betrieb sie unter dem Namen Apotheke zum Schwarzen Adler. Ein späterer Besitzer war Mag. pharm. Hugo Zulauf aus Saaz, der den Namen in Radium Apotheke änderte. Der neue Name reagierte sowohl auf den Abbau von Pechblende und die Radiumproduktion in der Stadt als auch auf die Existenz der Gaststätte Zum Schwarzen Adler im unteren Teil des Platzes.
Hugo Zulauf prägte dem Gebäude sein heutiges Erscheinungsbild auf. Nach 1918 ließ er in die ursprüngliche barock-rokokozeitliche Fassade ein monumentales Portal einsetzen, das vom örtlichen Baumeister Franz Rehn nach einem Entwurf des Künstlers Gellert ausgeführt wurde. Das Motiv des Berggeistes Permon, das auf dem Portal erscheint, diente zugleich als Warenzeichen der Produkte Zulaufs.
Während die Apotheke den größten Teil des Erdgeschosses einnahm, wurde der übrige Teil des Hauses vielfältig genutzt – als Bürgerwohnung, als Sitz des Oberberggerichts sowie als Büroräume des Bezirksgerichts. Nach 1945 fiel das Gebäude an den Staat, doch die Apotheke blieb weiterhin in Betrieb. Im ersten Obergeschoss befanden sich Arztpraxen und ein Teil des Gesundheitsdienstes für Erwachsene. Ende der 1980er Jahre wurde die Apotheke in das neu errichtete Gesundheitszentrum verlegt, und das Gebäude begann zu verfallen. Nach 1989 befand sich hier kurzzeitig das Restaurant „Lékárna“, das zumindest dem Namen nach an die ursprüngliche Bestimmung erinnerte. Später stand das Haus erneut leer. Eine Wende trat mit dem Kauf durch einen neuen Eigentümer ein, der mit schrittweisen Renovierungen begann. Am 10. Oktober 2016 um symbolische 10:10 Uhr nahm im ehemaligen Apothekenraum die Erzgebirgs-Kräuterei ihren Betrieb auf, womit das Haus symbolisch zu seiner ursprünglichen Bestimmung der Sorge um die Gesundheit zurückkehrte.
Beschreibung
Das Gebäude mit acht Fensterachsen im Obergeschoss zählt zu den markantesten Bürgerhäusern des historischen Stadtkerns. Im Äußeren finden sich zahlreiche Elemente, die die baulichen Veränderungen belegen – ein gotisches Portal, ein Renaissanceportal sowie barocke Umbauten. Das monumentale Portal mit Halbsäulen und ionischen Kapitellen umfasst nicht nur den Eingang, sondern auch das benachbarte große Fenster. Es wird von einem runden Relief mit der Figur des Permon bekrönt und stellt einen auffälligen neuzeitlichen Eingriff in die historische Fassade dar.
Im Inneren ist ein Teil des spätgotischen Kellers mit einem mächtigen Tragpfeiler und einem kurzen Blindgang erhalten. Die Betonierung einer Wand und aufsteigende Feuchtigkeit lassen vermuten, dass sich weitere Teile der ursprünglichen Kellerräume verbergen. Beachtung verdienen auch die barocken Rohrdecken mit Spiegeln, die vermutlich ältere Renaissancebalkendecken verbergen. Erhalten ist zudem eine schwarze Küche mit ursprünglichem Ofen sowie Fragmente einer Renaissanceausmalung, die zwar unscheinbar, jedoch äußerst wertvoll sind.
Restaurierung
Das Gebäude durchlief im Laufe der Zeit zahlreiche Umbauten, die wechselnde Bedürfnisse und ästhetische Vorstellungen widerspiegeln. Der markanteste neuzeitliche Eingriff war die Einsetzung des Portals nach 1918. Nach einer Phase des Verfalls am Ende des 20. Jahrhunderts wurde das Haus durch einen neuen Eigentümer schrittweise restauriert. Die Rückkehr einer gesundheitsbezogenen Nutzung kann als symbolischer Abschluss seiner langen Geschichte verstanden werden.
Besonderheiten
Neben der Tatsache, dass sich hier die älteste Apotheke Böhmens befand, ist das Haus auch mit der Persönlichkeit von RNDr. Jan Hloušek verbunden, einem Geologen, Mineralogen und Historiker, der hier in seiner Jugend lebte. Bei einem Brand im Jahr 1977 verlor er den Grundstock seiner mineralogischen Sammlung, und Spuren dieses Ereignisses sind im Dachgeschoss bis heute sichtbar.
Die Kellerräume sind zudem Gegenstand persönlicher Berichte über unangenehme Empfindungen beim Betreten. Einige Besucher sprechen von einem starken Gefühl der Beklemmung, das sie von einer weiteren Besichtigung abhielt. Diese subjektiven Eindrücke gehören zu den weniger greifbaren, jedoch häufig erwähnten Besonderheiten des Hauses.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Jachymov_-_Dum_c._p._131_-_nejstarsi_lekarna_CR/


