HAUS NR. 283
Einleitung
Haus Nr. 283 gehörte zu den weniger auffälligen Bauten des Platzes. Touristen nahmen es kaum wahr, und auch Einheimische schenkten ihm selten besondere Beachtung. Dennoch besaß es eine durchaus interessante Vergangenheit, auch wenn der Alltag des Hauses nur selten Eingang in die Chroniken fand. Am eindrücklichsten blieb schließlich sein schrittweiser Niedergang.
Renaissancekern und bauliche Entwicklung
Wie die übrigen Häuser am Platz besaß auch dieses Gebäude ursprünglich einen Renaissancekern und war zweigeschossig. Auf der ältesten bekannten Darstellung der Stadt, veröffentlicht in Schmidts Werk „Památky v okrese Jáchymovském“, ist es auf einer Radierung aus den Jahren 1780–1820 als gemauertes, zweigeschossiges Haus dargestellt.
Im Obergeschoss befanden sich ursprünglich sechs Fenster, im Erdgeschoss fünf Fenster und ein Portal mit Oberlicht. Die linke Hälfte der Fassade zeigte zwei Doppelfenster, die rechte einen Eingang und ein einfaches Fenster. Später wurde das Erdgeschoss umgestaltet: Die Fenster wichen Schaufenstern, und der Eingang wurde von der rechten auf die linke Fassadenhälfte verlegt. Aufgrund der Hanglage lag das Obergeschoss zur Seite der heutigen Božena-Němcová-Straße ebenerdig. Im rechten Eck befand sich ein Laubengang mit Satteldach.
Gasthaus und politisches Leben
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist hier das Gasthaus „Gasthof Drei Engel“ belegt. Nach der Gründung der örtlichen Sozialdemokratie wurde es in „Volkshaus“ umbenannt. Das Gebäude wurde zum Zentrum der Arbeiterbewegung, Sitz der Bezirkssozialdemokratie und zugleich Beherbergungsbetrieb. Leiter war Gottfried.
Laut Regierungsverordnung vom 13. Juli 1939 zur Klassifizierung von Hotels und Gastbetrieben wurde es als Beherbergungsbetrieb der Kategorie C mit 18 Betten eingestuft.
Nach 1945
Nach 1945 trug das Gebäude den Namen „Ubytovací hostinec U Ferdy“. Staatlicher Verwalter und später Pächter war Ferda Ježek, Vater des späteren Pädagogen und Chronisten Oldřich Ježek.
1981 befand sich hier ein Geschäft des Staatsunternehmens „Oděvy“. Die Filialleiterin war Pátlová, der monatliche Umsatz betrug 120.000 Kčs.
Verfall und Abbruch
Nach 1989 begann mit der Schließung des Geschäfts der schleichende Verfall. Trotz mehrerer Investitionsabsichten – vom erneuten Geschäftsbetrieb bis zum Umbau zu Wohnungen – verfiel das Gebäude zunehmend.
Der Denkmalkatalog nennt einen Brand als Ursache der Zerstörung. Tatsächlich war jedoch der anschließende bauliche Zerfall entscheidend. Der Brand war vorsätzlich gelegt worden, verursachte aber zunächst keine gravierenden Schäden. In der Folge wurde ein Teil des Dachstuhls als Brennholz genutzt. Die geschwächte Konstruktion hielt der Schneelast im Winter 2005 nicht stand, und das Dach stürzte ein. Auch ein Teil der Außenmauer des Obergeschosses fiel auf die Straße.
2008 war noch ein Teil des Obergeschosses vorhanden, doch aus Sicherheitsgründen wurden die Reste sowie die Decke abgetragen. Erhalten blieb nur das Mauerwerk des Erdgeschosses mit zugemauerten Öffnungen. 2010 wurde der verbliebene Baukörper verputzt. Die letzten Reste wurden nach 2020 entfernt.
Denkmalwert
Haus Nr. 283 war architektonisch kein herausragendes Objekt, gehörte jedoch zur historischen Struktur des Platzes und spiegelte die gesellschaftlichen Veränderungen der Stadt vom monarchischen Zeitalter über die Arbeiterbewegung bis zur Nachkriegszeit wider. Sein Verlust bedeutete eine weitere Schwächung der historischen Kontinuität der Bebauung.
Fotogalerie:
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