HAUS NR. 127
Einleitung
Die Bedeutung des ursprünglichen Bauherrn wird vor allem durch die Lage des Hauses deutlich. Es steht direkt gegenüber dem Rathaus und in unmittelbarer Nähe der Dechantenkirche St. Joachim, also im historischen Zentrum der Stadt. Eine derart exponierte Lage konnten sich nur die wohlhabendsten und einflussreichsten Bürger in der Zeit des Silberbooms leisten.
Das Gebäude wurde nach dem großen Stadtbrand am Ende des 19. Jahrhunderts grundlegend umgebaut. Dabei wurde unter anderem die Dachkonstruktion vollständig verändert, was durch die Aufmauerung des Giebels belegt ist. Der heutige Dachstuhl ist ein Kehlbalkendach mit Satteldachform. Trotz dieser Eingriffe blieb der Renaissancekern mit historischen Konstruktionen sowie die gotisch-renaissancezeitlichen Gratgewölbe im Erdgeschoss erhalten.
Besonders wertvoll ist auch der Keller. Ursprünglich führte ein direkter Zugang von der Straße hinein, der während der deutschen Besatzung der Tschechoslowakei entfernt wurde, als ein Teil der örtlichen SS-Dienststelle hier untergebracht war.
Geschichte und Veränderungen
In den 1970er Jahren wurde das Erscheinungsbild des Hauses stark beeinträchtigt. Die neorenaissancezeitliche Fassade wurde entfernt und durch Rauputz ersetzt, das Erdgeschoss erhielt eine keramische Verkleidung. Dank erhaltener Pläne von Franz Rehn handelt es sich jedoch um einen reversiblen Eingriff, sodass eine Wiederherstellung der historischen Gestalt möglich wäre.
Ursprünglich ein Patrizierhaus, diente das Gebäude später der Unterbringung von Kurgästen. Der bedeutendste Gast war der Schriftsteller Karl May. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zog das Dekanat und Pfarramt hierher um.
Beschreibung
Das zweigeschossige Gebäude ist mit der Traufseite des Satteldaches zur Straße orientiert. Die Straßenfassade ist in acht Fensterachsen gegliedert. In der linken Erdgeschossachse befindet sich die ehemalige Durchfahrt, heute eine Garage, rechts der Haupteingang.
Grundrisslich handelt es sich um einen tiefen Vierflügelbau mit querstehendem Zweiflügeltrakt.
Zustand nach dem Brand von 1873
Das Projekt erarbeitete Alois Daut aus Chomutov und legte es im Mai 1873 dem Hauseigentümer Emanuel Groeger vor. Die Rekonstruktion nutzte das erhaltene Mauerwerk umfassend. Die Hausecken wurden durch rustizierte Pilaster betont. Die Fassade besaß Brüstungs- und Gesimsbänder mit vertieften Feldern für Firmenschilder. Die Fenster waren mit Rahmungen versehen, im Erdgeschoss mit halbkreisförmigen Gesimsen und angedeutetem Schlussstein.
Keller
Der Keller gehört zu den interessantesten in Jáchymov. Der Hauptraum im linken Teil ist eine große Halle mit Tonnengewölbe auf einem zentralen Pfeiler, dem sogenannten „Mönch“. Im rechten Teil befinden sich kleinere Räume, in der Mittelachse der heute vermauerte Treppenzugang von der Straße mit Gratgewölbe.
Im rechten Teil des Kellers sind Reste eines Ofens und einer Heizvorrichtung erhalten, was auf eine frühere Produktionstätigkeit hindeutet. In den Wänden sind noch Nischen und Spuren von Regalen erkennbar.
In den 1990er Jahren wurden Teile des Kellers im Rahmen von Radonschutzmaßnahmen abgetrennt, diese Eingriffe mussten jedoch wegen eindringender Feuchtigkeit wieder entfernt werden. Die Keller sind konstruktiv mit denen des Rathauses sowie mit den Gewölben des Hauses Nr. 146 (Haus des Bergbauunternehmers Hans Bock von 1555) vergleichbar.
Eine eingestürzte Wand legte zudem einen heute überfluteten Stollen unterhalb des Kellerbodens frei. Der Wasserspiegel liegt etwa einen Meter unter dem Niveau des unterirdischen Baches von Jáchymov. In den Keller mündet vermutlich auch ein Entwässerungsstollen aus dem heute unzugänglichen Untergrund der St.-Joachim-Kirche.
Hinterhaus
Typisch für Jáchymov ist die Gliederung in Vorder- und Hinterhaus. Während das Vorderhaus repräsentativen und Wohnzwecken diente, bildete das Hinterhaus das wirtschaftliche Zentrum. Zudem stabilisierte der hintere Grubenbau den Hang. Vom Hinterhaus sind jedoch nur Reste erhalten, etwa Teile einer Treppe und Mauerfragmente.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Jachymov_-_Dum_c._p.127_-_fara/


