HANDELSHAUS NR. 139
Einleitung
Das Haus Nr. 139 wurde als repräsentatives Bürgerhaus errichtet, das nicht nur dem Wohnen, sondern auch Handels- und Lagerzwecken diente. Darauf weisen sowohl seine stattliche Straßenfront als auch die reich gestalteten Innenräume hin. Eine bedeutende Rolle spielte es zudem in der Kommunikationsinfrastruktur der Stadt, da es als Posthaus unter der Bezeichnung Alte Post bekannt war.
Geschichte
Das Gebäude entstand während der größten Blütezeit der Stadt im 16. Jahrhundert. Sein architektonisches Niveau zeugte vom Wohlstand des Bauherrn und von der hohen Qualität der örtlichen Baukultur. Nach dem großen Stadtbrand im 19. Jahrhundert wurde die Fassade umgestaltet, während Grundriss und Gewölbesystem im Inneren weitgehend ihren Renaissancecharakter bewahrten.
In späterer Zeit wurde das Haus abgerissen. Das wertvollste architektonische Element – das Renaissanceportal – konnte jedoch gerettet werden. Es war zeitweise im Areal der Technischen Dienste gelagert, wo es allmählich verfiel. Um seine Rettung und Wiederanbringung machte sich Jiří Kaucký der Ältere verdient. Das Portal wurde schließlich an das Haus Nr. 145 übertragen und dort wieder eingebaut, wo es sich bis heute befindet.
Beschreibung
Es handelte sich um ein zweigeschossiges Vorderhaus mit sieben Fensterachsen und einem mit Schiefer gedeckten Satteldach. Die Fassade war durch Pilaster, profilierte Gesimse und eine Stuckquaderung im Erdgeschoss gegliedert. Fensterbankgesimse und rechteckige Stuckfelder rhythmisierten die Front, während das Traufgesims stark profiliert war.
Dominierendes Element war das außerordentlich qualitätvolle Renaissanceportal aus dem Jahr 1541. Es besteht aus reich profilierten steinernen Gewänden mit halbkreisförmigem Abschluss, in dessen Zwickeln sich Reliefmedaillons mit einer weiblichen und einer männlichen Figur befinden. Das Ädikulaportal wird von Balustersäulen mit Blattkapitellen gerahmt. Darüber liegt ein stark profiliertes Gesims mit einem von einem breiten Mittelpfosten geteilten Oberlicht. Der Aufsatz über dem Portal ist mit einem Oberlichtfenster, Voluten, einem Maskaron und einem segmentbogigen Abschluss mit der Jahreszahl und dem Monogramm des Bauherrn 15 HB 41 versehen, das auch im Feld über dem Oberlicht wiederholt ist. In den seitlichen Medaillons erscheint links ein Jüngling mit Lorbeerkranz, rechts ein bärtiger Mann mit Kalotte. Das Portal zählt zu den bedeutendsten Renaissance-Steinmetzarbeiten der Stadt.
Der Grundriss des Hauses bewahrte die ursprüngliche Renaissance-Disposition. Erdgeschoss und Obergeschoss waren überwiegend mit Kreuzgewölben mit Graten versehen. Flure und Räume wurden durch Gurtbögen, segmentbogige Durchgänge und typische Jáchymover Konsolen gegliedert. Im hinteren Teil befand sich eine Wendeltreppe mit reich gestalteter Gewölbekonstruktion, die bis in das zweite Obergeschoss reichte. Die Innenräume gehörten hinsichtlich ihrer Gewölbeausstattung zu den reichsten innerhalb der Stadt.
Denkmalwert
Das Haus Nr. 139 stellte einen typischen, jedoch außergewöhnlich hochwertig ausgeführten mehrteiligen Jáchymover Patrizierbau dar. Sein Portal entstand im Umfeld der Baumeister, die mit dem Bau der Dechantenkirche verbunden waren, insbesondere Hans Köpp und der Steinmetz Jörg aus Bamberg, und zählt zu den besten sächsisch beeinflussten Renaissanceportalen der Stadt. Obwohl das Gebäude selbst verloren ist, bleibt das erhaltene Portal ein bedeutendes Zeugnis der Baukultur der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.


