KAPELLE KALVÁRIE – NISSE
KAPELLE
Die Nischenkapelle im Barockstil wurde Anfang des 17. Jahrhunderts in die Friedhofsmauer eingebaut. Ob sich an ihrer Stelle zuvor eine ältere Kapelle befand, ist nicht bekannt. Es handelt sich um einen prismatischen Bau mit geradem Abschluss, gedeckt von einem Pultdach. In der oberen, halbrund geschlossenen Nische befand sich ursprünglich eine Kalvariengruppe aus dem Jahr 1544. Die ursprüngliche Statue des gekreuzigten Christus wurde im 19. Jahrhundert abgenommen und in der unteren Nische aufgestellt, die das Heilige Grab symbolisiert. An ihre ursprüngliche Stelle wurde damals ein auf Blech gemalter Kruzifix angebracht. Heute befindet sich in der Hauptnische ein Holzkreuz mit der Figur des Gekreuzigten.
SKULPTURENGRUPPE
Die Kalvariengruppe wurde im Auftrag des Stadtrates vom Dresdner Bildhauer Christoph Walter im Jahr 1544 geschaffen. Sie besteht aus den Figuren der Schmerzensmutter Maria, des hl. Johannes des Evangelisten und des gekreuzigten Christus. Die Christusfigur besaß ursprünglich bewegliche Arme und echte Nägel in der Dornenkrone. Zu Ostern wurde sie vom Kreuz abgenommen, in einer Prozession getragen und anschließend in der unteren Nische der Kapelle, die das Heilige Grab darstellt, niedergelegt. Durch die wiederholte Handhabung kam es zu Abnutzungen an den Armen, weshalb im Laufe des 18. Jahrhunderts die ursprünglichen Sandsteinarme durch hölzerne ersetzt wurden. Gleichzeitig wurde die Figur weiß überstrichen, wodurch die ursprüngliche Polychromie verloren ging.
Im 19. Jahrhundert war die Beschädigung der Christusfigur bereits so groß, dass Mängel im Stein sichtbar wurden und Einsturzgefahr bestand. Die Statue wurde daher dauerhaft in die Nische des Heiligen Grabes versetzt und an ihrer Stelle ein auf Blech gemalter Kruzifix angebracht.
Im Jahr 1993 wurden die Figuren wegen ihres schlechten Zustands aus der Kapelle entfernt und kehrten nach der Restaurierung nicht mehr an ihren ursprünglichen Ort zurück. Zunächst wurden sie provisorisch unter der Empore der Kirche St. Joachim aufgestellt, und nach der Renovierung der Allerheiligenkirche wurden sie an ihrem heutigen Standort in deren Innenraum installiert, in einer Anordnung, die der ursprünglichen nahekommt.
Im Zentrum der Installation steht ein Kreuz mit dem Torso des ursprünglichen Christus, der aus dem Depot des Karlsbader Museums hierher überführt wurde, und an den Seiten stehen die Figuren auf prismatischen Sockeln.
Obwohl es sich um ein frührenaissancezeitliches Werk handelt, ist ein deutlicher Einfluss der Spätgotik erkennbar. Die Haltung der Figuren wirkt steif und schematisch, und die Gewänder zeigen tiefe, quer verlaufende, stark geknitterte Falten. Die links vom Kreuz stehende Maria ist gotisch in der Hüfte gebogen und hält in der Hand das Ende ihres Gewandes zu einem Knoten gerafft. Ihr Herz ist von einem metallenen Schwert durchbohrt. Der hl. Johannes hat ein breites Gesicht mit reichen Locken und blickt direkt auf Christus.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Kaple_Kalvarie_vyklenkova/


