KAPELLE DES HEILIGEN PROKOP
Die dem heiligen Prokop geweihte Kapelle wurde auf einem Nebengipfel des Berges Stráž (840 m ü. M.), lokal Klobouk genannt, errichtet. Bauherr war der Bergbeamte Püchner, weshalb die Kapelle in einigen Quellen auch als Püchnerkapelle bezeichnet wird. Der Bauherr war vermutlich auch Gründer der Püchner’schen Fabrik für Smalten und Kobaltfaben, die 1780 in der Nachbarschaft der Lintacker’schen Silberhütte gegründet wurde (später Fabrik für Uranfarben und Radium).
Mit dem Bau wurde vermutlich während der Regierungszeit Kaiser Josephs II. begonnen, doch kam es nie zur Vollendung. Für den Baustopp werden mehrere Gründe genannt. Nach einer Version soll Kaiser Joseph II. bei seinem Besuch der Stadt im Rahmen seiner Reformen die Fertigstellung untersagt haben. Eine andere Überlieferung besagt, dass der Gipfel des Hügels häufig von Blitzschlägen getroffen wird, was die Errichtung und Nutzung einer Kapelle problematisch machte. Eine weitere Erklärung führt an, dass Püchner kirchliche Behörden um die Genehmigung für Gottesdienste in der Kapelle bat. Die Kirche stimmte zwar zu, machte dies jedoch von der Hinterlegung einer höheren Geldsumme für die künftige Instandhaltung abhängig. Dies soll den Bauherrn so sehr verärgert haben, dass er die Arbeiten einstellen ließ. Gleichzeitig soll er auch die bereits genehmigte Prozession von der Kirche St. Joachim zur Prokopskapelle abgesagt haben, die zum Fest dieses Schutzpatrons der Bergleute und ganz Böhmens stattfinden sollte.
Zum Zeitpunkt der Unterbrechung beziehungsweise Einstellung der Bauarbeiten erreichte das Mauerwerk etwa die Höhe eines erwachsenen Mannes. Auf der Karte des Stabilen Katasters von 1842 ist die Kapelle noch verzeichnet. Im Jahr 1873 erreichten die erhaltenen Mauern aus Granitquadern etwa einen Meter Höhe. 1913 war nur noch der Sockel sichtbar, und heute sind vor Ort praktisch keine Reste mehr erhalten.
Die Kapelle war nach Osten orientiert, und das Schiff hatte einen leicht rechteckigen Grundriss von etwa 4,7 × 4,4 Metern. Der Chor (Presbyterium) war etwa 1,3 Meter tief und dreiseitig geschlossen (drei Seiten eines Achtecks).
Die einzige bekannte Darstellung der Kapelle findet sich auf einem Stahlstich, den Fesca 1860 nach einer Vorlage von W. Kandler anfertigte. Die Kapelle ist darauf ganz rechts auf dem Gipfel dargestellt.



