KAPELLE DER HEILIGEN BARBARA
Die Kapelle wurde im Jahr 1770 aus finanziellen Mitteln errichtet, die unter den Jáchymover Bergleuten und Hüttenarbeitern gesammelt wurden. Organisator der Sammlung war der Steiger Josef Flor, der eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung des Bauvorhabens spielte. Die feierliche Weihe der Kapelle fand am 4. Dezember 1770 statt, symbolisch am Festtag der heiligen Barbara. Dieser Tag war in Bergstädten traditionell mit Gottesdiensten, Umzügen und Feierlichkeiten verbunden, und so wurde die Kapelle nicht nur zu einem Ort des Gebets, sondern auch zu einem wichtigen geistlichen Symbol der Bergmannsgemeinschaft.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Kapelle war der 29. März 1772, als in Prag drei Glocken für ihre Dachreiter geweiht wurden. Die Glocken wurden dem heiligen Johannes, dem heiligen Florian und dem heiligen Paulus gewidmet, deren Schutz symbolisch vor Bränden, Unglücken und anderen Gefahren bewahren sollte. Nach der Weihe wurden die Glocken nach Jáchymov gebracht und in der Kapelle angebracht.
Ursprünglich besaß die Kapelle nur einen Dachreiter über dem Eingangsbereich. Im Jahr 1809 wurde das Dach um einen zweiten Dachreiter ergänzt, wodurch die Kapelle ihre charakteristische Gestalt erhielt. Das Paar der Türmchen hatte nicht nur eine praktische, sondern auch eine symbolische Bedeutung – eines wurde mit den Bergleuten, das andere mit den Hüttenarbeitern verbunden, also mit den beiden Berufsgruppen, die das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt prägten.
Die Kapelle stand ursprünglich im unteren Teil von Jáchymov gegenüber den Kurbauten. Mit der Zeit kam es jedoch zu erheblichen städtebaulichen Veränderungen in diesem Bereich. In unmittelbarer Nähe wurde das Haus Astoria errichtet, zugleich entstand hier der Körper einer neuen Straße. Die Kapelle geriet dadurch in einen beengten Raum, verlor ihre ursprüngliche Dominanz im Gelände und begann zudem den zunehmend stärkeren Verkehr im Gebiet des ehemaligen Unterthals zu behindern.
Aus diesen Gründen wurde ihre Versetzung beschlossen. Im Jahr 1917 wurde die Kapelle sorgfältig abgetragen und die einzelnen Teile an einen neuen Standort am Hang oberhalb des heutigen Kulturhauses gebracht, wo sie wieder aufgebaut wurde. Die Umsetzung bedeutete zwar einen erheblichen Eingriff in ihre Geschichte, ermöglichte jedoch ihr weiteres Bestehen in einer ruhigeren und würdigeren Umgebung. Im Laufe des 20. Jahrhunderts verfiel die Kapelle allmählich und ihr Innenraum wurde teilweise beschädigt, dennoch bewahrte das Bauwerk seinen historischen und symbolischen Wert.
Baubeschreibung
Die Kapelle der hl. Barbara ist ein einschiffiger Bau mit rechteckigem Grundriss und segmentförmig geschlossenem Chor. Sie wird von einem Satteldach gedeckt, das ursprünglich mit Schindeln bedeckt war. Das Dach wird von zwei offenen sechseckigen Dachreitern bekrönt, die zu den markantesten architektonischen Elementen des Bauwerks gehören und seine Silhouette prägen.
Die Eingangsfront ist im Geist des Spätbarocks mit Betonung von Einfachheit und Symmetrie gestaltet. Das rechteckige Portal besitzt eine schlichte Rahmung mit ausgeprägten Ohren. Über dem Eingang befindet sich ein kaselförmiges Fenster, das den Raum über dem Eingang beleuchtet. Die Fassade ist seitlich durch flache Lisenen gegliedert und oben durch ein Gesims abgeschlossen, über dem sich ein dreieckiger Giebel erhebt. Im Giebel befindet sich eine halbrund geschlossene Nische mit Schlussstein und vorspringendem Gesims. Die Seitenwände sind jeweils von einem rundbogig geschlossenen Fenster durchbrochen, das für natürliches Licht im Innenraum sorgt. Der Innenraum ist relativ schlicht und entspricht dem Charakter einer kleinen Bergmannskapelle. Die ursprüngliche barocke Ausstattung hat sich nur teilweise erhalten, dennoch wirkt der Innenraum bis heute ruhig und würdevoll.
Die Kapelle der hl. Barbara bleibt somit nicht nur ein architektonisches Denkmal, sondern vor allem ein materielles Zeugnis des Glaubens, des Zusammenhalts und der Identität der Jáchymover Bergleute und Hüttenarbeiter.
Fotogalerie hier: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Kaple_sv._Barbory/


