KAPELLE DER HEILIGEN ANNA
Die ursprünglich hölzerne Kapelle der hl. Anna wurde im Jahr 1517 errichtet. Im Laufe ihrer Geschichte brannte sie mehrmals aus, erstmals im Jahr 1642. Als steinerner Bau wurde sie erst nach 132 Jahren wieder aufgebaut – im Jahr 1778 auf Antrag der Eheleute Jacob Florian und Maria Catharina Haanl. Sie stellten ihren Antrag am 22. November 1777 und verfügten über 1.000 Gulden zur Finanzierung. Das Gebäude wurde vollendet und 1780, bei mehrfacher Überschreitung des ursprünglichen Budgets, abgenommen.
Schon kurze Zeit später wurde die Kapelle jedoch nicht mehr genutzt und 1783 geschlossen. Am 21. Januar 1803 wurde sie auf Antrag des Dekans Anton Jackel erneut geweiht, nachdem mehrere angesehene Bürger darum gebeten hatten. Beim großen Stadtbrand am 31. März 1873 brannte die Kapelle bis auf die Umfassungsmauern nieder. Danach wurde sie wiederhergestellt; aus dieser Zeit stammt auch ihr heutiges Erscheinungsbild. Einzig das Dach wurde nicht in seiner ursprünglichen Form erneuert. Ursprünglich besaß die Kapelle eine hohe Kuppel mit Turm sowie zwei kleinere Türmchen über dem Eingang. Die letzten Renovierungen fanden 1976 und 1993 statt; bei der letzteren wurde der Hausschwamm beseitigt und die Kapelle erhielt ein neues Dach und eine neue Fassade.
Glocke
Die Glocke in der Kapelle ist 50 cm hoch und hat einen Durchmesser von 40 cm. Sie hängt in einem hölzernen Glockenstuhl und wird mittels eines Seils geläutet, das bis zur Empore führt. Gegossen wurde sie 1769 vom Prager Glockengießer František Frank.
Im unteren Reliefbereich der Glocke ist die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind in festlicher Kleidung dargestellt, beide mit Kronen auf dem Haupt. Auf dem Rand befindet sich die lateinische Inschrift: BOHEMIA PROVINCIA BENEDICATUR UT INSIGNIS HUIUS INTERVENTU PIOQUE SUO AUXILIO HOSPITIO ISTI ET TOTI.
Baubeschreibung
Die Kapelle hat einen rechteckigen Grundriss von etwa 12 × 9 Metern mit abgeschrägten Ecken, die durch Pilaster gegliedert sind. Die Fassade besitzt ein schlichtes Portal mit Ohrenrahmung und der Jahreszahl 1778. Über dem Eingang mit niedrigem Giebel befindet sich ein Dachreiter mit kuppelartigem Dach.
Ausstattung
Die Innenausstattung stammt überwiegend aus der Zeit nach 1875. Auf dem Altar stehen drei Holzfiguren: die hl. Anna mit der jungen Maria, der hl. Joachim und der hl. Josef, der fünf Lilien in der Hand hält. Sie wurden 1875 in München in der Werkstatt Mayer’sche Kunstanstalt Wetsch & Weidert gefertigt. Zwischen den Fenstern befinden sich Gipsfiguren von Jesus und Maria unbekannter Herkunft. Von der Decke hängt ein Messing-Ewiges Licht (für eine Kerze), und an der Wand beim Altar befindet sich eine Glocke mit Wippe und etwa 150 cm langem Stoffband. Auf der Empore steht ein 19-registriges Harmonium mit zwei Manualen und Fußantrieb.
Über der Empore befindet sich eine originale Freske zur Erinnerung an den Bauherrn. Daraus geht hervor, dass Jacob Haanl ein angesehener Bürger war, da er hier als Senator bezeichnet wird. Die Inschrift lautet:
CAPELLAM HANC BEATAE ANNAE IACOBUS HAANL HONESTUS CIVITATIS VALLENSIS SENATOR FIERI FECIT…
Die Kapelle befindet sich am unteren Ende des Náměstí Republiky (früher Brottmarkt), im ältesten Teil von Jáchymov. Ursprünglich lagen hinter ihr zwei Plätze – Agricola-Platz und Annenplatz –, die in den 1950er Jahren größtenteils mit Abraum aus den Uranbergwerken Josef und Svornost aufgefüllt wurden. Gleichzeitig wurde die ursprüngliche Bebauung einschließlich des alten Rathauses abgebrochen und es entstand der neue Platz Slovany.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Kaple_sv._Anny/


