Die verschwundene Kapelle des Heiligen Johannes Nepomuk (Unterthal)
Kapelle des hl. Johannes von Nepomuk im unteren Teil der Stadt Jáchymov (untergegangen)
In der historischen Topographie der Stadt Jáchymov ist die Existenz einer heute nicht mehr bestehenden Kapelle des hl. Johannes von Nepomuk im unteren Teil der Stadt belegt. Das Objekt ist vor allem aus einer schriftlichen Beschreibung in der Inventarliteratur des frühen 20. Jahrhunderts bekannt und wird in modernen Übersichten häufig übergangen. Die grundlegende und bislang einzige ausführlichere Beschreibung stammt von Richard Schmidt aus dem Jahr 1913.
Beschreibung der Kapelle nach Richard Schmidt (1913)
Bei Schmidt ist die Kapelle im Kapitel „Kleinere Kapellen“ aufgeführt und allgemein als Bau „im unteren Teil der Stadt“ lokalisiert. Eine genauere topographische Angabe macht Schmidt nicht.
Architektonisch handelte es sich um eine kleine rechteckige gemauerte Kapelle barocken Charakters, gelb und weiß verputzt. Das Dach war mit Dachpappe gedeckt. In den Seitenwänden befanden sich rechteckige Fenster. Die Fassade war mit einem dreiseitigen, dreieckigen Giebel abgeschlossen und durch einen rechteckigen Eingang mit Ohrengewände und mittlerem Schlussstein geöffnet. Die Fassaden waren durch Lisenen und Stuckgliederung gegliedert. Der Innenraum war mit einer flachen Rohrdecke versehen.
Zur Ausstattung gehörte eine sargförmige, marmorierte Altarmensa, über der sich in einer Nische eine Statue des hl. Johannes von Nepomuk befand. An den Wänden standen außerdem geschnitzte Holzfiguren von Heiligen auf Konsolen. Ihre Namen oder ikonographischen Details nennt Schmidt nicht. Er datiert die Kapelle in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Die Kapelle in kartographischen Quellen – 3. Militärische Landesaufnahme
Die Existenz der Kapelle ist auch durch kartographische Quellen des 19. Jahrhunderts belegt. Das Objekt erscheint auf Spezialkarten der 3. Militärischen Landesaufnahme Österreich-Ungarns (Maßstab 1 : 75.000), die in den Jahren 1875–1880 entstanden und später aktualisiert wurden.
Auf dem Kartenblatt für den Raum Jáchymov ist im unteren Teil der Stadt ein freistehendes kleines Objekt an einer Straße eingezeichnet, versehen mit dem üblichen Kartensymbol für kleinere gemauerte Gebäude. Die Lage entspricht Schmidts allgemeiner Angabe „im unteren Teil der Stadt“ und bestätigt, dass die Kapelle in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch existierte und als fester Bestandteil des Stadtbildes wahrgenommen wurde.
Die Karte enthält weder eine textliche Beschreibung noch die Weiheangabe des Objekts, doch die isolierte Darstellung außerhalb der geschlossenen Bebauung entspricht dem Charakter eines kleinen Sakralbaus. Der Abdruck der 3. Militärischen Landesaufnahme stellt somit einen unabhängigen indirekten Nachweis für die Existenz der Kapelle in der Zeit nach ihrer Errichtung und lange vor ihrem Verschwinden im 20. Jahrhundert dar.
Schluss
Die untergegangene Kapelle des hl. Johannes von Nepomuk im unteren Teil von Jáchymov ist heute nur aus wenigen Quellen bekannt. Die wichtigste Informationsquelle bleibt die detaillierte Beschreibung von Richard Schmidt aus dem Jahr 1913, die eine Rekonstruktion ihrer architektonischen Gestalt und Ausstattung ermöglicht. Kartographische Belege der 3. Militärischen Landesaufnahme bestätigen ihre Existenz noch am Ende des 19. Jahrhunderts und präzisieren ihre Lage innerhalb der städtischen Struktur. Die genaue Position im heutigen Gelände sowie die Umstände ihres Untergangs sind bislang nicht sicher belegt.


