Grab der Opfer des Zweiten Weltkriegs in Jáchymov

Einleitung
Auf dem städtischen Friedhof in Jáchymov liegt zwischen gewöhnlichen Grabstätten das Gemeinschaftsgrab von Opfern des Zweiten Weltkriegs. Hier ruhen die sterblichen Überreste von vier sowjetischen Kriegsgefangenen, eines polnischen Soldaten sowie eines Mannes, der während eines gegen Kriegsende in der Nähe der Stadt vorbeiziehenden Todesmarsches ums Leben kam. Die Kriegsgefangenen wurden in den Jáchymover Bergwerken zu Zwangsarbeit eingesetzt, wo äußerst harte Bedingungen herrschten.
Geschichte
Nach Kriegsende wurden die Verstorbenen auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt. Die Pflege der Gräber übernahm der Totengräber Bohumil Malý, zugleich Mitglied der örtlichen Feuerwehr. Am 1. und 2. November 1948 errichteten Mitglieder des Feuerwehrkorps unter seiner Leitung und in Zusammenarbeit mit dem Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Jáchymov eine neue gemauerte Gruft. Vom damaligen Stadtnationalausschuss wurden drei Särge erworben, in die die exhumierten Überreste gelegt und anschließend gemeinsam beigesetzt wurden.
Über der Gruft wurde ein schlichter steinerner Gedenkstein mit einer roten Marmortafel errichtet, die folgende Inschrift trägt: „HIER FANDEN IHRE LETZTE RUHE / 4 SOWJETISCHE KRIEGSGEFANGENE, / 1 POLNISCHER SOLDAT / UND 1 UNBEKANNTER AUS EINEM TODESMARSCH / ALS OPFER DES NAZISMUS. / RUHET IN FRIEDEN IN BÖHMISCHER ERDE!“ Die feierliche Enthüllung fand am 7. November 1948 anlässlich des Jahrestages der Oktoberrevolution statt. Vertreter der Stadt, der Armee sowie der damaligen Bezirks- und Kreisbehörden, Delegationen von Schulen und der Pfadfinderbewegung, eine Ehrenwache der Feuerwehr sowie Geistliche – ein katholischer Priester aus Jáchymov und ein orthodoxer Priester aus Karlovy Vary – nahmen daran teil.
Später wurde festgestellt, dass der zunächst unbekannte Tote aus dem Todesmarsch französischer Herkunft war. Eine Überführung seiner sterblichen Überreste war jedoch nicht mehr möglich, da die Gruft bereits verschlossen war und nicht eindeutig festgestellt werden konnte, in welchem Sarg er bestattet wurde. Drei der sowjetischen Kriegsgefangenen konnten identifiziert werden: Filimon Černěnko, Berija Korostěnko und Petr Šumkin. Der vierte sowjetische Gefangene, der polnische Soldat sowie der französische Tote blieben namenlos.
Beschreibung
Die Gedenkstätte wurde direkt zwischen anderen Grabstätten auf dem Friedhof angelegt und nicht als gesondertes Ehrenfeld. Ihre ursprüngliche Gestaltung war schlicht und entsprach der Entstehungszeit. Der steinerne Gedenkstein mit Marmortafel befand sich über der gemauerten Gruft und erinnerte an das gemeinsame Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus.
Im Jahr 1955 wurde anlässlich des zehnten Jahrestages des Kriegsendes ein neues monumentales Marmordenkmal von etwa 2,5 Metern Höhe errichtet, das von einem roten fünfzackigen Stern gekrönt war. Die ursprüngliche Gedenktafel wurde auf dieses Denkmal übertragen. Die Enthüllung erfolgte am 9. Mai 1955. Seit 1949 fanden hier regelmäßig Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des Kriegsendes statt.
Restaurierung
Nach den gesellschaftlichen Veränderungen zu Beginn der 1990er Jahre wurde das inzwischen stark verwitterte Marmordenkmal im Jahr 1991 entfernt und der Ort in eine schlichtere Form zurückgeführt, die der ursprünglichen Gestaltung näherkam. Die Gedenkstätte erinnert weiterhin an die Kriegsopfer, jedoch ohne ausgeprägte ideologische Symbolik.


