DER DREISEITIGE GRENZSTEIN DREIHERRENSTEIN
EINLEITUNG
Bei der Durchsicht touristischer Portale wie auch offizieller Webseiten stößt man immer wieder auf zahlreiche Ungenauigkeiten bezüglich des dreiseitigen Grenzsteins Dreiherrenstein, des sogenannten „Steins der drei Herrschaften“. Informationen werden oftmals ohne Quellenangabe übernommen und weiterverbreitet, obwohl sie den historischen Tatsachen nicht entsprechen. Dieses bedeutende Denkmal verdient daher eine sachliche Richtigstellung der häufigsten Irrtümer.
JAHRESZAHL 1544, MARIA THERESIA UND DIE WAPPEN
Der Grenzstein wurde ursprünglich bereits 1677 gesetzt, trägt jedoch die Jahreszahl 1729. In diesem Jahr erfolgte seine erneute Aufstellung nach der endgültigen Vermessung und Festlegung der Landes- und Herrschaftsgrenzen. Die gelegentlich angeführte Jahreszahl 1544 ist historisch nicht haltbar. Die Grenzregelung zwischen dem Königreich Böhmen und Sachsen erfolgte erst auf Grundlage der sogenannten Prager Vereinbarung vom 14. Oktober 1546. Eine systematische Setzung von Grenzsteinen begann erst ab 1558.
Ebenso wenig besteht ein Zusammenhang mit der Regierungszeit Maria Theresias. Sie bestieg den böhmischen Thron im Jahr 1740, also mehr als zehn Jahre nach der letzten Neuaufstellung des Steins mit der Datierung 1729.
WAPPEN UND IHRE TATSÄCHLICHE BEDEUTUNG
Ein weiterer verbreiteter Irrtum ist die Behauptung, die Wappen auf dem Stein stellten die Grenzen Böhmens, Sachsens und des Hauses Schwarzenberg dar. Tatsächlich markierte der Stein die Grenze dreier Herrschaften: der sächsischen Herrschaft Schwarzenberg (nicht des böhmischen Adelsgeschlechts Schwarzenberg), der Herrschaft Schönburg sowie des Gebietes der Grafen Schlik (Ostrov und Jáchymov). Die Namensgleichheit Schwarzenberg ist hier rein geografischer Natur.
Auf der nordwestlichen Seite befindet sich das Allianzwappen des Kurfürstentums Sachsen und des Königreichs Polen. Es handelt sich nicht um die Darstellung zweier Staaten als Grenzpartner, sondern um das Symbol einer Personalunion, in der der sächsische Kurfürst zugleich König von Polen war. Die Abkürzung FARPES steht für Fridericus Augustus Rex Poloniae Elector Saxoniae – „Friedrich (August), König von Polen und Kurfürst von Sachsen“. Das Wappen bringt somit die landesherrliche Souveränität des betreffenden Monarchen zum Ausdruck.
Auf der nordöstlichen Seite befindet sich das Wappen der Herrschaft Hauenstein mit der Inschrift Hauenstein und der Jahreszahl 1729. Es handelt sich um ein Allianzwappen, das auf die Besitzverhältnisse zwischen den Markgrafen von Baden und den Herzögen von Sachsen-Lauenburg verweist.
Auf der südlichen Seite ist der österreichische Adler dargestellt, der die Bergstadt Jáchymov (Joachimsthal) symbolisiert, ebenfalls mit der Jahreszahl 1729.
LETZTE GRENZREGELUNG
Die letzte bedeutende Grenzregulierung erfolgte in den Jahren 1842–1843. Damals wurde die Staatsgrenze zwischen dem Königreich Sachsen und dem Königreich Böhmen (innerhalb des Kaisertums Österreich) durch einen Grenzgraben markiert, der im Gelände bis heute erkennbar ist. Der Stein erhielt die Nummer 376 sowie die Initialen KS (Königreich Sachsen) und KB (Königreich Böhmen).
Es ist zu betonen, dass der Dreiherrenstein den Schnittpunkt dreier Herrschaften kennzeichnete, nicht jedoch dreier moderner Nationalstaaten im heutigen Sinne. Die Übertragung heutiger Staatsgrenzen auf frühneuzeitliche Besitzverhältnisse ist eine der Ursachen späterer Fehlinterpretationen.
VERBINDUNG MIT GOTTESGAB
Mit der Stadt Boží Dar (Gottesgab) steht der Stein historisch nicht in Verbindung. Er war nicht einmal dem nächstgelegenen Siedlungsort zugeordnet. Im Bereich der heutigen Windkraftanlagen befand sich einst die Siedlung Sonnenwirbelhäuser (Klínovecké Chalupy), die zur Herrschaft Jáchymov gehörte.
Die heutige Zuordnung des Denkmals zu anderen Verwaltungseinheiten ist eher als Teil moderner touristischer Präsentation zu verstehen denn als historisch belegbare Tatsache. Der Dreiherrenstein gehört seinem historischen Kontext nach eindeutig zum Gebiet von Jáchymov.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Kamen_tri_panstvi_Dreiherrenstein/


