MÜNIZIPALSPITAL
Einleitung
Bei der Allerheiligenkirche wurde im Jahr 1530 vom Hutmacher und späteren Münzmeister Wolf Sturz ein Bergmannsspital gegründet. Gleichzeitig entstand hier auch der städtische Friedhof. So bildete sich ein einzigartiges Zentrum der Fürsorge für den Menschen in seiner Ganzheit – im Leben wie nach dem Tod. Die Sorge um Körper und Seele hatte in der sich rasch entwickelnden Bergstadt grundlegende Bedeutung, denn der Bergbau brachte nicht nur Wohlstand, sondern auch erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich.
Geschichte
Das Spital war ein einfaches, eingeschossiges Renaissancegebäude auf L-förmigem Grundriss. Mit der Kirche war es durch einen überdachten Verbindungsgang verbunden, der einen direkten Zugang zwischen beiden Gebäuden ermöglichte. Durch die Mitte des Gebäudes verlief ein Flur, von dem aus die einzelnen Räume zu beiden Seiten zugänglich waren. Die Dachräume der Kirche dienten als Lager für Lebensmittel und Material des Spitals. Diese Gestalt des Areals ist auch auf einem Fragment der Bergbaukarte aus dem Jahr 1534 festgehalten.
Die Bedeutung der Stadt spiegelte sich auch in den Persönlichkeiten wider, die im Spital wirkten. Zu den ersten Ärzten der Stadt gehörte Magister Rümpfel. Die medizinische Betreuung repräsentierten ferner der Arzt und Apotheker Georg Sturz, Sohn des Spitalgründers, sowie der Arzt Jan Niavius. Bereits 1523 veröffentlichte Václav Payer, auch als W. Beyer bekannt, ein Buch über Bergwerksmedizin. Es handelte sich um eine fachliche Anleitung zu spezifischen Gesundheitsproblemen der Bergleute, bestimmt sowohl für angehende Ärzte als auch für die Bergleute selbst. Materialien für ihre Werke sammelten hier auch Magnus Hund und Beyer de Cubito, die sich mit der Beschreibung der sogenannten Joachimsthaler Bergkrankheit befassten. In den Jahren 1558–1566 wirkte hier als Arzt Franz Rener, an den eine Gedenktafel neben dem Eingangsportal mit der Inschrift „FRANCZ RENER | SPITTEL | MEISTER“ erinnerte.
Beschreibung
Die letzten bedeutenderen Veränderungen erfuhr das Spital im Zuge eines barocken Umbaus. Das Gebäude war mit einem hohen Satteldach gedeckt, die Giebel waren aus Brettern gefertigt. Die Fassaden waren glatt und ohne plastischen Schmuck. Das Portal aus dem Jahr 1566 befand sich in der nordwestlichen Wand. Über seinem Gesims war eine Tafel mit einer umfangreichen biblischen Inschrift angebracht, die zur Barmherzigkeit und Hilfe für die Armen aufrief. Der Text zitierte Worte aus dem Buch Tobit und betonte, dass derjenige, der den Bedürftigen hilft, Gottes Gnade und Segen erlangen werde. Die Jahreszahl 1566 erinnerte an die Entstehungszeit dieses Portals.
Erneuerung
Es ist nicht vollständig geklärt, wann und warum das Gebäude seine ursprüngliche Funktion verlor. Allmählich verfiel es und sein Zustand verschlechterte sich zunehmend. Einen entscheidenden Einschnitt stellte der Brand im Jahr 1955 dar, der seinen Untergang wesentlich beschleunigte. 1958 wurde das Torso der Umfassungsmauern als Grundlage für eine Terrasse mit Streuwiese, Urnenhain und Gedenkstätte genutzt.
Das Spital wurde zuletzt indirekt im Jahr 1992 in Erinnerung gerufen, als bei der Renovierung der Kirche auf dem Dachboden eine hölzerne Getreideschaufel gefunden wurde, die ursprünglich zur Ausstattung des Spitals gehörte. Dieser unscheinbare Gegenstand erinnerte nach Jahrhunderten symbolisch an die Existenz einer der ältesten sozialen und medizinischen Einrichtungen der Stadt.


