VYKMANOV I (TARNBEZEICHNUNG C) UND VYKMANOV II (TARNBEZEICHNUNG L)
VYKMANOV I (C)
Das Lager Vykmanov I wurde am 1. März 1949 als eines der ersten Lager der Region gegründet. Es entstand für die Bedürfnisse des Innenministeriums im Rahmen des rasch ausgebauten Systems der Zwangsarbeit im Uranbergbau. Die ersten Gefangenen trafen ein, als das Lager noch nicht vollständig fertiggestellt war; ihre erste Aufgabe bestand im Ausbau der Gebäude, der Sicherungsanlagen und der technischen Infrastruktur. Bereits ab 1949 wurden die Gefangenen auf einzelne Uranbergwerke in Jáchymov und Umgebung verteilt.
Vykmanov I erfüllte die Funktion eines Zentrallagers. Hier wurden die Gefangenen registriert, medizinisch untersucht, administrativ erfasst und anschließend auf die einzelnen Arbeitslager im Raum Jáchymov verteilt. Später erfolgte von hier aus auch die Zuweisung in Lager im Raum Příbram und Horní Slavkov. Die erhaltenen Lagerbücher stellen heute eine bedeutende historische Quelle dar, da sie die Zahl und die Bewegungen der Gefangenen dokumentieren.
Zum Lager gehörte auch das Kommando der Gefängniswache Ostrov. Die offizielle Kapazität betrug 519 Gefangene, wurde jedoch häufig überschritten. Die Häftlinge arbeiteten nicht nur in Uranbergwerken, sondern auch beim Aufbau der nahegelegenen Stadt Ostrov, wo großflächige Wohnsiedlungen für zivile Bergwerksmitarbeiter entstanden. Sie waren an Erdarbeiten, Betonierungen und Infrastrukturprojekten beteiligt.
Als Lagerkommandanten fungierten nacheinander die SVS-Wachtmeister Vavřín und Nastoupil sowie die SNB-Wachtmeister Svoboda und Malina. Später wurde im Lager auch ein Gefängniskrankenhaus eingerichtet, das nicht nur Vykmanov, sondern auch andere Lager der Region versorgte.
Nach der zeitweiligen Übernahme der Zentrallagerfunktion durch das Lager Bratrství wurde diese Rolle Vykmanov I wieder übertragen, wo sie bis zum Ende des Uranabbaus in der Region bestehen blieb. Das Areal bildet heute die Grundlage der Justizvollzugsanstalt Ostrov.
VYKMANOV II (L)
Das Lager Vykmanov II wurde im Februar 1951 als „Lager im Lager“ gegründet und am 26. Mai 1956 aufgelöst. Es bestand lediglich aus zwei Baracken – einer Verwaltungs- und einer Unterkunftsbaracke für etwa 150 Gefangene. Untergebracht wurden vor allem Priester, Ordensangehörige sowie als fluchtgefährdet eingestufte oder disziplinarisch problematische Gefangene. Geistliche wurden administrativ als „Unverbesserliche“ geführt. Nach der Auflösung des Lagers wurden viele von ihnen in den Raum Příbram verlegt.
Das Lager war eng mit der Erzaufbereitungsanlage „Rudá věž smrti“ verbunden, die heute als nationales Kulturdenkmal gilt. Diese Anlage diente als zentrale Zerkleinerungs- und Sortieranlage für Uranerz aus dem gesamten Gebiet der damaligen Tschechoslowakei. Das Erz wurde aus verschiedenen Bergwerken angeliefert, von Hand sortiert und anschließend im Trockenverfahren auf etwa 5 mm Korngröße zerkleinert. Dabei entstanden dichte Wolken radioaktiven Staubs, der von den Gefangenen eingeatmet und vom Wind in die Umgebung getragen wurde.
Die Arbeiten erfolgten ohne Schutzkleidung oder Atemschutz. Im Lager gab es keine Duschen, sondern lediglich einfache Waschtröge. Trotz der bekannten Gesundheitsgefahren wurde der Betrieb fortgesetzt. Auch zeitgenössische medizinische Gutachten stuften die Arbeitsbedingungen als hochriskant ein.
Nach dem Mahlen wurde das Material erneut manuell sortiert und verpackt. Hochwertiger Pechblendeerz wurde in Holzkisten von etwa 60 kg verpackt. Andere Erzqualitäten wurden in Metallfässer von etwa 80 kg gefüllt, während minderwertiges Material in Jutesäcke kam. Wöchentlich verließ ein Transportzug mit ungefähr vierzig Waggons das Gelände in Richtung Sowjetunion; jeder Waggon fasste rund dreißig Tonnen Material. Die Verladung und der Transport innerhalb der Tschechoslowakei wurden von einer Begleitkompanie der Inneren Wache des Innenministeriums überwacht.
Als Kommandanten wirkten der SVS-Stabswachtmeister Mixa und der SNB-Oberwachtmeister Píbil. Die extremen Arbeitsbedingungen, unzureichende Ernährung und fehlender Schutz führten zu Weihnachten 1953 zu einem Hungerstreik. Die Beteiligten wurden anschließend in die Verhörstellen der Staatssicherheit im Kurhaus Lužice in Jáchymov, genannt „Sing-Sing“, sowie in das ehemalige Kloster in Mariánská gebracht. Dort wurden sie misshandelt und später in andere Lager oder feste Gefängnisse, etwa Leopoldov, Prag-Ruzyně oder Plzeň-Bory, überstellt.
Die Zustände im Lager erregten selbst unter sowjetischen Beratern Aufmerksamkeit. Als angebliche Schutzmaßnahme gegen die radioaktive Belastung wurde eine sogenannte „Sonderzusatzration“ eingeführt, die aus maximal einem halben Liter stark entrahmter Milch pro Person und Tag bestand. Diese Maßnahme konnte die langfristigen gesundheitlichen Folgen jedoch nicht verhindern.
Nach der Auflösung des Lagers wurden die Gebäude entfernt. Die „Rudá věž smrti“ blieb als Mahnmal der gefährlichen und gesundheitsschädlichen Arbeit der Gefangenen erhalten und stellt heute ein bedeutendes Erinnerungsobjekt des repressiven Systems der Uranlager dar.


