SVORNOST (TARNBEZEICHNUNG K)
Historischer Kontext des Standortes
Vor der Errichtung des Lagers verlief hier eine der Jáchymover Straßen – Obere Tanne. Sie führte entlang des Wassergrabens an der Stollenanlage Vysoká jedle vorbei, dem mittelalterlichen Silberbergwerk Hohe Tanne, und setzte sich als Weg in Richtung Stadtteich fort. Das Gebiet besitzt eine lange bergbauliche Tradition.
Während des Zweiten Weltkriegs richtete die deutsche Verwaltung an diesem Ort ein Kriegsgefangenenlager für französische und sowjetische Gefangene ein, die im Bergwerk Svornost eingesetzt wurden. Nach Kriegsende wurden hier deutsche Gefangene interniert, die bis zum 3. Dezember 1949 Uranerz förderten. Das Lager war damals für seine massive Bettwanzenplage bekannt. Vor der Übergabe des Areals führte eine letzte Gruppe von etwa fünfzig Gefangenen Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten durch. Am 4. Dezember 1949 wurden die ersten 405 Strafgefangenen eingewiesen. Die offizielle Kapazität lag bei 600 Personen, im Mai 1951 waren jedoch bis zu 750 Häftlinge untergebracht.
Lagerbetrieb
Anfangs gingen die Gefangenen auf dem Weg zur Arbeit an Wohnhäusern vorbei. Nach einigen Erinnerungen befand sich über dem Lagertor die Inschrift „Prací ke svobodě“ (Durch Arbeit zur Freiheit); andere Zeitzeugen, darunter der Schriftsteller Karel Pecka, der hier interniert war, bestreiten dies und verorten einen solchen Schriftzug eher am Zentrallager Bratrství. Um den Kontakt mit der Zivilbevölkerung zu unterbinden, wurde das Lager später durch eine Treppe mit 260 Stufen direkt mit dem Bergwerk verbunden. Diese erhielt unter den Gefangenen den Namen „Mauthausen-Treppe“.
Das Lager war auf einer schmalen, langgezogenen Terrasse angelegt, die durch doppelte Umzäunung zusätzlich verengt war. Alle notwendigen Betriebsgebäude mussten auf engem Raum untergebracht werden. Ein gravierendes Problem stellte das Fehlen einer eigenen Trinkwasserquelle dar; die Gefangenen mussten nach der Arbeit Wasser den steilen Hang hinauftragen. Der Wassermangel verschärfte die hygienischen Verhältnisse und führte erneut zu Bettwanzenbefall. Nach einigen Berichten erlaubte der Lagerleiter Slánský eine Begasung der Baracken, während der die Gefangenen außerhalb übernachten durften.
Die Treppe war Bestandteil der Sicherungsanlagen mit Wachtürmen und einem Wachhaus auf der Terrasse. Ihre Konstruktion war provisorisch und führte besonders im Winter zu häufigen Unfällen. Am 30. September 1951 versuchten Rudolf Kindl und Ilja Stalev-Chubenov hier die Flucht. Beide wurden erschossen, ihre Leichen zur Abschreckung am Fuß der Treppe ausgestellt. Gefangene, die aus Respekt die Mütze abnahmen, wurden in die Strafzelle gebracht.
Disziplinarstrafen
Als Arrestzellen dienten auch ehemalige Luftschutzunterstände aus der Zeit des deutschen Lagers. Es handelte sich um betonierte Gruben im Boden. Während der Strafzeit erhielten die Gefangenen reduzierte Essensrationen, konnten sich wegen Platzmangels nicht hinlegen und waren Misshandlungen ausgesetzt. Im Winter waren die Zellen unbeheizt und schlecht belüftet.
Auflösung und Erinnerung
Das Lager wurde am 29. Oktober 1954 aufgelöst. Die Gebäude wurden abgerissen und das Gelände eingeebnet. Später entstand ausgerechnet am Standort des ehemaligen Haupttors ein Wasserwerk. In den 1990er Jahren richtete der Bergbauverein Barbora den Lehrpfad „Jáchymovské peklo“ ein und restaurierte Teile der Treppe. Seit 2005 betreut das Museum Sokolov die Anlage, errichtete ein symbolisches Tor und rekonstruierte die Treppe. Aufgrund der später gebauten Wasseranlage konnte das Tor jedoch nicht am ursprünglichen Ort stehen. Teile der Fundamentreste sowie ein ehemaliger Schutzraum wurden freigelegt, eine umfassende archäologische Untersuchung steht jedoch noch aus. Ein 3D-Modell des Lagers ist in der Ausstellung der Stollenanlage Nr. 1 zu sehen.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Tabor_Svornost/


