ROVNOST I UND ROVNOST II (TARNBEZEICHNUNG P)
Geschichte und Entstehung
Das ursprüngliche deutsche Kriegsgefangenenlager entstand während des Zweiten Weltkriegs in der Nähe der Förderanlage des Schachtes Werner und diente sowjetischen Kriegsgefangenen, die im Bergbau eingesetzt wurden. Nach Kriegsende wurden Grube und Lager in Rovnost umbenannt. In den folgenden Jahren wurden hier deutsche Kriegsgefangene untergebracht, die aus Lagern in Stettin verlegt worden waren; ihre Zahl erreichte etwa 3.500 Personen. Dieses erste Nachkriegslager wird als Rovnost I bezeichnet. Da es auf einer Halde mit radioaktiv belastetem Abraummaterial errichtet worden war, wurde es nach 1948 aufgehoben und an einen neuen Standort verlegt.
Das neue Lager, Rovnost II, erhielt die Tarnbezeichnung P und wurde am 15. September 1949 mit der Einweisung von 925 Gefangenen eröffnet, von denen 846 unmittelbar im Uranabbau arbeiteten. Es handelte sich um eines der größten Lager der Jáchymover Gruben und zugleich um ein sogenanntes Kommandolager. Im Jahr 1951 waren hier 1.344 Gefangene registriert. Das Lager war vor allem für Häftlinge mit Strafen von mehr als zehn Jahren bestimmt, insbesondere für nach dem Gesetz Nr. 231/1948 Slg. zum Schutz der volksdemokratischen Republik und später nach dem Strafgesetz Nr. 86/1950 Slg. Verurteilte. Mit dem Bergwerksgelände war das Lager durch einen mit Stacheldraht gesicherten Korridor verbunden, den die Gefangenen „Gasse der verlorenen Hoffnungen“ oder „Gasse des Kommunismus“ nannten. Das Lager wurde am 1. Juni 1961 geschlossen.
Beschreibung des Lagers
Das Areal bestand aus neun Häftlingsbaracken. Eine war für Retributionsgefangene und verurteilte Deutsche bestimmt, eine weitere für eine sogenannte Stoßbrigade, die übrigen enthielten unter anderem einen Kommandobereich, eine Quarantäneabteilung oder Werkstätten. Die Holzbaracken waren schlecht isoliert; die Gefangenen stopften die Spalten zwischen den Brettern mit allem verfügbaren Material. Heizen war nur in Ausnahmefällen erlaubt. Trinkwasser musste ins Lager gebracht werden, Abwässer wurden in einen Schacht geleitet. Das Haupttor befand sich an der Straße in Richtung Eliáš-Tal; gegenüber stand eine Wachstube der äußeren Sicherung, die bis heute erhalten ist.
Politische Gefangene wurden durch ein großes rotes Kreuz auf dem Rücken gekennzeichnet, Diebe und Betrüger durch einen Kreis; weitere Gruppen trugen unterschiedliche farbliche Zeichen. Die Parallelen zur Kennzeichnungspraxis in nationalsozialistischen Konzentrationslagern waren offensichtlich. Nach der Auflösung wurde das Gelände parzelliert und für den Bau von Ferienobjekten verkauft.
Überreste des Lagers
Erhalten geblieben ist unter anderem die sogenannte „Řetízkárna“, die als Umkleide der Häftlinge diente und an die der mit Stacheldraht gesicherte Verbindungskorridor zur Grube anschloss. Das Gebäude steht noch, verfällt jedoch ohne systematische Pflege. Auch die Wachstube am Haupttor ist erhalten und heute zu einem Ferienobjekt umgebaut. Die Lagerkrankenstation, die die frühere Krankenbaracke ersetzte, wurde später anderweitig genutzt; das Areal dient heute als Freizeiteinrichtung unter dem Namen Berghof. Eine Besonderheit war der sogenannte „Paleček-Burg“, ein gemauerter Modellbau einer mittelalterlichen Burg, den Gefangene in ihrer Freizeit zur Unterhaltung eines Lagerkommandanten errichten mussten. In der Nähe befanden sich eine kleine Fontäne und Zierbeete; im Lager wurde sogar ein kleines Becken mit Goldfischen angelegt.
Wachpersonal und dessen Verhalten
Erster Lagerkommandant war der Stabswachtmeister der Gefängniswache Dlouhý. In Quellen und Zeugenaussagen wird wiederholt František Paleček als Lagerleiter genannt. In einigen Erinnerungen erscheint jedoch auch der Name Albín Dvořák, was wahrscheinlich auf eine zeitgenössische Spitznamenverwendung oder eine spätere Verwechslung zurückzuführen ist. Der Beiname „Paleček“ soll sich auf die geringe Körpergröße des betreffenden Kommandanten bezogen haben. Weitere Angehörige der Sicherheitskräfte, darunter mehrere mit dem Namen Dvořák, werden ebenfalls genannt.
Zeitzeugen berichten von hartem Vorgehen gegen Gefangene, insbesondere gegen politische Häftlinge und Angehörige der Zeugen Jehovas, die aus religiösen Gründen die Arbeit im Uranabbau verweigerten. Belegt sind Misshandlungen, Demütigungen und auch Erschießungen bei Fluchtversuchen. Gefangene wurden in unbeheizte Arrestzellen gebracht oder in schmerzhafte Fesselstellungen gezwungen. Nach dem Tod Stalins im März 1953 mussten zwölf Gefangene stundenlang im Schnee als symbolische Ehrenwache stehen. Im Rahmen interner Untersuchungen wurde einer der Kommandanten in ein anderes Lager, Nikolaj, versetzt und blieb später weiterhin im Sicherheitsdienst tätig.
Fotogalerie: https://mipalfi.rajce.idnes.cz/Tabor_Rovnost/


