MARIENBERG (TARNBEZEICHNUNG B)
Geschichte und Standort
Das Lager wurde am 4. Juni 1949 eingerichtet und hatte eine Kapazität von etwa 700 Gefangenen. Es befand sich nahe dem ehemaligen Kapuzinerkloster mit der Kirche Mariä Himmelfahrt und der Kirche des hl. Franziskus. Am 1. April 1960 wurde es offiziell aufgelöst, der Abbruch der Baracken dauerte jedoch bis Dezember desselben Jahres. Es war das zweite Arbeitslager im Raum Jáchymov und stellte Arbeitskräfte für den Uranabbau bereit.
Kapuzinerkloster
Die Gebäude des früheren Hospizes wurden nach 1949 von Sicherheitsorganen genutzt. Hier befanden sich Kasernen der Nationalen Sicherheitskorps, Abteilung Jeřáb. In den Kellerräumen der Kirche Mariä Himmelfahrt wurden Haftzellen eingerichtet, die später als Verhörräume und Arrestzellen für Fluchtverdächtige dienten. In der Kirche des hl. Franziskus wurde eine Übungsschießanlage eingerichtet, später diente das Gebäude als Garage der Inneren Wache des Innenministeriums. 1951 entstand im Areal eine große Hundestaffel mit einer Kapazität von bis zu 300 Diensthunden.
Die unterirdischen Zellen galten aus Sicht der Staatssicherheit als geeignet für verschärfte Verhöre. Es kam zu langandauerndem Fesseln an Türen oder Gittern, zu Schlägen, Schlaf- und Nahrungsentzug sowie anderen Misshandlungen. Später wurden die Verhörräume in das beschlagnahmte Kurhaus „Lužice“ in Jáchymov verlegt, das unter Gefangenen den Spitznamen „Sing-Sing“ erhielt. Nach der Auflösung des Lagers wurde das Kloster als Lager genutzt und 1965 wegen Baufälligkeit abgerissen.
Lager und Organisation
Das Lager war vor allem für vom Staatsgericht zu kürzeren Haftstrafen verurteilte Personen bestimmt, meist mit einem Alterslimit von 25 Jahren. 1951 wurde ein neues Lager an der Straße nach Merklín errichtet. Es bestand aus sechs Unterkunftsbaracken, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden sowie einer Krankenstation. Die Gefangenen arbeiteten in den Bergwerken Eva und Adam. Trotz eines strengen Regimes galt das Lager aufgrund besserer Verpflegung und baulicher Ausstattung als vergleichsweise erträglich.
Fluchtversuch
Am 5. September 1950 versuchte eine Gruppe von Gefangenen die Flucht. Nach Überwältigung der Wachposten wurden diese in einen Schacht hinabgelassen. Die Flucht wurde jedoch vereitelt, Daniel Štěpán wurde erschossen, die übrigen Beteiligten verhaftet. In einem Prozess am 11. Oktober 1950 in Jáchymov wurden mehrere Angeklagte zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Todesurteile wurden am 21. Oktober 1950 nach Ablehnung eines Gnadengesuchs durch Präsident Klement Gottwald vollstreckt.


