DIE LAGER IM RAUM PŘÍBRAM
Die Entwicklung des Uranreviers Příbram begann systematisch nach 1948. Geologische Untersuchungen bestätigten umfangreiche Vorkommen, und innerhalb kurzer Zeit wurden neue Schächte eröffnet – insbesondere Bytíz, Vojna, Láz und Háje. Mit dem Anwachsen der Förderung entstand auch die Lagerinfrastruktur. Ein Teil der Areale knüpfte an Objekte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs an, andere wurden neu errichtet. Gefangene wurden je nach aktuellem Bedarf an Arbeitskräften aus dem Raum Jáchymov sowie aus anderen Gefängnissen der Republik in das Gebiet verlegt. Versetzungen zwischen einzelnen Revieren waren keine Ausnahme, sondern ein übliches Instrument der Systemsteuerung.
VOJNA (LEŠETICE)
Das Lager Vojna wurde in den Jahren 1947–1949 ursprünglich unter Einsatz deutscher Kriegsgefangener bei den Schächten Vojna I und II aufgebaut. Nach der Übernahme des Areals durch das Innenministerium wurde es ab 1949 als Zwangsarbeitslager genutzt und 1951 in ein Arbeitsbesserungslager bei den Uranminen umorganisiert. Es bestand bis 1961. In den 1950er Jahren waren hier gleichzeitig mehrere Hundert bis über tausend Häftlinge interniert. Die Bewachung erfolgte durch Einheiten der Nationalen Sicherheitskorps (SNB) und später durch die Innere Wache des Innenministeriums.
Das Gelände war von doppeltem Stacheldrahtzaun mit Schussfeld umgeben und verfügte über Wachtürme, Appellplatz, Arrestzellen und Krankenstation. Die Häftlinge arbeiteten vor allem im Tiefbauschacht Bytíz, aber auch beim Aufbau und der Instandhaltung der technischen Infrastruktur der Gruben. Das Regime war hart, die Arbeitsnormen hoch und Disziplinarstrafen üblich. Das Lager Vojna ist heute das am besten erhaltene authentische Areal dieses Typs in der Tschechischen Republik und dient als Gedenkstätte für die Opfer des kommunistischen Regimes. Im Kreuzweg zur Freiheit in Jáchymov wird es durch einen eigenen Stein mit dem Symbol eines Lindenzweiges erinnert.
BYTÍZ
Das Lager Bytíz entstand Anfang der 1950er Jahre direkt beim gleichnamigen Tiefbauschacht und wurde zum größten Arbeitszentrum des Raums Příbram. Seine Kapazität betrug je nach Zeitraum etwa eintausend bis zweitausend Häftlinge. Das Areal umfasste Unterkunftsbaracken, Verwaltungsgebäude, Arrestzellen und technische Objekte. Bytíz übernahm schrittweise Häftlinge aus kleineren oder aufgelösten Einrichtungen und wurde zum Hauptknotenpunkt des Příbramer Zweigs.
Die Arbeit erfolgte unter anspruchsvollen Bedingungen des Tiefbaus, bei hoher Staubbelastung und radioaktiver Exposition. Schutzmittel waren minimal, gesundheitliche Folgen langfristig. Das Regime entsprach dem Standard der Uranlager – strenge Bewachung, regelmäßige Zählungen, Isolation und Disziplinarmaßnahmen. Auch Bytíz wird im Kreuzweg zur Freiheit in Jáchymov symbolisch erinnert, und zwar durch einen Stein mit dem Symbol einer Kugel mit Kette.
BROD
Das Lager Brod fungierte als kleinere Arbeits- und Verteilungsstelle, die an die Hauptgruben der Region angeschlossen war. Es diente der vorübergehenden Unterbringung von Häftlingen und ihrer Zuweisung entsprechend dem aktuellen Förderbedarf. Administrativ unterstand es der Leitung in Příbram und unterlag demselben Sicherheitsregime wie die übrigen Einrichtungen – Umzäunung, Bewachung, Appellplatz und Arrestzellen. Seine Bedeutung lag vor allem in der logistischen Sicherstellung des Betriebs.
LEŠETICE
Lešetice bildete mit Vojna eine betrieblich verbundene Einheit. Hier befanden sich Lagerhäuser, Werkstätten, technische Einrichtungen und die Verkehrsanbindung an die Grubenbetriebe. Die Häftlinge wurden nicht nur unter Tage eingesetzt, sondern auch bei Bau- und technischen Arbeiten zur Errichtung der Infrastruktur. Der Standort stellte ein wichtiges Hinterland der gesamten Förderung im Raum Příbram dar.
LÁZ
Das Lager Láz entstand im Zusammenhang mit der Eröffnung des gleichnamigen Schachtes in der ersten Hälfte der 1950er Jahre. Die Häftlinge arbeiteten hier im Tiefbau sowie bei oberirdischen Arbeiten. Kapazitätsmäßig war es kleiner als Bytíz, das Regime jedoch ebenso streng. Mit dem Rückgang der Förderung und der Reorganisation des Reviers wurde das Lager schrittweise aufgelöst und die meisten seiner Bauten verschwanden.
HÁJE
Der Komplex Háje umfasste mehrere Schächte und technologische Einrichtungen, in denen Häftlingsarbeitsgruppen eingesetzt wurden. Die Gefangenen bauten Uranerz ab, sortierten und manipulierten es. Die Bedingungen entsprachen den übrigen Lagern im Raum Příbram – hohe physische Belastung, minimaler Schutz vor Radioaktivität und strenge Bewegungskontrolle. Háje war ein bedeutendes Glied in der Produktionskette des Příbramer Reviers.
Der Příbramer Zweig war vollständig in das zentral gesteuerte System der Uranminen integriert. Die Erfassung der Häftlinge, ihre Umverteilung, die Arbeitsnormen und Sicherheitsmaßnahmen gingen von einem einheitlichen Modell aus, das bereits in Jáchymov entwickelt worden war. Die Lager waren keine isolierten Einrichtungen, sondern Teil eines Mechanismus, dessen Ziel die maximale Förderung eines strategischen Rohstoffs war.
Gemeinsames Merkmal aller Lager im Raum Příbram war die Kombination aus extrem harter Arbeit, radioaktiver Belastung und repressivem Regime. Die Häftlinge arbeiteten ohne ausreichenden Schutz, oft bei unzureichender Ernährung und eingeschränkter Hygiene. Viele trugen die Folgen ihr Leben lang. Mit dem Rückgang des Uranabbaus in den 1960er Jahren wurden die Lager schrittweise aufgelöst, und die meisten ihrer Spuren verschwanden. Die Erinnerung an Vojna und Bytíz im Kreuzweg zur Freiheit belegt jedoch eindeutig, dass die Region Příbram ein vollwertiger und integraler Bestandteil des gesamten Systems der Uranarbeitslager war.


