BRUDERSCHAFT (TARNBEZEICHNUNG M)
Geschichte
Der Uranabbau im Bereich des Bergwerks Bruderschaft, ursprünglich als „Stollen der sächsischen Adligen“ bekannt, wurde am 12. Juni 1945 wieder aufgenommen. Zunächst arbeiteten hier zivile Beschäftigte, später wurden auch Kriegsgefangene eingesetzt. Das Kriegsgefangenenlager wurde zum 31. Juli 1947 offiziell errichtet, im darauffolgenden Winter trafen die ersten einhundert Gefangenen ein. Anfang der 1950er Jahre arbeiteten hier 395 Häftlinge, die nach den Retributionsvorschriften verurteilt worden waren und in einem gesonderten Teil des Lagers untergebracht waren.
Das Zentrallager Bruderschaft (Tarnbezeichnung D) wurde am 4. Februar 1950 gegründet. Es hatte den Grundriss eines unregelmäßigen Rechtecks und lag zwischen zwei Hängen oberhalb von Jáchymov, mit dem es durch einen Feldweg verbunden war. Die Wasserversorgung erfolgte über zwei Brunnen, das Abwasser wurde in einen durch das Lager fließenden Bach geleitet. Die Häftlinge arbeiteten vor allem im Bergwerk Bruderschaft. Das Lager diente als zentrales Aufnahme- und Registrierungszentrum für alle neu eingelieferten Gefangenen, die anschließend entsprechend Urteil, Strafdauer, Alter und Arbeitskräftebedarf auf andere Lager verteilt wurden. Die höchste Belegung wurde 1951 mit 505 ständigen Häftlingen erreicht. Am 12. Dezember 1954 wurde das Lager aufgelöst; seine Funktion übernahm das Lager Vykmanov.
Das Lager Bruderschaft (Tarnbezeichnung M) wurde am 21. Februar 1950 auf dem Grundriss eines unregelmäßigen Fünfecks eingerichtet. Erster Kommandant war der Wachtmeister der Gefängniswache Andríc, ihm folgte der Wachtmeister der Nationalen Sicherheit Pták. Im Lager herrschte ein strenges Regime. Teil des Areals war auch die sogenannte Arrestzelle, eine Holzhütte mit einem unterkellerten Betonraum von etwa 2 × 1,5 Metern bei zwei Metern Höhe, in dem Häftlinge als Disziplinarstrafe eingesperrt wurden. Zeitzeugen berichten, dass dort zeitweise bis zu zwanzig Personen gleichzeitig festgehalten wurden. Die Gefangenen arbeiteten im Bergwerk sowie in der angeschlossenen Gravitationsaufbereitung. Zum 1. April 1950 waren 441 Verurteilte registriert. Ein Bach teilte das Lager in zwei Bereiche. Am linken Ufer befand sich nahe dem Tor die Kommandantur mit dem Büro sogenannter „Lagerhäftlinge“, die mit der Umsetzung von Befehlen betraut waren und für den laufenden Betrieb sorgten. Dahinter standen die Unterkunftsbaracken und Lagergebäude. Das rechte Ufer diente als Appellplatz. Das Lager wurde am 13. Juni 1954 aufgelöst.
Beschreibung des Areals und der technischen Einrichtungen
Zum Bergwerksbetrieb gehörte eine Gravitationsaufbereitungsanlage zur Anreicherung des Uranerzes durch Abtrennung des tauben Gesteins. Die Anlage in Bruderschaft war die erste Einrichtung dieser Art auf dem Gebiet der damaligen Tschechoslowakei. Sie wurde 1946 errichtet und arbeitete anfangs mit einfachen Mitteln – die Häftlinge zerkleinerten das Erz mit Hämmern und trennten das taube Gestein von Hand ab. Das gewonnene Erzkonzentrat wurde anschließend in Mühlen und Brechern weiterverarbeitet. Nach diesem Vorbild wurde 1948 eine weitere Anlage im Eliáš-Tal als Bestandteil des Bergwerks und Lagers Eliáš errichtet. Das angereicherte Erz wurde zur Technischen Kontrollabteilung im Lager Vykmanov transportiert und anschließend entweder in der Brechanlage im Areal des sogenannten Roten Turms des Todes oder in der 1952 in Betrieb genommenen chemischen Aufbereitungsanlage in Nejdek weiterverarbeitet. Die Gravitationsaufbereitung in Bruderschaft wurde 1955 eingestellt.


