DIE ERSTEN RADONKURBÄDER DER WELT
ANFÄNGE DER HEILENDEN NUTZUNG DES WASSERS
Die heilende Wirkung des Grubenwassers bemerkten bereits die Bergleute in den Jáchymover Bergwerken im 19. Jahrhundert. Bei der Arbeit in überfluteten Teilen der Gruben beobachteten sie, dass das Wasser Schmerzen in Gelenken und Muskeln linderte. Damals konnte jedoch niemand erklären, warum das Wasser solche Wirkungen hatte.
Ein Wendepunkt kam erst am Ende des 19. Jahrhunderts mit der Entdeckung der Radioaktivität. Im Jahr 1896 entdeckte sie der französische Physiker Henri Becquerel und zwei Jahre später isolierten Marie und Pierre Curie ein neues Element – Radium. Gerade diese Entdeckungen führten Wissenschaftler zu der Annahme, dass die heilende Wirkung des Jáchymover Wassers mit radioaktiven Stoffen in den Gesteinen des Erzgebirges zusammenhängen könnte.
WISSENSCHAFTLICHE FORSCHUNG
Am 7. Januar 1904 kamen die Physiker Stefan Meyer und Heinrich Mache aus Wien nach Jáchymov, um die Radioaktivität der örtlichen Wasser zu messen. Ihre Untersuchungen konzentrierten sich vor allem auf die Grube Werner, das heutige Bergwerk Rovnost.
An der Ortsbrust der Erzader Schweizer entdeckten sie Wasser mit außergewöhnlich hoher Radioaktivität, das damals als das radioaktivste Wasser der Welt galt. Diese Entdeckung bestätigte, dass die Jáchymover Quellen ein bedeutendes therapeutisches Potenzial besitzen könnten.
Eine wichtige Rolle spielte auch der Oberbergverwalter Ing. Josef Štěp. Bei seinen Untersuchungen entdeckte er auf der Danielsohle der Grube Werner weitere sehr starke Quellen. Diese wurden später als Štěp-Quellen bezeichnet.
DIE ERSTEN KURBÄDER
Auf Grundlage dieser Entdeckungen begann der Bezirksarzt MUDr. Leopold Gottlieb mit Experimenten zur Nutzung des radioaktiven Wassers für medizinische Zwecke. Im Jahr 1906 richtete er im Haus des Bäckermeisters Josef Kühn am heutigen Náměstí Republiky die ersten zwei Badezellen ein.
Das Wasser aus der Grube Werner wurde von dem ehemaligen Bergmann Josef Prennig in einer Trage auf dem Rücken herbeigeschafft. Das Interesse an den neuen Bädern war jedoch so groß, dass das Wasser bald mit einem Pferdewagen transportiert werden musste.
Diese ersten Versuche markierten den Beginn der systematischen Nutzung radonhaltigen Wassers zur Behandlung von Patienten.
ENTSTEHUNG DES KURINSTITUTS
Das wachsende Interesse der Patienten führte bald zur Entscheidung, ein echtes Kurgebäude zu errichten. In den Jahren 1906 bis 1911 entstand daher das erste staatliche Kurgebäude – die Kuranstalt für Radiumbehandlung, das heutige Kurzentrum Agricola.
In das Gebäude wurden Quellen aus der Grube Werner geleitet, die sowohl für Bäder als auch für Trinkkuren genutzt wurden. Jáchymov wurde damit zum ersten Ort der Welt, an dem radioaktives Wasser systematisch in der Kurbehandlung eingesetzt wurde.
BEDEUTUNG FÜR DAS WELTWEITE KURWESEN
Die Kurbäder von Jáchymov legten den Grundstein für einen völlig neuen Bereich der Medizin – die Radonbalneotherapie. Im Laufe der Zeit entwickelten sich hier Behandlungsmethoden, die sich vor allem auf Erkrankungen des Bewegungsapparates konzentrieren.
Bis heute gehört Jáchymov zu den bedeutendsten Zentren der Radonbehandlung weltweit. Eine Besonderheit dieser Kurbäder besteht darin, dass das Heilwasser noch immer aus dem Tiefbergwerk Svornost gewonnen wird, das zu den ältesten noch genutzten Bergwerken Europas gehört.


