ÜBERRESTE VON JOACHIM ANDREAS VON SCHLIK
Einleitung
Jáchym Ondřej Šlik gehörte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des böhmischen Ständeaufstands gegen die Habsburger. Als einer seiner politischen Führer wurde er nach der Niederlage der Stände verhaftet, verurteilt und am 21. Juni 1621 auf dem Staroměstské náměstí in Prag hingerichtet. Zugleich war er der letzte Angehörige des Geschlechts der Schlik, der in Ostrov (Schlackenwerth) geboren wurde – ein symbolischer Schlusspunkt in der Geschichte dieser westböhmischen Adelsfamilie.
Hinrichtung und öffentliche Zurschaustellung
Nach dem ursprünglichen Urteil sollte er enthauptet und gevierteilt werden. Letztlich wurde ihm – neben der eigentlichen Enthauptung – die rechte Hand abgeschlagen, als Strafe für das „Verbrechen gegen den Landesherrn“. Sein Kopf wurde zusammen mit der über den Mund gelegten Hand auf dem Staroměstská mostecká věž ausgestellt. Diese demonstrative Geste sollte mögliche weitere Gegner der habsburgischen Herrschaft abschrecken.
Im Jahr 1622 erwirkte die Gräfin von Schlik mit Unterstützung böhmischer Adeliger die Genehmigung, die Überreste abzunehmen und würdig zu bestatten. Schädel und rechte Hand wurden in der Familiengruft bei St. Salvator in der Prager Altstadt beigesetzt. Joachim Andreas war Bauherr dieser Kirche und beteiligte sich 1613 sogar an ihrem Entwurf, was dem ersten Bestattungsort eine besondere persönliche Bedeutung verleiht.
Die Wanderung der Gebeine
Während des sächsischen Einfalls in Prag in den Jahren 1631–1632 wurde die Gruft geöffnet und die Gebeine in die Schlosskapelle von Kopidlno überführt. Von dort gelangten sie in die neue Familiengruft bei Veliš im Raum Jičín. Das Mausoleum befindet sich nördlich der Gemeinde an der Straße nach Podhradí.
In der Gruft bei Veliš waren ursprünglich nur Schädel und rechte Hand beigesetzt, da der Verbleib des Körpers unbekannt war. Erst 1767 vermerkte der Jáchymover Dechant Antonín Jäckel in der Pfarrchronik, dass beim Bau einer neuen Sakristei in der Kirche St. Joachim ein in rotem Samt gekleideter Leichnam ohne Kopf und rechte Hand gefunden worden sei. Nach diesem Eintrag wurde der Körper nach Veliš überführt und dort als der Leichnam Joachim Andreas von Schlik bestattet. Ein direkter Identitätsnachweis fehlte zwar, doch die Indizien – insbesondere das Fehlen von Kopf und rechter Hand – galten als überzeugend.
Umstrittener letzter Ruheort
Mitunter wird auch die Kirche Mariä Himmelfahrt in Planá als mögliche Ruhestätte genannt. Die dortige Grabkapelle gehörte jedoch der Nebenlinie der Familie (Hauenstein), was diese Annahme wenig wahrscheinlich macht. Zudem wurde die Krypta 1828 geöffnet, ohne dass entsprechende Überreste gefunden wurden.
Schluss
Das Schicksal der sterblichen Überreste Joachim Andreas von Schlik spiegelt die dramatischen Verhältnisse der nachböhmischen Zeit wider. Von der öffentlichen Hinrichtung über wiederholte Überführungen bis zur endgültigen Beisetzung in der Familiengruft zeigt sich ein Weg, in dem sich Politik, Familiengedächtnis und der Versuch, Ehre zu bewahren, miteinander verflechten. Ebenso wie sein Leben blieb auch sein posthumer Weg eng mit der Geschichte Westböhmens und seines Geschlechts verbunden.


