PRÄGUNG UND MÜNZMEISTER
Einleitung
Die Herstellung von Münzen war ein vergleichsweise langwieriger und arbeitsintensiver Vorgang. In großen Münzstätten wie Kutná Hora, Jáchymov und Praha waren daran bis zu zweihundert Personen beteiligt. Auch in kleineren Münzstätten, etwa in Přísečnice, Český Krumlov oder Horní Slavkov, arbeiteten zahlreiche spezialisierte Fachkräfte. Anfangs handelte es sich um reine Handarbeit manufakturellen Typs; die erste maschinell ausgestattete Münzstätte war jene in Prag (ab 1622).
Die oberste Aufsicht über alle Münzstätten des Königreichs Böhmen führte seit der Mitte des 15. Jahrhunderts der Oberst-Münzmeister. In der jeweiligen Münzstätte wachte der Münzmeister (monetarius), der wiederum vom Probierer (Wardein) kontrolliert wurde. Unterstützt wurden sie vom Bergschreiber und dessen Stellvertreter (Provisor), die die gesamte Verwaltung führten. Für das Gebäude und die wirtschaftliche Organisation war der Schaffer zuständig.
Der technische Ablauf der Münzprägung
Geprägt wurde aus einer Legierung von Edelmetall mit Kupfer sowie aus eingeschmolzenen Silbergegenständen – alten Münzen, Schmuck oder Silbergeschirr. Dieses zurückgewonnene Metall wurde als „Pagement“ bezeichnet. Für die Münzstätte kaufte es der Wechsler (campsor) an. Nach dem Mischen von Silber, Kupfer und Pagement entstand eine Legierung, deren Qualität der Probierer entsprechend der vorgesehenen Münzsorte prüfte.
Nach der Kontrolle wurde die Legierung in der Gießkammer zu Barren gegossen. In der Schmiede wurden diese zu dünnen Blechen ausgeschmiedet. Der Münzarbeiter schnitt das Blech zunächst in Quadrate und anschließend zu runden Schrötlingen. Diese wurden in einer Lösung aus Salz und Weinstein gebleicht. Während des gesamten Prozesses wurde das Silber mehrfach gewogen, um Diebstahl zu verhindern. Verschnittreste gingen wieder in den Produktionskreislauf zurück.
In der Prägestube erfolgte schließlich die eigentliche Münzprägung. Der Prägemeister legte den Schrötling zwischen die Stempel, die auf einem Eichenblock befestigt waren, und schlug mit dem Hammer die Münze aus. Er musste genau so viele fertige Münzen abliefern, wie er Schrötlinge erhalten hatte. Die Qualitätskontrolle – Maß, Gewicht, Dicke und Ausführung – lag beim Münzmeister, der als Zeichen der Garantie sein Münzzeichen anbringen ließ. Fehlgeprägte Stücke wurden eingeschmolzen.
Die Stempel stellte der Stempelschneider her; ihre Lebensdauer betrug bis zu zehntausend Prägungen. Danach wurden sie amtlich entwertet. Erst mit Einführung der Maschinenprägung änderte sich dieses Verfahren grundlegend; zuvor bedeutete lediglich der Einsatz von Durchschlägen anstelle des aufwendigen Ausschneidens eine technische Verbesserung.
Aufgrund der hohen Verantwortung und zur Vermeidung von Diebstählen wurden Münzarbeiter überdurchschnittlich bezahlt. In Joachimsthal wurden zwischen 1520 und 1561 rund 11.000.000 Taler geprägt, daneben Prager Groschen sowie Mehrfach- und Teilstücke des Talers (Doppeltaler, Vierteltaler, Halbtaler). Bedeutende Erzeugnisse waren auch Medaillons, Gedenkmedaillen und Plaketten.
Münzmeister in Joachimsthal
Unter den Schlik:
Gebhart Oldřich
Weizelmann Hanuš
Sturz Wolf
Mergenthal Kašpar
Unter Ferdinand I.:
Puellacher Rupert
Geitzköfler Jiří
Unter Maxmilián II.:
Geitzköfler Jiří
Gipfel Hanuš
Weitere Münzmeister:
Vogelheimer Oldřich, Kempf Martin, Roll Wolfgang, Achelburg Oldřich, Krause Klaus, Tunkler Petr, Macasius Jan Jakub, Seeling Pavel Václav, Küttner Jan Jakub, Freistein Jan, Knobloch David, Kádner Jiří, Kádnerová Lucie (!), Hofmann Pavel, Taubenreuter Kryštof und Langefelder Centurio.


