GRÜNDERVÄTER
Einleitung
Im Zusammenhang mit der Entstehung Joachimsthals wird meist das Geschlecht der Schlik genannt – Eigentümer des Gebietes und zunächst auch der Stadt und der Münze. Weniger bekannt ist jedoch, dass die Schlik nicht allein handelten. Neben ihnen wirkten mehrere Persönlichkeiten, die das Projekt konzipierten, organisatorisch absicherten und praktisch umsetzten.
Nach damaligem Recht gehörten sämtliche Erze dem König, und nur er durfte deren Abbau gestatten. Logischerweise hätte der Landesherr das Gebiet übernehmen und die Förderung durch königliche Behörden organisieren können. Joachimsthal wurde jedoch zu einer Adelsstadt, und sowohl die Bergwerke als auch die Münzstätte befanden sich im Besitz der Schlik und weiterer Investoren. Hinter diesem außergewöhnlichen Modell stand eine Gruppe von fünf Männern, die als eigentliche „Gründerväter“ gelten können.
Jan Pluh von Rabstein
Der erste Impulsgeber
Jan Pluh entstammte einem nordwestböhmischen Adelsgeschlecht. Er wird mit den ersten Nachrichten über Silberfunde in der Umgebung der wüst gefallenen Siedlung Konradsgrünn in Verbindung gebracht. Er beteiligte sich an den frühen Erkundungen des Lagerstätte und stellte Kontakte zwischen den Schlik und Bergfachleuten her – nicht nur in Böhmen, sondern vor allem in Sachsen. Nach 1517 trat er jedoch in den Hintergrund, insbesondere wegen des Eintritts kapitalkräftigerer Investoren.
Wolf von Schönberg
Vertreter der erzgebirgischen Bergbauelite
Wolf von Schönberg stammte aus einer Familie von Bergfachleuten, die in Annaberg und Freiberg tätig waren. In die entstehende Siedlung brachte er vor allem Kapital, war aber auch ein fähiger Organisator. Entscheidend war, dass er erfahrene Bergleute und Fachleute aus Sachsen vermittelte. Sein Name verlieh dem Unternehmen Seriosität und Vertrauen. Mit der Festigung der schlikschen Verwaltung trat auch er in den Hintergrund, blieb jedoch im sächsischen Bergbau weiterhin aktiv.
Hans Thumshirn von Annaberg
Der Praktiker des Bergbaus
Hans Thumshirn war ein Bergbauunternehmer aus Annaberg, der in Joachimsthal den praktischen Betrieb organisierte. Er verfügte über das wichtigste Kapital jener frühen Phase – praktische Erfahrung im Bergbau. Er brachte sächsische Bergleute mit, führte erprobte Arbeitsmethoden ein und etablierte Disziplin im Grubenbetrieb. Später wurde auch er von stärkeren Investoren verdrängt und kehrte nach Sachsen zurück.
Alexander Leissnig
Der politische Stabilisator
In Quellen auch als Leissnik oder Leyßnig erwähnt, gehörte Alexander Leissnig zum höheren Reichsadel. Sein Beitrag war vor allem finanzieller Natur, doch ebenso bedeutend war sein politischer Einfluss und sein Netzwerk von Kontakten. Er half, die Verhältnisse im Grenzraum zwischen Böhmen und Sachsen zu stabilisieren und grundlegende Regeln zu setzen – zu einer Zeit, als noch kein Bergrecht kodifiziert war. Nach der Konsolidierung zog er sich zurück, da er Joachimsthal nur als eines seiner wirtschaftlichen Engagements betrachtete.
Heinrich von Könneritz
Der Architekt des Systems
Heinrich von Könneritz entstammte einem sächsischen Adelsgeschlecht und wurde als einer der Gründer zum ersten Berghauptmann ernannt. 1518 wirkte er an der Ausarbeitung des Bergrechts mit und war zwischen 1518 und 1525 Berghauptmann, Aufseher der Münze und zugleich mit gerichtlicher Aufsicht über die Stadt betraut. 1525 wurde sein Haus geplündert, wobei sämtliche Schriftstücke zerstört wurden. Nach 1540 verließ er Joachimsthal und trat in sächsische Dienste, wo er bis zu seinem Tod am 15. März 1551 wirkte.
Schluss
Diese fünf Männer bilden keine zufällige Liste. Jeder von ihnen brachte einen entscheidenden Bestandteil der funktionierenden Organisation ein – von der ersten Entdeckung und dem Impuls über Kapital und Fachwissen, technische Umsetzung und politische Absicherung bis hin zur institutionellen Verwaltung. Dank ihres Zusammenwirkens entstand innerhalb weniger Jahre eine Stadt, die zu den reichsten und einflussreichsten Europas gehörte.


