ANFÄNGE DES BERGBAUS IM ERZGEBIRGE
Im Erzgebirge und seinem Vorland wurde bereits in vorgeschichtlicher Zeit Bergbau betrieben. Davon zeugt der archäologische Fund des bislang ältesten bekannten Bergwerks auf dem Gebiet Böhmens – eines Quarzitbergwerks, das 1962 beim Aushub einer Kanalisation im Areal des Kraftwerks Tušimice bei Kadaň zufällig entdeckt wurde.
Auf einer Fläche von etwa einem halben Hektar wurden 19 Schächte mit einer Tiefe von bis zu fünf Metern sowie drei Stollen freigelegt.
Im Neolithikum (Jungsteinzeit) wurden Erze vor allem durch senkrechte Schächte gewonnen. Im Äneolithikum (Kupferzeit) waren diese Schächte bereits durch Stollen miteinander verbunden. Dieses frühe Bergwerk belegt erstaunlich fortgeschrittene bergmännische Kenntnisse der damaligen Bevölkerung.
Weitere Relikte alten Bergbaus finden sich bei Horní Halže. Dort wurden Magnetit und Hämatit – also Eisenerze – gewonnen. Neben größeren Gruben und Stollen existieren dort hunderte kleiner Schächte sowie oberflächliche Rillen, in denen das Erz gewonnen wurde. Der Abbau erfolgte saisonal, vor allem im Sommer, und noch am Ende des 18. Jahrhunderts wurden hier auf diese Weise bis zu 50 Tonnen Erz jährlich gefördert.
Obwohl die Bergbautradition des Erzgebirges sehr alt ist, setzte der eigentliche Aufschwung erst mit der Gründung von Joachimsthal ein. Der Silberboom gab dem gesamten Gebirge einen neuen Namen und ein neues Gesicht.
Die ursprüngliche Bezeichnung „Schwarze Berge“ wurde zunächst auf deutscher Seite durch „Erzgebirge“ ersetzt und später ins Tschechische als „Rudohoří“ übertragen. Der heutige tschechische Name „Krušné hory“ etablierte sich erst Ende des 19. Jahrhunderts; „krušit“ bedeutet Erz brechen oder zerkleinern. Die sowjetischen Berater während des Uranbergbaus im 20. Jahrhundert verwendeten konsequent die Bezeichnung „Rudnyje gory“.
Die kontinuierliche Erzförderung im Erzgebirge reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Generell gilt, dass die böhmische Seite des Gebirges gegenüber der sächsischen etwa ein Jahrhundert im Rückstand war. In Sachsen entstand Freiberg bereits 1168, im 13. Jahrhundert folgten Scharfenberg, Dippoldiswalde und Wolkenstein. Bedeutende Orte waren außerdem Altenberg (1451), Schneeberg (1470) und Annaberg (1496).
Auf böhmischer Seite entstanden entlang des gesamten Gebirgskamms Bergwerke. Im Vorland waren es Eisengruben bei Kadaň (1228). Im östlichen Erzgebirge entwickelten sich bei Zinnlagerstätten Krupka (1297) und Cínovec (1337), bei Silber Hrob (13. Jahrhundert). Im westlichen Erzgebirge entstanden Kraslice (1225) bei Kupferlagerstätten sowie Nejdek (vor 1340) mit Eisen- und Zinnvorkommen. Im zentralen Teil ragte besonders Přísečnice (1352) hervor.
Neben der Förderung waren auch Eisenhütten bekannt. Unter Johann von Luxemburg bestand hier vermutlich sogar eine Münzstätte, wie Kašpar Šternberk in seinem Werk Umrisse einer Geschichte der Böhmischen Bergwerke erwähnt.
Im Vorland entstand Hroznětín (Ende des 12. Jahrhunderts) mit Eisenhämmern und Zinnseifen. Im Tal des Schwarzen Baches entwickelte sich durch Eisenverarbeitung Kovářská (14. Jahrhundert), die zu einem Zentrum der Eisenproduktion wurde. 1595 wurde hier einer der ersten Hochöfen Böhmens errichtet.
Am Berg Mědník wurden 1446 Eisengruben eröffnet, und es entstand eine Bergbausiedlung. Hier befand sich bis 1992 das letzte Eisenerzbergwerk auf dem Gebiet der Tschechischen Republik. 1994 wurde noch einmal eine private Grube namens Germica eröffnet, die jedoch nach zwei Jahren wieder geschlossen wurde.
Diese frühen Zentren waren jedoch relativ isoliert. Von einer eigentlichen Besiedlung des Erzgebirges kann erst seit Beginn des 16. Jahrhunderts mit der Gründung von Joachimsthal gesprochen werden. Der damalige Silberrausch war in seiner Intensität mit den späteren Goldräuschen in den USA vergleichbar. Tausende Zuwanderer aus Böhmen und den deutschen Ländern strömten ins Gebirge. Siedlungen und Gruben entstanden sogar auf Moorböden in Höhenlagen um 1.000 Meter. So wurden etwa Gottesgab (Boží Dar) und Platten (Horní Blatná) gegründet – ursprünglich auf sächsischem Gebiet, später zu Böhmen gehörend.
Zwischen 1516 und 1550 wurden zehn Bergreviere erschlossen. In ihnen entstanden rund zwanzig Bergstädte und Bergflecken. Zum Vergleich: Zwischen 1424 und 1620 wurden im gesamten Königreich Böhmen etwa 120 Städte gegründet.
In dieser Zeit entstanden Joachimsthal (1516), Kupferberg (Měděnec, 1520), Bleistadt (Oloví, 1523), Böhmisch Wiesenthal (Loučná, 1527), Sankt Katharinaberg (Hora sv. Kateřiny, 1528), Abertham (Abertamy, 1529), Weipert (Vejprty, 1532), Bärringen (Pernink, 1532), Platten (Horní Blatná, 1532) und Gottesgab (Boží Dar, 1533).
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts setzte die Zuwanderung fort, und weitere Orte entstanden: Frühbuß (Přebuz, 1553), Niklasberg (Mikulov, 1554), Sankt Sebastiansberg (Hora sv. Šebestiána, 1558), Sonnenberg (Výsluní, 1556) und Platz (Místo, 1570).
Damit wurde das Erzgebirge zu einem der am dichtesten besiedelten Mittelgebirge Europas – und nach damaligem Maßstab vermutlich der ganzen Welt.


