SOWJETISCHE BERATER UND DER ATOMKOMPLEX – EINE PERSONELLE ANALYSE
11.1 Die Gruppe von 1945
Die erste sowjetische Gruppe bestand nicht nur aus geologischen Fachleuten, sondern auch aus hochrangigen Militärangehörigen.
Michajlow – General und oberster Leiter der Expedition.
Alexandrow – Leiter der geologischen Gruppe; zuvor im System der Bergbau- und Arbeitslager im Fernen Osten tätig.
P. J. Meschik – Generalleutnant, verantwortlich für die Sicherheit der Gruppe.
Die Anwesenheit von Offizieren in hohen Dienstgraden zeigt, dass das Projekt als Angelegenheit der staatlichen Sicherheit betrachtet wurde.
11.2 Personelle Kontinuität zum Gulag-System
Einige der Berater verfügten über Erfahrungen in der Verwaltung von Arbeitslagern:
Wolochow – zuvor im Gebiet von Norilsk tätig.
Jaroschenko – Geologe der Hauptverwaltung der Konzentrations- und Arbeitslager.
Diese personelle Kontinuität deutet auf eine Übertragung organisatorischer Erfahrungen aus den Bergbau- und Arbeitslagern der Sowjetunion hin.
11.3 Woloschtschuk und die Verbindung zu Wismut
Woloschtschuk war zwischen 1949 und 1953 Generaldirektor der Jáchymovské doly. Später übernahm er eine führende Position beim Unternehmen Wismut in der Deutschen Demokratischen Republik, das das ostdeutsche Gegenstück zur tschechoslowakischen Uranindustrie darstellte.
Diese Verbindung belegt, dass die tschechoslowakische und die ostdeutsche Uranförderung Teil eines umfassenderen sowjetischen Atomkomplexes waren.
11.4 Der Atomkomplex als transnationale Struktur
Das sowjetische Atomprogramm umfasste:
• Uranbergbau in der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und der DDR
• chemische Verarbeitung und Anreicherung
• den Bau von Reaktoren und Kernwaffen
Jáchymov war eines der Glieder dieser Kette. Es handelte sich daher nicht um ein isoliertes Unternehmen, sondern um einen Bestandteil einer übernationalen industriell-militärischen Struktur, die zentral von Moskau aus gesteuert wurde.


