RADIUMÄRA UND WELTWEITES MONOPOL (1896–1938)
Die Entdeckung der Radioaktivität durch Henri Becquerel im Jahr 1896 bedeutete eine Revolution in der Physik. Im Jahr 1898 isolierten Pierre und Marie Curie aus den Rückständen der Jáchymover Pechblende die Elemente Polonium und Radium. Damit wurde Pechblende zu einem der wertvollsten Rohstoffe ihrer Zeit.
Radium wurde durch ein aufwendiges chemisches Verfahren der fraktionierten Kristallisation gewonnen. Die Produktion war außerordentlich anspruchsvoll. Zur Gewinnung eines Gramms Radium mussten etwa 8 bis 10 Tonnen Erz verarbeitet werden.
Die jährliche Radiumproduktion in Jáchymov lag zwischen 1 und 3,5 Gramm. Die Höchstproduktion wurde in den 1930er Jahren erreicht. Der Preis für 1 Gramm Radium lag vor dem Ersten Weltkrieg bei etwa 300.000 bis 500.000 Mark. In der Zwischenkriegszeit besaß Jáchymov faktisch ein weltweites Monopol auf die Herstellung von Radium.
Die Radiumära hatte mehrere Folgen:
Jáchymov wurde zu einem Zentrum der Radiochemie.
Spezialisierte technische Anlagen zur Gewinnung radioaktiver Elemente entstanden.
Uran war nicht länger lediglich ein chemischer Rohstoff, sondern wurde zu einem wissenschaftlich und medizinisch bedeutenden Element.
Im Jahr 1905 wurde die Radioaktivität der Grubenwässer im Bergwerk Werner (Rovnost) nachgewiesen, verursacht durch die Anwesenheit von Radon – einem Gas, das beim Zerfall von Radium entsteht. Damit wurde der Grundstein für die Radontherapie gelegt, die auch nach dem Ende des Bergbaus fortbestand.
Die Radiumära endete im Jahr 1938 mit dem Anschluss der Stadt an das Deutsche Reich.


