GEOLOGISCHE GRUNDLAGE DER LAGERSTÄTTE
Die Lagerstätte von Sankt Joachimsthal (Jáchymov) befindet sich im zentralen Teil des Erzgebirgskristallins und ist ein klassisches Beispiel einer hydrothermalen Ganglagerstätte polymetallischen Typs. Die Mineralisation ist vor allem an nord-südlich verlaufende Gänge gebunden, die das Gneis- und Granitgrundgebirge durchschneiden. Historisch wurde die Lagerstätte hauptsächlich wegen ihres Silbervorkommens ausgebeutet, während die Uranmineralisation lange Zeit als unerwünschte Begleiterscheinung betrachtet wurde.
Das wichtigste Uranmineral ist Pechblende (Uraninit), die überwiegend aus Uran(IV)-oxid (UO₂) mit einem variablen Anteil von U₃O₈ besteht. Uran tritt hier in Vergesellschaftung mit Nickel, Kobalt, Wismut, Arseniden und Silbermineralen auf. Diese mineralogische Zusammensetzung führte dazu, dass Bergleute bereits seit dem 16. Jahrhundert ungewöhnliche „schwarze Gänge“ beobachteten, die jedoch im Rahmen der damaligen Metallurgie wirtschaftlich nicht nutzbar waren.
Eine Besonderheit der Lagerstätte von Jáchymov ist die relativ hohe Konzentration der Uranmineralisation auf engem Raum. Dies wurde später sowohl für die Entwicklung der Radiochemie als auch für den industriellen Uranbergbau nach dem Zweiten Weltkrieg von entscheidender Bedeutung.
Hinsichtlich der Isotopenzusammensetzung enthält natürliches Uran etwa 99,3 % des Isotops U-238, rund 0,7 % des spaltbaren Isotops U-235 sowie Spuren von U-234. Gerade die Anwesenheit von U-235 macht Uran zu einem strategisch wichtigen Rohstoff für Kerntechnologien.


