CHEMISCHE PHASE UND HERSTELLUNG VON URANFARBEN (1843–1896)
Der industrielle Wendepunkt kam im Jahr 1843, als der Chemiker Adolf Patera mit der systematischen Verarbeitung von Pechblende zur Herstellung von Uranfarben begann. Diese Phase wird häufig unterschätzt, obwohl sie die technologische und logistische Grundlage für die spätere Radiumproduktion schuf.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lag die jährliche Förderung bei etwa 40 bis 50 Tonnen Uranerz. Das Erz wurde chemisch zu Uransalzen verarbeitet, insbesondere zu Natrium- und Kaliumuranaten, die als Pigmente zum Färben von Glas und Porzellan dienten. Uranglas zeichnete sich durch seine charakteristische grünlich-gelbe Fluoreszenz unter ultravioletter Strahlung aus.
Der entscheidende technologische Aspekt bestand darin, dass nach der Gewinnung der Uransalze Rückstände verblieben, die weitere radioaktive Elemente enthielten. Dieses Material galt lange Zeit als wertlos. Aus eben diesen Rückständen isolierte Marie Curie-Skłodowska später das Radium.
Die chemische Phase schuf somit:
– die bergbauliche Infrastruktur
– die ersten chemischen Verarbeitungsanlagen
– ein logistisches System für den Export von Uranprodukten
– Vorräte an sekundärem Material, das für die Radiochemie nutzbar war
Ohne diese Entwicklungsphase wäre die Jáchymover Pechblende lediglich eine mineralogische Kuriosität geblieben.


