JOACHIMSTHALER GRÄBER
Veränderungen im Laufe der Zeit
Der Friedhof wurde 1530 als katholischer Friedhof gegründet. Im 16. Jahrhundert nutzten ihn Protestanten, während der Gegenreformation wurde er erneut katholisch geweiht. Diese Veränderungen gingen mit der Zerstörung der Gräber Andersgläubiger einher. Besonders tragisch ist das Schicksal des Grabes des Predigers Johann Mathesius, das während der Rekatholisierung zerstört wurde. Seine sterblichen Überreste wurden der Überlieferung nach ins Mühlental geworfen. Nach anderen Quellen befand sich das zerstörte Grab in der Kirche St. Joachim. Weitere massive Zerstörungen der Grabstätten erfolgten nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach 1945. Dennoch sind mehrere Gräber erhalten geblieben, die Aufmerksamkeit und Erinnerung verdienen.
Alter und neuer Teil des Friedhofs
Die ausgewählten Grabstätten befinden sich sowohl im älteren als auch im neueren Teil des Friedhofs. Mehrere sind im hinteren Bereich erhalten, der ursprünglich das evangelische und Kinderabteil war. Paradoxerweise befindet sich dieser Teil heute in einem schlechteren Zustand, obwohl er einst von einer Kastanienallee beschattet wurde.
Kriegsgräber und Kenotaphe
Michal Kostrej (10. 8. 1921 – 17. 8. 1976) war Veteran des Zweiten Weltkriegs. Er diente als Soldat und wurde am 24. 4. 1945 in Sobrance in der Slowakei eingezogen.
Ernst Kraus (gestorben am 1. 5. 1920 im Alter von 28 Jahren) war Veteran des Ersten Weltkriegs. Auf seinem Grabstein steht Lehrer u. Obltn. i. R. (Lehrer und Oberleutnant der Reserve). Er war der Sohn des Malermeisters Anton Kraus.
Herman Löser (7. 4. 1908 – 27. 1. 1940) fiel im Rang eines Oberkraftfahrers (höherer Kraftfahrer, Unteroffiziersrang). Er starb in Niedermarsberg und wurde zur Beisetzung nach Jáchymov überführt.
Emil Horler (24. 5. 1889 – 5. 10. 1961) war Veteran des Ersten Weltkriegs. Auf seinem Grabstein steht Inft., TitGefr., IR. Nr. 92, 6. Komp. (Infanterist, Titulargefreiter, Infanterieregiment Nr. 92, 6. Kompanie). Er wurde am 11. 7. 1916 verwundet.
Wenzel Zimmermann (22. 11. 1896 – 28. 7. 1966) war Veteran des Zweiten Weltkriegs im Rang eines Korporals. Er wurde am 18. 11. 1941 in Großbritannien eingezogen.
Karl Pschorn (18. 1. 1897 – 17. 9. 1917) besitzt ein Kenotaph, also ein symbolisches Grab. Er war Leutnant i. d. Res., IR. Nr. 42, zugeteilt IR. Nr. 79 (Leutnant der Reserve, Infanterieregiment Nr. 42, zugeteilt dem Infanterieregiment Nr. 79). Er fiel in Laibach (Ljubljana).
Anton Klinger (21. 2. 1893 – 17. 2. 1915) besitzt ebenfalls ein Kenotaph. Auf dem Grabstein steht Inft., k. k. LIR. Nr. 10, 2. ErsKomp. (Infanterist, kaiserlich-königliches Landwehr-Infanterieregiment Nr. 10, 2. Ersatzkompanie). Er fiel in der Schlacht bei Gorlice in Galizien (heute Polen) und wurde dort auf einem Militärfriedhof beigesetzt.
Franz Weis (13. 10. 1909 – 28. 7. 1941) war Unteroffizier der Wehrmacht. Er besitzt ein Kenotaph. Er fiel bei Labushne im Gebiet Donezk (Ukraine) und ist in Plopi in Moldawien beigesetzt.
Persönlichkeiten der Stadt
Karl Schuldes (4. 11. 1869 – 4. 3. 1937) war Steuerbeamter und Kommandant des Veteranenvereins.
Max Sauerstein (März 1901 – 25. 9. 1947) war Eigentümer einer Handschuhfabrik, die gegenüber den heutigen Plattenbauten stand.
Franz Kuhlmann (10. 9. 1836 – 11. 12. 1920) war Mitinhaber einer Handschuhfabrik bei der Johanneskapelle und Bürgermeister der Stadt. Sein Namensvetter Franz Kuhlmann (16. 9. 1875 – 29. 1. 1926) war ebenfalls Mitinhaber dieser Handschuhfabrik.
Anton Müller war dritter Vorsitzender des Erzgebirgsvereins.
Adolf Langhans (20. 2. 1848 – 12. 10. 1922) war Bürgermeister der Stadt, zweiter Vorsitzender des Erzgebirgsvereins und Grubenarzt.
Ottokar Holly (1875 – 1933) war Maler.
Rudolf Harzer (1890 – 1934) war Kaufmann.
Gregor Lindner (29. 9. 1831 – 9. 4. 1917) war päpstlicher Geheimkämmerer, Priester, Dechant von Jáchymov, Chronist der Stadt und Mitglied des Stadtrates.
Josef Stuchly (gestorben am 19. 9. 1918) war Kontrolleur in der staatlichen Tabakfabrik. Adalbert Rauscher (gestorben am 2. 12. 1928) war Schuldirektor.
Familie Rehn
Emilie Rehn (19. 4. 1882 – 14. 10. 1925) ist in der ursprünglich geplanten Familiengruft des Baumeisters Franz Rehn beigesetzt. Aufgrund der Vertreibung ist hier lediglich seine erste Ehefrau bestattet.
Karl Victor Ritter von Hansgirg (1823 – 23. 1. 1877) war Dichter, Bezirkshauptmann und Unterzeichner der Erklärung tschechischer und deutscher Schriftsteller von 1848.
Der Friedhof von Jáchymov ist somit nicht nur ein Ort der letzten Ruhe, sondern auch ein stilles Zeugnis der Stadtgeschichte.


